Holz-Pionier baut hoch hinaus

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Geschrieben von: Yvonne von Hunnius, Sursee 23.11.09
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renggli max yvonne von hunniusKonsequent ist er gegen den Strom geschwommen und hat nachhaltig Erfolg: Als Geschäftsführer der Generalunternehmung und Holzbaufirma Renggli AG realisiert Max Renggli mit seiner Mannschaft Einfamilien- und Mehrfamilienhäuser sowie Objektbauten konsequent nach den energieeffizienten Minergie-Baustandards. Und hat damit in der Schweiz eine Pionierrolle übernommen.

Yvonne von Hunnius: Wie würden Sie Innovation im Baubereich definieren?

Max Renggli: Für mich hat Innovation nicht unbedingt etwas mit Neuerfindung zu tun, sondern es ist eine intelligente Kombination verschiedener Ideen, um Mehrwert für die Anspruchsgruppen zu generieren. Innovativ zu sein, bedeutet auch, Traditionen zu hinterfragen und neues Potenzial für die Zukunft zu schaffen. Im Hausbau beispielsweise führt die Verbindung kreativer Architekturideen mit neuen technischen Methoden in Bautechnologie und Haustechnik unter Berücksichtigung der Umwelt zu begeisternden Bauprojekten. So entstehen gefühlte Innovationen, die vermittelt werden.

Yvonne von Hunnius: Welche Innovationen hat konkret der Holzbau hervorgebracht?

Max Renggli: Der Holzbau hat in den letzten zehn Jahren in der Schweiz eine grosse Entwicklung durchgemacht. Die Branche hat es geschafft, dass das Holzhaus wieder Marktakzeptanz gefunden hat. Büro-, Gewerbe- oder Industriebauten haben sich bis vor kurzem die wenigsten spontan als Holzgebäude vorgestellt. Im letzten Jahrzehnt hat die Forschung im Holzbau aber neue technische Erkenntnisse und Methoden hervorgebracht, die Holz auch im mehrgeschossigen Bau zu einem perspektivenreichen Baustoff machen. Der Holzbau hat sich im energieeffizienten Bauen eine unbestrittene Vorreiterrolle geschaffen.  In der industriellen Vorfabrikation führen technisch durchstrukturierte Produktionsabläufe unter optimalen Rahmenbedingungen im Werk zu absoluter Massgenauigkeit und höchster Qualität der Produkte. Das Ziel ist immer, mit nachhaltigen Baumaterialien Gebäude zu realisieren, die tiefen Energieverbrauch und höchsten Wohnkomfort für den Nutzer garantieren.

Yvonne von Hunnius: Welche Argumente sprechen für den Baustoff Holz?

Max Renggli: Holz ist ein genialer Baustoff. Er weist sehr gute statische Werte auf, ist CO2-neutral und hundertprozentig rezyklierbar. Zudem weist er für den Hausbau sehr gute Wärmedämmleistungen aus. So gesehen wäre es unverantwortlich, den Rohstoff Holz, der ohne Zugabe von technischer Energie vor unserer Haustüre wächst, nicht zu nutzen. Ein wesentlicher Faktor ist jedoch: Es gibt wohl keinen emotionaleren Baustoff als Holz. Im letzten halben Jahr habe ich drei Pfahlbauhäuser aus Holz, Lehm und Stroh mitgebaut – so, wie sie vor 4.000 Jahren gebaut wurden. Die warmen Oberflächen und die behagliche Ausstrahlung des Baustoffs sind spürbare Wohlfühlfaktoren. Gleichzeitig ist mir dabei wieder deutlich geworden, wie wichtig die Konzentration auf das Wesentliche ist. Als wesentlich empfinde ich, eine nachhaltige Bauweise zu fördern, unter anderem auch, um unsere Verantwortung gegenüber zukünftiger Generationen wahrzunehmen.

Yvonne von Hunnius: Welche Grundsätze bildeten die Basis, die Sie auf den Weg des energieeffizienten Bauens gebracht haben?

