Klimamarkt braucht klare Signale

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Geschrieben von: Steffen Klatt, St. Gallen 11.11.09
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Christoph Sutter, South Pole Carbon Viele Akteure im Klimamarkt sind auf Wartstellung, sagt Christoph Sutter. Ohne eine Einigung beim Weltklimagipfel in Kopenhagen könnte der Schwung verloren gehen, der in den vergangenen Jahren entstanden ist. Dabei hat der Klimamarkt gezeigt, dass Klimaschutz auf dem Weg über den Markt funktioniert. Der Finanzmarkt Schweiz hat ein gutes Potential in Zukunft eine wichtige Rolle in diesem Wachstumsmarkt zu spielen.

Steffen Klatt: In knapp vier Wochen beginnt der Weltklimagipfel. Es ist unsicher, mit welchen Ergebnissen er enden wird. Welche Folgen hat diese Unsicherheit für Ihr Geschäft?

Christoph Sutter: Die Situation ist gespannt. Praktisch immer finden irgendwo auf der Welt in diesen Wochen Verhandlungen statt. Wir sind meist als Experten dabei. Das beansprucht uns sehr. Auf der anderen Seite ist der Markt, wenn es um die Abschlüsse von Projekten geht, eher ruhig. Die Leute warten auf das Resultat von Kopenhagen. Viele Mitbewerber haben sich zurückgezogen.

Steffen Klatt: Wer hat sich zurückgezogen?

Christoph Sutter: Die grösseren Projektentwickler nehmen momentan nicht mehr viel unter Vertrag. Das hat für uns den Vorteil, dass es weniger Konkurrenz im Markt hat . Es ist somit für uns einfacher interessante Projekte zu finden.

Erster Anbieter mit Gold Standard

Das Zürcher Unternehmen mit Büros zehn Ländern und rund 75 Mitarbeitern entwickelt Projekte zum Klimaschutz in Entwicklungsländern und bietet aus diesen Projekten CO2-Zertifikate an. South Pole Carbon ist der erste Anbieter von Projekten, die mit dem Gold Standard versehen sind. Der Gold Standard ist auf Initiative des WWF International entwickelt worden und wird von rund 40 Umwelt- und Entwicklungshilfeorganisationen unterstützt.
South Pole Carbon verwaltet derzeit rund 150 Klimaschutzprojekte. Die Projekte sollen bis 2012 mehr als 100 Millionen Tonnen Kohlendioxid einsparen.

Steffen Klatt: Können Sie Ihren Marktanteil ausweiten?

Christoph Sutter: Genau.

Steffen Klatt: Was passiert, wenn es im Dezember keine Einigung in Kopenhagen gibt?

Christoph Sutter: Das wäre ein schlechtes Signal für diesen ganzen Markt. Dieser Markt ist stärker als andere von politischen Rahmenbedingungen abhängig. Es braucht diese Rahmenbedingungen, um den Schwung aufrecht zu erhalten. In den letzten Jahren ist eine ganze Industrie aufgebaut worden. Aus meiner Sicht hat sie gute Resultate gebracht. Es wurde bewiesen, dass Klimaschutz mit Hilfe des Marktes funktioniert. Der Markt hat einige Kinderkranheiten erlebt, welche zum grössten Teil unterdessen überstanden sind.Wenn die politischen Unsicherheiten länger anhalten, wird es für den vom Kyotoprotokoll geschaffenen Markt kritisch. Wir sind zum Glück weniger davon betroffen, da ein grosser Teil unserer Pipeline aus hochwertigen Zertifikaten für den freiwilligen Markt besteht.

Steffen Klatt: Welche Elemente einer möglichen Einigung sind für diesen Markt besonders wichtig?

Christoph Sutter: In Kopenhagen müssen einerseits klare quantitative Ziele festgelegt werden, wie stark die Länder ihren CO2-Ausstoss reduzieren sollen. Zweitens muss es eine klare Bestätigung geben, dass die Marktkräfte weiter genutzt werden soll, um diese Ziele zu erreichen. Die flexiblen Mechanismen, wie sie im Kyoto-Protokoll eingeführt wurden, müssen bestätigt werden. Drittens müssen aus meiner Sicht diese flexiblen Mechanismen verbessert werden. Sie müssen transparenter sein als jetzt und dadurch voraussehbarer. Heute fehlt den Unternehmen eine gewisse Planbarkeit.

Steffen Klatt: Sie verkaufen Klimaschutzprojekte in Entwicklungsländern. Hat diese Art von Klimaschutz Zukunft?

Christoph Sutter: Auch in der nächsten Phase dürfte das ein wichtiges Element sein. Denn es gehört zu denen, die ihm Rahmen des Kyoto-Protokoll wirklich funktioniert haben. Sowohl die Industriestaaten als auch die Schwellenländer haben damit gute Erfahrungen gemacht. Ich hoffe aber, dass die Regeln verbessert werden und die Abwicklung effizienter gemacht wird. Es müssen grössere Volumina von Projekten entwickelt werden. Im Vergleich zur Herausforderung des Klimaproblems gibt es heute viel zu wenige Projekte. Eine Möglichkeit wäre das sogenannte Programme of Activity. Damit müsste nicht mehr jedes einzelne Projekt durch ein UNO-Bewilligungsverfahren gezogen werden, sondern ganze Programme. Innerhalb dieser Programme könnten viele einzelne Projekte realisiert werden.

