Schokoladenbuchstaben gehören zu Sinterklaas wie die Deiche zu Holland. Mehr und mehr von ihnen kommen aus fairer Produktion. In den Niederlanden ruft der „Groene Sint” dazu auf, den Alltag nachhaltig zu gestalten. Die traditionellen Schokoladenbuchstaben zum Nikolaustag kommen dieses Jahr nur aus nachhaltiger Produktion.
Seit Mitte November schon zieht Sinterklaas (Nikolaus) seine Runden durch die Niederlande. Schulen, Parteien, Sportvereine und Betriebe - keine Organisation, die für die Belegschaft zu diesem Anlass nicht ein Fest geben würde. Geschenke, Lieder und Gedichte sind Teil des in allen Altersklassen populären Brauchs - und die sogenannten Chocoladeletters, etwa 20 Zentimeter messende Buchstaben aus purer Schokolade, die in zahlreichen Geschäften erhältlich sind. Nur noch Schokolade aus gerechtem Handel
Genau hier setzt eine Kampagne der Entwicklungsorganisation Oxfam Novib an, des niederländischen Zweigs von Oxfam International: sie will den Einzelhandel dazu bewegen, das landesweite Symbol nur noch aus fairer Produktion zu verkaufen. Seit drei Jahren setzt sie sich dafür ein, und dieses Mal findet sie besonders deutliche Worte: „Alle 19 Millionen falschen Chocoladeletters aus den Läden!”, fordert Oxfam. Dazu steht eine Online-Petition zum Unterzeichnen bereit. Frank Mechielsen, Autor einer Oxfam- Studie zum Verkauf von Fairtrade-Schokolade, erklärt, warum: „Die Läden sagen uns schon seit Jahren, dass sie daran arbeiten, aber wir wollen eine deutliche Zusage. Darum haben wir die Kampagne dieses Jahr in einem schärferen Ton gehalten.” Niemand indes könnte einen ernsten Appell besser auf fröhliche Weise umsetzen als Sinterklaas, dessen Gedenktag in den Niederlanden vielfach grösser gefeiert wird als Weihnachten. Und so schickt Oxfam Novib den Groene Sint (Grüner Nikolaus) ins Rennen, um auf Veranstaltungen und in der Öffentlichkeit für die Kampagne zu werben. Ein täglicher Video-Podcast folgt dem grün gewandeten Nikolaus in Supermärkte, zu Begegnungen mit seinen Kollegen, die traditionell in rot gehen, oder bis in das Parlament, wo er den Abgeordneten Ende November eine Petition mit dem Titel „Nachhaltig währt am längsten” überreichte. Gerechter Handel als VerkaufsschlagerWährend diese von mehr als 70.000 Menschen unterzeichnet wurde, schlossen sich in der vergangenen Woche erstmals Unternehmen an. Die Süsswarenkette Jamin kündigte an, von 2012 an nur noch Buchstaben zu verkaufen, die unter fairen Bedingungen für Menschen und Umwelt hergestellt wurden. Lidl will bereits ab 2010 umsteigen auf den Verkauf von Produkten, die ein Fair Trade- Label tragen. Auch die preisgünstige Allroundkette HEMA wird in der nächsten Wintersaison nur noch zertifizierte Ware anbieten. Zu Beginn dieser Woche traf die Kaufhauskette Vroom&Dreesman denselben Entschluss. Lob vom grünen NikolausDer Domino- Effekt dieser Erklärungen zeigt zum einen, wie sehr ein guter Ruf in puncto Nachhaltigkeit inzwischen zum Gesamtimage beiträgt. Die Oxfam- Initiative setzt auf dieses gewachsene Bewusstsein und begrüßt jeden Betrieb, der sich zum Umdenken entscheidet, überschwänglich - und namens des Groene Sint mit einem stilechten Lob wie „Gut gemacht, Lidl!”. Gleichzeitig erhöht sich damit der Druck auf Betriebe wie Aldi oder den Drogerie-Billiganbieter Kruidvat, die konventionelle Buchstaben anbieten und auf der Oxfam- Website mit einem „Der Kampf geht weiter” ins Visier genommen werden. Industrie wehrt sichSeitens der Betriebe gibt es für die Initiative längst nicht allein Lob: „Es entsteht der Eindruck, dass alle Schokolade ohne Label automatisch durch Kinderhände und Umweltverschmutzung hergestellt wird”, so Jamin-Marketingmanager Leon van Poelwijk. Marc Jansen vom Zentralbüro Lebensmittelhandel (CBL) bemängelt den denunzierenden Charakter der Kampagne und betont, die Branche habe bereits seit Jahren eigene Schritte zur Förderung fairen Handels unternommen. Oxfam-Mitarbeiter Mechielsen lässt sich davon nicht beeindrucken: „Zuerst muss sich die Haltung der Ketten verändern. Die geht noch zu oft in die Richtung, etwas Gutes zu tun und ein Nischenprodukt verkaufen. Aber es muss ein Kerngeschäft werden.” Bild: Oxfam Novib
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