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Es ist wahrscheinlich die grösste Konferenz, die jemals in Europa stattgefunden hat. Zwei Wochen lang diskutieren bis zu 20000 Delegierte über die globale Klimapolitik, beobachtet von mindestens 5000 Journalisten. Hinzu dürften nochmals Tausende Interessenvertreter und Aktivisten kommen. Zu den normalen Unterhändlern und Delegierten am heute beginnenden UN-Klimagipfel in Kopenhagen kommen nochmals Dutzende Staats- und Regierungschefs, angefangen mit US-Präsident Barack Obama diese Woche. Effizient ist das nicht. Unter diesen Umständen können keine internationalen Abkommen erarbeitet werden. Aber darauf hat Gastgeber Dänemark inzwischen bereits verzichtet. Es wird kein „Kopenhagen-Protokoll“ geben, das die Zukunft der globalen Klimapolitik festschreibt. Bestenfalls wird es eine politische Einigung geben, die ein paar Eckpunkte enthält. Auch das ist schwer genug zu erreichen. Denn die Positionen liegen weit auseinander. Die USA bieten eine Verringerung ihres Ausstosses von Kohlendioxid bis 2020 um 17 Prozent an, verglichen mit 2005. Verglichen mit 1990 wären das gerade mal 4 Prozent. China und die Entwicklungsländer – also zwei Drittel der in Kopenhagen vertretenen Länder – fordern von den USA und den anderen Industrieländern 40 Prozent – verglichen mit 1990. Europa liegt dazwischen: 20 Prozent auf jeden Fall. 30 Prozent, wenn alle Industrieländer mitziehen.Schwer vorstellbar, dass da ein Kompromiss möglich ist. Denn die Obama-Administration hat noch nicht einmal den US-Senat dazu gebracht, die 17 Prozent zu akzeptieren. Da kann es sich kaum zu mehr verpflichten. Und China wird sich mit so einem niedrigen Angebot nicht ködern lassen. Denn schliesslich will das Reich der Mitte – wie die anderen Schwellen- und Industrieländer auch – seinen CO2-Ausstoss noch massiv erhöhen. Das geht nur, wenn die Industrieländer den ihren massiv verringern. Der Kompromiss könnte darin liegen, dass man sich darauf einig, worüber man schon einig ist: Der Anstieg der globalen Durchschnittstemperatur muss auf 2 Grad beschränkt werden. Und wie sollen die Klimadiplomaten daraus ein Abkommen machen? Auch nach Kopenhagen werden sich die USA kaum einschränken wollen. China und die anderen Entwicklungsländer werden weiter wachsen wollen. Das sieht nach langwierigen Verhandlungen aus, die vom halbherzigen Erfolg zum nächsten Scheitern zum übernächsten halben Misserfolg stolpern werden. Gut möglich, dass das Kyoto-Protokoll Ende 2012 ausgelaufen sein wird, bevor ein neues Abkommen an seine Stelle tritt. Doch die Tatsachen sind hartnäckig, und sie werden immer unbequemer: Der Klimawandel wird immer spürbarer werden. Er wird gerade in den Schwellen- und Entwicklungsländern zuschlagen, die Wachstum vor Klimaschutz stellen. Aber auch die Industrieländer werden nicht ungeschoren davon kommen. Der Ölpreis wiederum dürfte ansteigen, sobald die Krise vorbei ist. Beides miteinander verbunden wird zum Abschied vom fossilen Zeitalter führen. Es ist mehr als symbolisch, wenn am ersten Tag des Klimagipfels in der Schweiz mit swisscleantech ein Verband nachhaltig orientierter Unternehmen erstmals an die Öffentlichkeit tritt. Denn bisher hat die Wirtschaft eine Klimapolitik, die diesen Namen verdient, nach besten Kräften verhindert. Genauer gesagt: Die bisherigen Verbände haben dies getan, angeführt durch economiesuisse. Sie haben damit erfolgreich verhindert, dass die Schweiz zum Vorreiter nachhaltigen Wirtschaftens wird. Anders gesagt: Sie haben erfolgreich gute Geschäfte verhindert. Die Wirtschaft braucht neue Interessenvertreter. Sie muss die Politik zu einer wirksamen Klimapolitik drängen. National wie international. Mit einem bloss äusserlichen Erfolg in Kopenhagen ist es nicht getan.
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