Bern - Ökologische Innovation mit Qualität und Bekanntheit eines Schweizer Uhrwerks, das soll mithilfe des neuen Wirtschaftsverbands swisscleantech der Schweizer Wirtschaft Auftrieb geben. Der Verband will nachhaltig wirtschaftenden Unternehmen eine Lobby geben.
In Bern rüstet sich die Schweizer Wirtschaft für den Klimawandel, während die politischen Delegationen auf dem Umweltgipfel in Kopenhagen gerade erst ihre Unterlagen auspacken. 70 Schweizer Unternehmen haben den neuen Wirtschaftsverband swisscleantech gegründet. Gemeinsam mit der Politik soll ökologische Innovation aus der Schweiz so bekannt und erfolgreich wie Schweizer Uhren gemacht werden. Denn Wirtschaftswachstum müsse nicht mit steigenden Umweltemissionen einhergehen, sagt Initiator Nick Beglinger: „Das haben Schweizer Firmen verstanden. In der Produktion, bei Dienstleistungen oder Prozessen gibt es bei uns im Land Firmen, die Weltklasse sind.“ Statt ihnen das Leben zu erschweren, soll es ihnen erleichtert werden. Den Unternehmergeist bei nachhaltigen Ideen will man fördern, sich für schlanke Rahmenbedingungen einsetzen und eine gemeinsame Dachmarke aufbauen. Beglinger: „Wir brauchen eine Wirtschaftsstrategie für Cleantech.“ Um dies in Bern durchzusetzen, wurden bereits renommierte Namen aller grossen Schweizer Parteien, wie die Ständerätinnen Erika Forster (FDP/SG) und Simonetta Sommaruga (SP/BE) oder Nationalrätin Kathy Riklin (CVP/ZH), ins swisscleantech-Boot geholt. Die Mitgliederliste soll sich letztlich so lesen wie die des Who is Who des innovativen Schweizer Unternehmertums. Der Anfang ist gemacht: Dabei sind die Immobilienexperten von Avireal, die intensiv mit dem energieeffizienten Minergiestandard arbeiten, die CO2-Zertifizierungs-Pioniere der Stiftung MyClimate, der Medienriese Ringier, die fairen Textilienunternehmer von Switcher oder die Hersteller der ersten klimaneutralen Brillengläser von Knecht + Mueller. Beglinger, der nicht nur Unternehmer, sondern auch Präsident der Stiftung „Foundation for Global Sustainability“ist, konnte bereits eine lange Sympathisantenliste aufstellen: „Ich bin zuversichtlich, dass wir in einem Jahr bereits 200 Mitglieder haben.“ Ein starkes Zugpferd dürfte Bertrand Piccard sein. Der Vater der innovativen Solarflieger-Idee von Solar Impuls sitzt dem Patronatskommitees von swisscleantech vor. Nachhaltigkeit eine Stimme verleihenNeben der Aktivierung nachhaltiger Firmen geht es um Vernetzung. Der Programmdirektor von WWF Schweiz, Thomas Vellacott, steht voller Überzeugung hinter der Sache: „Man hört in Bern häufig diejenigen am lautesten, die den Status Quo erhalten wollen. Dabei sollte denen Gehör geschenkt werden, die nachhaltiges Wachstum vorantreiben und Klimarisiken verringern. Ich bin froh, dass diese nun eine Stimme erhalten.“ Hierbei könne auch kompetenter Sachverstand dafür sorgen, dass die Spreu vom Weizen getrennt wird – grün angestrichene von grundlegend nachhaltigen Aktivitäten unterschieden werden. Ebenfalls Christian Wenger von Seca, dem Schweizerischen Verband für Unternehmensfinanzierung, betont die Notwendigkeit von swisscleantech: „Ich berate viele Jungunternehmer und sehe das Potential gerade im Cleantech-Bereich. Doch die jungen Leute vermissen ein Cluster, Kräftebündelung und vor allem Risikokapital. Gemeinsam müssen wir uns dafür einsetzen, dass sie mit ihren Ideen nicht ins Ausland gehen, sondern hier im Land innovativ sind.“ Die etablierten Wirtschaftsverbände hätten das Thema der Ökologie bis dato zu wenig berücksichtigt. Wenger: „Es fehlte der Wille zum gemeinsamen Ziel, in 30 Jahren bei ökologischen Innovationen an die Weltspitze zu kommen. Jetzt kann dies formuliert werden. Ich bin überzeugt: Der Klimawandel kann für uns wirtschaftlich zu einer Chance werden.“ Aktiv in die Tagespolitik einmischenKonkrete Forderungen hat der Verband noch wenige aufzuweisen. Doch momentan etabliere sich die Mitgliederbasis, sagt Beglinger. Erst wenn das geschehen sei, könnten gemeinsame Forderungen in Bern eingebracht werden. Und die Erwartungen des politischen Sprechers von swisscleantech, dem Präsidenten der Grünliberalen Partei Martin Baeumle, reichen weit: „Swisscleantech muss sich aktiv ins tagespolitische Geschehen einbringen. Die Mitglieder sollen sich nicht nur hinter verschlossenen Türen wiederfinden, sondern auch in der öffentlichen Diskussion.“ Eine Forderung der Initianten ist bereits klar und deutlich formuliert: Dürften sie über ein Klimaabkommen in Kopenhagen entscheiden, hätte jedes Land den CO2-Ausstoss unter gewissen Bedingungen nicht nur um 20 Prozent, sondern um 40 Prozent zu senken. Da sind sich Nick Beglinger, Thomas Vellacott und die anderen Mitstreiter einig. Schliesslich geht es darum, die Schweiz als grünen Vorreiter zu etablieren. Ob die Schweiz dies auch will, wird sich zeigen. Bild: vlnr - Thomas Vellacott (WWF Schweiz), Nick Beglinger (Initiant von swisscleantech und Präsident der Foundation for Global Sustainability), Christian Wenger (Seca, dem Schweizerischen Verband für Unternehmensfinanzierung) (Yvonne von Hunnius)
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