Sauberer Druck auf Bern

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Geschrieben von: Steffen Klatt, Zürich 19.11.09
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Bertrand Piccard, SolarimpulseZürich - Nachhaltig orientierte Schweizer Unternehmen gründen derzeit einen eigenen Wirtschaftsverband. Der Wirtschaftsverband Swisscleantech soll in Bern auf bessere Rahmenbedingungen drängen, um die Schweiz zu einer Vorreiterin in Sachen Nachhaltigkeit zu machen. Bertrand Piccard präsidiert das Patronatskomitee.

Doris Leuthard freut sich auf den neuen Verband. „Ich begrüsse die Gründung eines solchen Verbandes sehr“, sagte die Bundesrätin am Rande der diesjährigen Innovationskonferenz Anfang November in Basel. „Denn die Unternehmen müssen bei  der Gesetzgebung auf ihre Interessen aufmerksam machen. Dazu braucht es ein politisches Lobbying, wie andere Branchen das schon haben.“ Bald wird es soweit sein: Am 7. Dezember, zu Beginn der letzten Woche der Wintersession und zugleich zum Beginn des Weltklimagipfels in Kopenhagen, stellt sich der Wirtschaftsverband Swisscleantech in Bern vor.

Interessenvertretung und Netzwerk

Der Wirtschaftsverband soll die politische Interessenvertretung nachhaltig orientierter Unternehmen sein. „Wir setzen uns ein für eine nachhaltige Wirtschaftspolitik“, sagte Nick Beglinger, Initiant und erster Präsident des Verbandes, an einer Informationsveranstaltung diese Woche an der ETH Zürich. „Wir wollen, dass Nachhaltigkeit auch bezahlt wird.“ Cleantechunternehmen sollten auch profitieren von ihrer Arbeit. „Die politischen Rahmenbedingungen müssen so gestaltet werden, dass dies möglich ist.“

Der neue Verband wendet sich dabei nicht nur an Unternehmen, die Produkte und Dienstleistungen für den Umweltschutz oder die Energieeffizienz anbieten. Vielmehr will er allen nachhaltig orientierten Unternehmen eine Stimme geben. Sein Anspruch geht damit über den von traditionellen Branchenverbänden hinaus. Neben der politischen Interessenvertretung gehört es daher auch zu den Zielen des Verbandes, Netzwerke zwischen den Unternehmen und mit anderen Partnern zu schaffen.

Ziel: 50 Unternehmen bis Anfang Dezember

Nick Beglinger selbst ist Partner von Maxmakers, eines Zürcher Planungsunternehmens, das vor allem in Asien tätig ist. So war Maxmakers das erste ausländische Unternehmen, das in die Planung der Ökostadt Masdar bei Abu Dhabi am Persischen Golf einbezogen wurde. Inzwischen haben sich über hundert Schweizer Unternehmen zusammengeschlossen, um in Masdar ein Schweizer Viertel zu errichten; die Swiss Village Abu Dhabi Association wird ebenfalls von Beglinger präsidiert. Die von Beglinger gegründete Foundation for Global Sustainability ist Gründungssponsor von Nachhaltigkeit.org.

Zu den Gründungsmitgliedern des Verbandes Swisscleantech gehören unter anderem ABB Sécheron in Genf, das Ingenieurunternehmen Helbling in Zürich und das Solarunternehmen Tritec in Allschwil BL.  Thomas Fischer von ABB Sécheron begründet das Engagement seines Unternehmens damit, dass es in Zukunft ganz neue Netzwerke brauche, um die Trendwende zur Nachhaltigkeit zu bewältigen. "Wer werden unsere Kunden sein, wer unsere Lieferanten?" Daneben müssten auch die Rahmenbedingungen entsprechend gestaltet werden, sagte Fischer an der Informationsveranstaltung an der ETH Zürich. Auch für Helbling seien Netzwerke wichtig, sagt Franz von Niederhäusern, Mitglied der Geschäftsleitung. Das Ingenieurunternehmen setze seit 2008 auf Cleantech. "Swisscleantech passt gut in unsere bisherigen Aktivitäten." Die Schweiz habe ein grosses Potential. "Das muss genutzt werden." Für Giorgio Pauli, Verkaufschef von Tritec, ist es wichtig, eine starke Interessenvertretung zu haben. "Wir brauchen eine Lobby. Wir sind eine junge Branche, die Zuspruch und Hilfe nötig hat."

Bis zur offiziellen Lancierung am 7. Dezember sollte die Zahl der Gründungsunternehmen auf 50 ansteigen, hofft Beglinger. Seine Arbeit wird der Verband zu Beginn 2010 aufnehmen.

Bertrand Piccard präsidiert Patronatskomitee

Der Verband kann schon auf ein gutes Netz von Partnern zurückgreifen. Präsident des Patronatskomitees ist Bertrand Piccard, Pilot, Flugpionier und Initiant von Solarimpulse, dem in Dübendorf gebauten sonnenbetriebenen Flugzeug. Dem Patronatskomitee gehört auch Patrick Aebischer an, Präsident der ETH Lausanne.

Der politische Beirat wird von Ständerätin Erika Forster (FDP/SG) präsidiert. "Ich bin schon lange überzeugt, dass Ökologie und Ökonomie keinen Gegensatz bilden", begründet sie ihr Engangement. "Ich komme aus der Textilbranche; unsere Sitzbezüge sind kompostierbar." Erika Forster fordert die nachhaltig orientierten Unternehmen auf, sich zu engagieren. "Unternehmen müssen sich in die Politik einbringen. Nur so kann die Politik die richtigen Rahmenbedigungen setzen." Vom neuen Wirtschaftsverband erwartet sie viel. "Ich bin sehr froh, dass Swisscleantech entsteht. Das gibt denjenigen Politikern in Bern Sukkurs, die schon lange in diese Richtung gehen."

Dem politischen Beirat gehören Politiker aller grossen Parteien an, darunter die Ständerätinnen Simonetta Sommaruga (SP/BE) und Verena Diener (GLP/ZH) und die Nationalräte Sep Cathomas (CVP/GR), Bastien Girod (GPS/ZH), Kathy Riklin (CVP/ZH) und Bruno Zuppiger (SVP/ZH). Ausserdem wird derzeit im Parlament eine Cleantech-Gruppe gebildet, der rund 20 Parlamentarier angehören.

Swisscleantech sieht sich als Ergänzung, nicht als Konkurrenz zu bestehenden Verbänden. „Für uns ist es wichtig, im Bereich Cleantech voranzukommen“, sagt Beglinger. „Wir haben kein Interesse, andere Verbände zu bekämpfen.“ Der Wirtschaftsdachverband Economiesuisse, nicht immer ein Vorreiter in Sachen Nachhaltigkeit, hat Swisscleantech bereits zur Mitgliedschaft eingeladen. Laut Beglinger soll der künftige Verbandsvorstand im nächsten Jahr darüber entscheiden. 

 

 

Bild: Bertrand Piccard ist Präsident des Patronatskomitee des Wirtschaftsverbandes Swisscleantech (Solarimpulse).

 

 

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