Max Renggli: Bei der Firmenübernahme 1991 war unser oberstes Ziel, Holzhäuser mit guter Architektur zu bauen. Vier Jahre später wurde unser neues eigenes Produktionswerk für industrielle Vorfertigung erstellt, was uns eine besonders effiziente und energiegerechte Holzverarbeitungstechnik ermöglichte. Dabei liess ich mich nicht von reinen wirtschaftlichen Überlegungen leiten, sondern auch von meiner Überzeugung. Denn Bauen hat immer etwas mit Zukunft zu tun - unser Umgang mit den Ressourcen muss bewusster werden. Erstens geht es darum, mit welchen Ressourcen Energie bereitgestellt wird. Sonne, Erdwärme, Wasserkraft,  Windenergie tehen uns unendlich zur Verfügung. In fossile Energien zu investieren, ist sehr kurzfristig gedacht, wenn man davon ausgeht, dass diese innerhalb von zwei Generationen endlich sein werden.  Zweitens ist der Einsatz von natürlichen Baumaterialien wie Holz oder Stein vorzuziehen, die wenig graue Energie verbrauchen. Wichtig ist, dass diese Materialien immer wieder in den Kreislauf zurückfliessen können. Wir müssen wegkommen von der Einweggesellschaft.

Erstes viergeschossiges Holzbau-Hotel

Am 18. Januar 2010 wird in Zug das urbane Hotel City Garden mit 82 Zimmern und Suiten eröffnet - am 18. November wurde das Bauwerk bereits an die Bauherrschaft übergeben. Das Gebäude wird das erste viergeschossige Hotel in der Schweiz aus Holz sein. Die von aussen sichtbaren Chromstahlplatten des Entwurfs von EM2N Architekten sind bereits montiert. Sie umhüllen die Gebäudekonstruktion aus vorgefertigten Holzelementen, die von der Renggli AG hergestellt und montiert worden sind.

Eine wichtige Vorgabe für den Bau des Gebäudes war ein sehr enger Terminplan. Das Hotel soll in kürzester Zeit erstellt werden - die Bauzeit von maximal zehn Monaten wird eingehalten werden, was ohne die Vorfertigung der Elemente unmöglich wäre. Betonbauarbeiten beschränken sich auf eine Bodenplatte und vertikale Erschliessungskerne. Zudem gibt es kein volles Untergeschoss. Der Hauptteil des Gebäudes besteht aus vorgefertigten Holzelementen aus dem Hause Renggli, die innerhalb kürzester Zeit vor Ort versetzt werden können.

Yvonne von Hunnius: Und wo stehen Sie heute auf diesem Weg?

Max Renggli: Als wir angefangen haben, hat ein konventionell gebautes Einfamilienhaus durchschnittlich 2.500 Liter Heizöl verbraucht. Heute verbrauchen unsere Häuser gar kein Öl mehr. Unsere energieeffizienten Gebäude decken ihren minimalen Energieverbrauch mit erneuerbaren Energien. Der entscheidende Faktor zum ressourcen- und umweltgerechten Bauen ist heute nicht mehr die Technik, denn über die Technik und das Wissen verfügen wir. Aber wir müssen diese richtig einsetzen und die Nachhaltigkeit Stück für Stück trainieren. Energieeffizientes Handeln heisst Lebens- und Wohnqualitäten gewinnen. Wer in einem ressourcen- und energieschonenden Haus lebt fühlt sich wohl – und hat allen Grund sich wohlzufühlen.

Yvonne von Hunnius: Wie lassen sich Ihre Grundsätze auf urbanes Bauen übertragen?

Max Renggli: Die Flucht in das urbane Bauen ist keine Lösung. Lebensräume, die wir schaffen – egal ob in der Stadt oder auf dem Land –  müssen autark funktionieren. Dazu müssen wir die Mobilität innerhalb des Systems mit nachhaltigen Massnahmen lösen. Die Gefahr bei urbanem Bauen besteht darin, in eine starke Abhängigkeit zu geraten. Wenn der Ressourcenkreislauf nicht mehr funktionieren würde, könnte das urbane System umgehend zusammenbrechen. Leider ist das Denken für die Gesamtzusammenhänge der Ressourcen ist immer noch zu schwach.

Yvonne von Hunnius: Ist also das urbane Bauen ein falscher Weg?

Max Renggli: Nicht unbedingt: Neue urbane Räume könnten autark werden, indem die Gesamtverantwortung für urbanes Leben und die dazugehörigen Ressourcenflüsse wahrgenommen wird. Das fängt an beim Erwerb von erschwinglichen Grundstücken, geht weiter über einen durchdachten Bauprozess bis hin zum nachhaltigen Energieverbrauch im Gebäudebetrieb und der schonenden Entsorgung beim Abbau des Gebäudes. Dabei ist vor allem auch die Gewährleistung der Versorgung entscheidend – heute ist diese viel zu abhängig organisiert. Eine geordnete Zersiedlung wäre mit optimierten Lebensräumen möglich. Wir haben viel Land zur Verfügung, auf dem wir für Bauten stellen müssen, die in Symbiose mit der Natur funktionieren.

