Handeln dringender denn je

Drucken
E-Mail
Geschrieben von: Anna van Ommen, London 11.11.09
Bookmark and Share
Stichworte:       
Dossiers:   

London - Die Energieagentur der OECD hat in London eine umfangreiche Studie mit zwei Szenarien präsentiert: Die Folgen von Nichtstun und ein ehrgeiziges Projekt, das den Klimawandel aufhalten könnte. Als Vorbild für den Klimaschutz gilt ausgerechnet China.

Am Dienstag präsentierte die Internationale Energieagentur (IEA) ihre jährlichen Prognosen für den weltweiten Energieverbrauch. Der „World Energy Outlook” ist nicht nur die Bibel der Energiewirtschaft. Der Bericht liefert Fakten und Daten, die den Verhandlungspartnern beim Klimagipfel in Kopenhagen im Dezember als wichtige Argumentationshilfe dienen sollen. Schliesslich ist der weltweite Energiebedarf Kern des Klimaproblems: 65 Prozent der schädlichen Treibhausgase entstehen beim fossilen Energieverbrauch. Für IEA Exekutiv-Direktor Nobuo Tanaka ist die Problematik „dringender denn je”.

Weniger CO2 dank Wirtschaftskrise

„In Kopenhagen haben die Regierungsführer eine historische Gelegenheit, die schwersten Folgen des Klimawandels abzuwenden”, sagte Tanaka bei der Pressekonferenz in London. Nach Ansicht der IEA-Experten bietet der WEO-Bericht sowohl Grund zur Vorsicht als auch zum Optimismus. Die Wirtschaftskrise hat sich positiv auf den Klimawandel ausgewirkt: Laut IEA wird der Ausstoss von Kohlendioxid in diesem Jahr um drei Prozent sinken. Das ist der stärkste Rückgang seit 40 Jahren. Damit wären die Werte 2020 um fünf Prozent niedriger als vor zwölf Monaten angenommen - selbst, wenn die Nationen keine weiteren Klimaschutzmassnahmen träfen.

Maximal zwei Grad Erderwärmung

Für die IEA ist dies kein Grund sich entspannt zurückzulehnen. Im Gegenteil. Exekutiv-Direktor Tanaka sieht die jüngsten Entwicklungen als Chance, „wirklichen Fortschritt mit sauberer Energie zu machen, sofern die richtigen Entscheidungen getroffen werden”. Unter Leitung von Chef-Ökonom Fatih Birol hat die IEA ein drastisches Massnahmenprogramm erarbeitet, das die CO2-Konzentration in der Erdatmosphäre langfristig auf 450 ppm (parts per million) reduziert. Damit könnte eine Erderwärmung bis Mitte des Jahrhunderts unter zwei Grad gehalten werden.

Vorbild China

Die Alternative, wenn nichts unternommen würde, käme einer Erderwärmung von sechs Grad Celsius gleich. Mit verheerenden Folgen für das Weltklima. Das so genannte Referenzszenario geht von einem Anstieg des Energiebedarfs bis 2030 von 40 Prozent aus. 16,8 Milliarden Tonnen Öl wären dann erforderlich. Die Länder ausserhalb der OECD stellen dabei den Löwenanteil des Bedarfs. Allen voran China und India. China wird sich zum größten Verbraucher der Welt entwickeln und nach 2025 die USA übertrumpfen.
 Die rasante Entwicklung Chinas hat allerdings auch für eine Überraschung gesorgt. Nach Plänen Pekings soll dort bis 2020 eine Kohlendioxid-Senkung von einer Gigatonne erreicht werden. Das entspräche 25 Prozent der insgesamt 3,8 Gt-Senkung, die nach dem 450 Szenario bis 2030 erforderlich wäre. Das macht die Chinesen zum Vorreiter beim Kampf gegen die Treibhausgase.


1,5 Milliarden ohne Strom

Um die ehrgeizigen Ziele des 450 Szenarios zu erreichen, ist eine Abkehr von fossilen Brennstoffen unerlässlich. Birol wiederholte seine Warnung: „Die Ära günstiger Ölpreise ist vorbei.” Nicht zuletzt weil niemand weiß, wie lange die Ölquellen noch sprudeln werden. Der Guardian berichtete, die IEA hätte auf Druck der USA die wahren Zahlen zum Ölvorkommen beschönigt, um die Ölpreise nicht zu gefährden. Birol bestreitet dies. Auch die Kritik, die IEA sei der „Wachhund der reichen Nationen” wiesen Tanaka und Birol ab. Sie sehen sich vielmehr als „Wachhund für Energie weltweit”. Dabei unterstrichen sie, dass mehr als 1,5 Milliarden Menschen weltweit noch immer ohne Strom lebten.


Shale-Gas Boom in den USA

Trotz drastischer Prognosen, die Welt bräuchte „viermal Russland”, um den Gasbedarf bis 2030 zu decken, gab es auch Grund zum Optimismus. Die IEA sieht den Brennstoff als kleineres Übel, der als Brücke zu den erneuerbaren Brennstoffen fungieren könnte. Beide Szenarien prognostizieren einen Anstieg des Gasverbrauchs, vor allem Shale-Gas werde in den USA eine immer wichtigere Rolle übernehmen. Die Amerikaner könnten Gas möglicherweise sogar exportieren. Eine Entwicklung, die auch für Deutschland interessant sein könnte.
Tanaka fordert Investitionen von mehr als 10,5 Billionen US Dollar, um das Szenario 450 zu erfüllen. Neben erneuerbaren Ressourcen, Nuklearenergie und Karbonspeichertechnologien befürwortet die IEA vor allem eine effizientere Nutzung bestehender Energiequellen. Tanaka und Birol fordern die Zusammenarbeit aller Länder. „Das Ziel ist erreichbar”, sagte Tanaka. Die Kosten fürs Nichtstun würden ins Unermessliche gehen.

 

Bild:  Nobuo Tanaka, Exekutivdirektor der Internationalen Energie-Agentur (IEA) (OECD/IEA 2009).

 

Kommentar schreiben


Sicherheitscode
Aktualisieren

 

Cleantech.ch

cleantech_ch

SCA_LOGO_RGB_marginal
mit swisscleantech ins neue Energiezeitalter

Meistgelesene Artikel

    Abonnieren Sie noch heute Ihren persönlichen Newsletter.
    Noch grössere Aktualität erhalten Sie mit unserem RSS-Feed.

    Kalender

    Der Veranstaltungskalender wird vorbereitet.

    {Zum Kalender}

    Magazin Cleantech Switzerland

    Magazin Cleantech Switzerland 2011-1

    Gründungssponsoren