Steffen Klatt: Warum haben Sie in diesem Jahr den Green Power Eco Fund aufgelegt? Steffen Klatt: Wo investieren Sie? Jürgen Frick: Geographisch gesehen in Deutschland und Spanien. Kürzlich haben wir in Italien investiert. In Deutschland sind Windkraftanlagen das zentrale Thema. Photovoltaik machen wir vor allem in Italien und Spanien. Dabei investieren wir stets direkt in Projekte, die wir sorgfältig auswählen. Steffen Klatt: Die erneuerbaren Energien haben in diesem Jahr unter ihrer ersten Wachstumskrise gelitten. Ist jetzt der richtige Zeitpunkt für Investitionen? Jürgen Frick: Der Zeitpunkt für solche Investments ist ideal. Es sind Sachwertanlagen und deren Renditen sind praktisch unabhängig von den internationalen Finanzmärkten. Es ist schwieriger geworden, Fremdkapital für die Finanzierung von Projekten zu bekommen. Aus der Optik des Investors ist es aber ein idealer Zeitpunkt zum einen, weil die Zinsen sehr tief sind. Sie liegen am Geldmarkt bei 0 Prozent, zehnjährige Staatsanleihen sind bei 1,5 bis 2 Prozent Rendite. Da bieten die erneuerbaren Energien eine Rendite, die langfristig deutlich höher liegen als Staatsanleihen. Steffen Klatt: Die erneuerbaren Energien hängen sehr stark von der Politik ab, in den einzelnen Ländern von den Einspeisegesetzen, global etwa von der Klimapolitik, über die jetzt in Kopenhagen diskutiert wird. Wie gehen Sie mit dieser politischen Unsicherheit um? Jürgen Frick: Das stimmt, die Rahmenbedingungen müssen stimmen. Es gibt aufgrund des Energieeinspeisegesetzes pro Kilowattstunde Strom Fixpreisgarantien, und das über die gesamte Laufzeit der Anlage. Das gibt eine grosse Sicherheit. Für zukünftige Projekte, die wir ins Portfolio aufnehmen, ist es ganz wichtig, dass die Rahmenbedingungen attraktiv bleiben. Steffen Klatt: Wie wichtig ist ein Erfolg des Klimagipfels in Kopenhagen? Jürgen Frick: Für den Fonds selbst ist es eher sekundär. Aber für das Thema ist es wichtig, dass man sieht, die Politik fördert die erneuerbaren Energien weltweit und nicht nur in Einzelstaaten. Aus dieser Sicht ist es wichtig, dass der Gipfel ein Erfolg wird und es nicht bei Lippenbekenntnissen bleibt. Steffen Klatt: Wie wichtig sind die erneuerbaren Energien für die Bank Frick? Jürgen Frick: Wir wollen mit den erneuerbaren Energien uns im Markt unterscheiden. Wir wollen zeigen, dass auch eine kleine Privatbank innovativ sein und Expertise aufbauen kann, und dass sie in der Lage ist, ein attraktives Volumen in diesem Bereich verwalten kann. Es ist eine Weiterentwicklung der klassischen Vermögensverwaltung; ich sehe es als komplementär dazu an. Steffen Klatt: Wie wichtig sind eigene Fonds? Jürgen Frick: Eigene Fonds, aber auch Fonds von Dritten sind die wichtigsten Bausteine der Bank, um Anlagestrategien umsetzen zu können. Steffen Klatt: Welche Vorteile hat der Fondsstandort Liechtenstein? Jürgen Frick: Der Fondsplatz Liechtenstein ist sehr gut aufgestellt und verfügt über ein effizientes Fondsgesetz. Die Kosten sind überschaubar, gerade auch im Vergleich zu unserem direkten Konkurrenten Luxemburg. Wir haben eine sehr effiziente Aufsicht. Das ist wichtig gerade auch mit Blick auf die vielen Fonds, die über sog. Off-Shore Plätze mit betrügerischer Absicht tätig gewesen sind. Steffen Klatt: Kann die Fondsindustrie wettmachen, was die Vermögensverwaltung aufgrund des faktischen Endes des Bankgeheimnisses verliert? Jürgen Frick: Ja und nein. Im Bereich der traditionellen Produkte (Geldmarkt, Anleihen und Aktien) wird es kaum möglich sein, aus der klassichen Vermögensverwaltung eine Kompensation realisieren zu können.. Möglich ist aber, dass ausländische Vermögensverwalter liechtensteinische Anlageprodukte aufstellen. Spezialprodukte könnten eine Spezialität des hiesigen Fondsplatzes werden. Steffen Klatt: Was halten Sie von der Klimastiftung, die vom Bankenverband und der Regierung Liechtensteins lanciert worden sind? Jürgen Frick: Das finde ich sensationell. Der Bankenverband setzt sich damit für ein sehr wichtiges Thema ein. Damit ist Liechtenstein bei den Pionieren. Daraus kann sich ein echtes Geschäft entwickeln. Der Bankenverband kann in einzelnen Bereichen, etwa dem Emissionshandel, Know how organisieren. Schlussendlich muss aber jeder Marktteilnehmer entscheiden, ob er das Thema aufgreift. Steffen Klatt: Wird die Bank Frick in den Kohlendioxidmarkt gehen? Jürgen Frick: Wir prüfen das. Die Entscheidung werden wir wahrscheinlich im nächsten Jahr treffen. Steffen Klatt: Der Finanzmarkt Liechtenstein hat ein schwieriges Jahr hinter sich, wie auch die Schweiz. Kann die Profilierung bei erneuerbaren Energien und im Kohlendioxidmarkt den Finanzmarkt in eine neue Richtung ziehen? Jürgen Frick: Ein Finanzmarkt hat seine Existenzberechtigung nicht in einer einzigen Anlageklasse oder einem einzigen Anlagethema. Liechtenstein hat im Private Banking eine Tradition und sich gerade auch in den vergangenen beiden Jahren als ein Hort der Stabilität erwiesen. Aber das Thema erneuerbare Energien bietet eine Chance, sich ein etwas anderes Profil als bisher zu erarbeiten. Diese neue Reputation wirkt sich auf den ganzen Finanzmarkt aus.
Zur Person: Jürgen Frick ist Generaldirektor der Bank Frick in Balzers in Liechtenstein. Die 1998 gegründete Bank ist unter anderem in der Projektentwicklung im Bereich der erneuerbaren Energien engagiert. Insgesamt verwaltet die Bank 2,1 Milliarden Franken (2008). In diesem Jahr wurde der Green Power Eco Fund nach liechtensteinischem Recht aufgelegt.
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