Yvonne von Hunnius: Was hindert uns daran?

Max Renggli: Planern, Investoren und Politikern muss bewusst werden, dass die Rendite für die Menschheit nicht die oberste Maxime ist, sondern das Leben in Harmonie mit Fauna und Flora mit gerechter Ressourcenverteilung. Es ist fatal, sich nur an der Nettorendite zu orientieren, ohne sich bewusst zu werden, welchen Preis wir dafür bezahlen. Das System der kurzfristigen Gewinne führt in die Sackgasse. Davon wegzukommen, erfordert einen kompletten Wechsel des Denkens: Dies fängt an beim Marketing, welches in erster Linie fast immer den ökonomischen Gedanken verfolgt und über keine ökologische Triebfeder verfügt. Das Bedürfnis des Menschen ist Konsum und nicht die Sorge zur Umwelt. Leider haben wir es nicht anders gelernt.

Yvonne von Hunnius: Was wäre die Zukunft des energieeffizienten Bauen und Wohnens?

Max Renggli: Wir diskutieren so viel über Energiesparen und Energielücken. Dabei haben wir die Technik dazu, Plusenergiehäuser zu bauen – also Häuser, die mehr Energie produzieren, als sie verbrauchen – wir müssen sie nur anwenden! Im Jahr werden in der Schweiz bis zu 35.000 bis 45.000 Wohneinheiten gebaut. Würde diese Menge beispielsweise nur mit dem nachwachsenden Baustoff Holz realisiert, würden wir dazu hochgerechnet rund 1,5 Millionen Kubikmeter Holz benötigen. Im Vergleich: Der Schweizer Wald liefert pro Jahr 8,1 Millionen Kubikmeter.

Yvonne von Hunnius: Was tut Ihr Unternehmen konkret, um dieses neue Denken zu fördern?

Max Renggli: Wir orientieren uns an ökologischen Grundsätzen. Nachhaltigkeit und Umweltschutz sind in der Unternehmensstrategie der Renggli AG fest verankert. Die Philosophie des energieeffizienten Bauens in Holz setzen wir gleichermassen für Wohnhäuser und ganze Siedlungen wie auch für gewerbliche und öffentliche Bauten um. Damit haben wir uns nationale wie internationale Anerkennung verschafft. Wir sind dazu übergegangen, Zeit in die Unternehmenskultur stecken – eine Kultur in der sich Menschen weiterentwickeln können. Es geht darum, bei den Mitarbeitern und unseren Kunden ein Verständnis zu schaffen, dass Wohnraum möglich ist, der mit der Umwelt in Harmonie steht.

Yvonne von Hunnius: Denken Sie, dass Inhabergeführte Unternehmen nachhaltiger wirtschaften als grosse Konzerne?

Max Renggli: Das wäre vielleicht zu pauschal. Prinzipiell ist es jedoch so, dass Inhaber in einem Unternehmen Werte stecken haben, die ihnen am Herzen liegen. Sie sind enger mit der Unternehmung verbunden und sind interessiert, dass das System auf langfristige Sicht gesehen funktioniert. Da wird die Priorität nicht bei kurzfristigem Renditedenken gesetzt, wie es häufig bei Managern von Grosskonzernen der Fall ist. Andererseits sind durch die grossen finanziellen Mittel von Konzernen natürlich auch massgebliche, technische Entwicklungsschritte gegangen worden, die nachhaltiges Bauen beispielsweise ermöglicht.


Zur Person:

Max Renggli ist Geschäftsführer der Renggli AG in Sursee. Das 1923 von Gottfried Renggli in Schötz gegründete Unternehmen ist im Laufe der Jahre auf über 130 Mitarbeitende gewachsen und hat sich zum Schweizer Marktführer im Holzsystembau entwickelt. Namentlich im Bereich Minergie-Häuser hat sich die Renggli AG als Wegbereiter und Bannerträger profiliert und sich über die Landesgrenzen hinaus einen Namen gemacht. Renggli realisiert innovative, hochwertige Holzbauten in moderner Architektur und baut nachhaltige Wohn- und Arbeitsräume für die Bedürfnisse der 2'000 Watt-Gesellschaft. Oberster Grundsatz dabei ist, Energie sparen und Ressourcen schonen und gleichzeitig die Komfortbedürfnisse des Menschen auf Händen tragen. Renggli wurde mit zahlreichen Preisen für das nachhaltige Wirtschaften ausgezeichnet.   

 

Bild: Yvonne von Hunnius

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