Steffen Klatt: Sie haben South Pole Carbon gegründet, um über den nur freiwilligen Klimaschutz hinauszugehen, wie ihn myclimate betreibt. War diese Entscheidung im Rückblick richtig?

Christoph Sutter: Das würde ich so sagen und auch so wieder machen. Wir haben einen Trend gesehen, der jetzt auch eingetreten ist: Die freiwilligen Klimaschutzprojekte und die Klimaschutzprojekte unter dem Kyoto-Protokoll nähern sich an, was die Anforderungen angeht. Die Standards für freiwillige Projekte sind strenger geworden, es wird mehr kontrolliert als noch vor drei oder vier Jahren. Wir machen beide Arten von Projekten und können so Synergien systematisch nutzen.

Steffen Klatt: Der Wechsel von nur freiwillig zu Kyoto-Zertifikaten hat Ihnen also erlaubt, in einem Mass zu wachsen, das Ihnen bei myclimate nicht möglich gewesen wäre?

Christoph Sutter: Genau. Es war ein neues Feld, das uns erlaubt hat zu wachsen. Auch die andere Struktur hat uns geholfen: Als privatwirtschaftlich organisiertes Unternehmen konnten wir schneller agieren in einem Markt, der sehr schnell wächst. Wir konnten schneller expandieren als myclimate, welche als Stiftung organisiert ist. Wir haben auch einen anderen Fokus: Wir entwickeln hauptsächlich Klimaschutzprojekte in Schwellen- und Entwicklungsländer.

Steffen Klatt: Haben Sie mit der Konzentration auf den Gold Standard nicht auch ein Stück Freiwilligkeit behalten? Niemand ist verpflichtet, Zertifikate mit Goldstandard zu kaufen. Es geht auch billiger.

Christoph Sutter: Die Mehrheit unseres Portfolios hat den Goldstandard. Wir haben uns nicht als Verkäufer von Massenprodukten positioniert. Sondern wir wollten im Kyoto-Markt ein Segment der hohen Qualität schaffen und darin eine Führungsrolle übernehmen. Das ist uns auch gelungen.

Steffen Klatt: Wenn Sie den Finanzmarkt Schweiz anschauen: Werden die Chancen wahrgenommen, die sich ihm mit der Klimapolitik bieten?

Christoph Sutter: Die Klimapolitik bietet in der Tat viele Chancen. Die grossen Spieler im Finanzmarkt in der Schweiz sind durch die Finanzkrise verunsichert worden. Sie sind vorsichtiger geworden und haben sich auf ihr Kerngeschäft zurückbesonnen. Vor der Krise waren sie viel offener für diese neuen Geschäftsfelder. Ich sehe eher bei den kleineren und mittleren Unternehmen im Finanzsektor, dass die Chancen genutzt werden.

Steffen Klatt: Bruno Oberle, der Chef des Bundesamtes für Umwelt, hat vorgeschlagen, in der Schweiz eine Klimabörse einzurichten. Was halten Sie davon?

Christoph Sutter: Die Schweiz sollte sich dem EU-System anschliessen. Das ist das Effizienteste. Insellösungen für die Schweiz wären die zweitbeste Variante. Wenn es aber aus irgendwelchen Gründen nicht möglich ist, sich an das EU-System anzuschliessen, dann unterstütze ich eine solche Börse sehr. Denn heute ist der Schweizer Markt für Emissionszertifikate sehr unterentwickelt.

Steffen Klatt: Wenn ich Oberle richtig verstanden habe, dann ist auch er für einen Anschluss an den EU- Emissionshandel. Doch sobald die Schweiz dabei ist, könnte hier auch eine zusätzliche, für die EU-Länder offene Börse entstehen.

Christoph Sutter: Das würde sehr viel Sinn machen. Die meisten Transaktionen laufen heute über London. Wir arbeiten stark daran, dass Zürich als Finanzplatz auch im Handel mit CO2 in Zukunft eine wichtigere Rolle spielt.

 


Zur Person:

Christoph Sutter ist Mitbegründer und Chef von South Pole Carbon. Vor der Gründung des Zürcher Unternehmens 2006 hat er unter anderem bei McKinsey und bei Factor Consulting gearbeitet. Factor Consulting ist eines der beiden Vorgängerunternehmen von First Climate. Der 1973 in Basel geborene Sutter hat an der ETH Zürich Umweltwissenschaften studiert und 2003 an der Professur für Umweltphysik über die nachhaltige Beurteilung von Klimaschutzprojekten doktoriert.

Das World Economic Forum hat Sutter als einen der Young Global Leader 2009 ausgezeichnet.


 

 

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Rolf Wuestenhagen
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Rolf Wuestenhagen,
Lehrstuhl für Management Erneuerbarer Energien, Uni SG

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