Ein neuer Wirtschaftsverband will die Schweiz zu einer Vorreiterin in Sachen Nachhaltigkeit machen. Cleantech und Nachhaltigkeit sollen zu einem neuen Leitmotiv der Schweizer Wirtschaft werden. Dazu braucht es Lobbying im Bundeshaus. Der Wirtschaftsverband Swisscleantech als politische Interessenvertretung nachhaltig orientierter Unternehmen soll Anfang Dezember erstmals an die Öffentlichkeit treten, pünktlich zum Auftakt des Klimagipfels in Kopenhagen. Unterstützt wird der Verband von Politikern aller grossen Parteien und von Persönlichkeiten wie Bertrand Piccard und Patrick Aebischer.
Es ist auch eine Geschichte der verpassten Chancen: Viele Grundlagen der globalen Trendwende zur Nachhaltigkeit sind in der Schweiz gelegt worden. Schweizer Hochschulen und Unternehmen waren lange führend bei erneuerbaren Energien, Energieeffizienz und Umwelttechnologien. Doch der Startschuss zum Wechsel von fossilen zu erneuerbaren Energien fiel in Deutschland. Ausgerechnet eine Regierung aus Union und FDP spielte mit dem Stromeinspeisegesetz in Deutschland vor zwei Jahrzehnten die Geburtshelferin für eine neue Industrie. In der Schweiz dagegen hat die Politik ein vergleichbares Gesetz fast ebenso lange verhindert. Entsprechend sind die Umweltunternehmen in Deutschland heute dabei, die Automobilindustrie als grössten Arbeitgeber zu überholen. Swisscleantech stellt sich vor Der Wirtschaftsverband Swisscleantech stellt sich an zwei Veranstaltungen in Zürich und Genf vor. Am 18. November sind Deutschschweizer Unternehmen eingeladen, an der ETH Zürich die Initianten des Verbandes und Mitglieder des Politikbeirates zu treffen. Am 30. November wenden sich die Initianten und Politiker im Hotel Crowne Plaza in Genf Westschweizer Interessenten. Mehr Informationen: Internetseite von Swisscleantech Das gleiche geschieht derzeit auf dem Klimamarkt: Die EU hat den Emissionshandel eingeführt, noch bevor das Kyoto-Protokoll in Kraft getreten ist. Heute hat dieser Handel ein Volumen von bis zu 100 Milliarden Euro. Wichtigster Handelsplatz ist London, gefolgt von Paris. Schweizer Unternehmen spielen dabei meist Nebenrollen. Die Politik hat die Schweiz bisher aus dem Emissionshandelssystem herausgehalten. Wenn die Schweizer Politik bisher auf die Bremse getreten ist, dann tat sie das auch auf Druck der Wirtschaftsverbände. Diese verhinderten erfolgreich eine Förderung der erneuerbaren Energien Trendwende zur Nachhaltigkeit meisternDamit soll es nun vorbei sein. Der Wirtschaftsverband Swisscleantech will zum Interessenvertreter derjenigen Unternehmen werden, die sich für eine nachhaltige Wirtschaftspolitik in der Schweiz einsetzen. Der neue Verband versteht dabei unter Cleantech alle Produkte, Technologien und Dienstleistungen, die für ein nachhaltiges Wirtschaften gebraucht werden. Die Politik soll Cleantech in diesem weiten Sinne als ein wichtiges Standbein der Schweizer Wirtschaft akzeptieren, und dies zu einer Zeit, in der der Finanzplatz an Bedeutung verliert. Die soll in der Schweiz klare und marktkonforme Rahmenbedingungen für einen Wechsel von fossilen zu erneuerbaren Energien, für Energieeffizienz und für einen schonenderen Umgang mit den natürlichen Ressourcen setzen. Sie soll im Land Innovationen fördern und auf internationaler Ebene die Schweiz als Vorreiterin in Sachen Nachhaltigkeit positionieren. Verwandte Themen| { Klimaschutz spaltet US-Wirtschaft , 29.10.09 } | | { Noch Platz für neue Anbieter, 07.10.09 } | | { Finanzmarkt wirbt um Vertrauen, 10.09.09 } | | { Marshall-Plan gegen Klimawandel, 02.09.09 } | | { Saubere Offensive aus der Schweiz, 25.08.09 } | | { Chance für den Finanzmarkt, 29.07.09 } | | { Nachhaltigkeit in den Chefetagen, 19.07.09 } | | { Langfristige Perspektiven nötig, 12.07.09 } | | { Profit allein ist nicht genug, 08.07.09 } | | { Gute Praktiken wiederbeleben, 17.06.09 } | | { Impulse kommen aus der Wirtschaft, 08.05.09 } | | { Grünes Wissen sichert Stellen, 28.04.09 } | | { Energie muss teurer werden, 15.04.09 } | | { Diese Chance muss genutzt werden, 02.04.09 } | | { Wirtschaft braucht neue Regeln, 24.02.09 } | | { Die grösste Herausforderung, 12.12.08 } |
Die Politik soll aus Sicht des neuen Verbandes eine ressourcenschonende Mobilität ebenso fördern wie eine ökologische Landwirtschaft. Sie soll gleichzeitig die Verschleuderung der knappen Ressource Raum eindämmen. Der Wirtschaftsverband Swisscleantech fordert, dass künftig schlanke Rahmenbedingungen seitens der Politik statt freiwillige Massnahmen helfen sollen, die Trendwende zur Nachhaltigkeit zu meistern. Bertrand Piccard Präsident des PatronatsbeiratsDie Gründung des Wirtschaftsverbandes Swisscleantech wurde von der Foundation for Global Sustainability initiiert, die auch Gründungssponsor von Nachhaltigkeit.org ist. Ihr Gründer und Präsident Nick Beglinger ist auch der erste Präsident des Vorstands des Wirtschaftsverbandes Swisscleantech. Die Geschäftsleitung übernimmt Oliver Schnyder, Partner der Berner Anwaltskanzlei Hodler & Emmenegger. Dem politischen Beirat werden Politiker aller grossen Parteien angehören. Ihm werden die Berner SP-Ständerätin Simonetta Sommaruga, die St.Galler FDP-Ständerätin Erika Forster, die Zürcher Ständerätin Verena Diener (Grünliberale), die Waadtländer SP-Nationalrätin Josiane Aubert, der Bünder CVP-Nationalrat Sep Cathomas und die Zürcher Nationalräte Kathy Riklin (CVP), Bruno Zuppiger (SVP), Bastien Girod (Grüne), Martin Bäumle (Grünliberale) angehören. Dem Patronatsbeirat gehören Bertrand Piccard als Präsident und Patrick Aebischer, Präsident der ETH Lausanne, als Mitglied an. Formell ist der Wirtschaftsverband Swisscleantech bereits gegründet. Mitte November wird sie interessierten Unternehmen an zwei Veranstaltungen in Zürich und Lausanne vorgestellt. Anfang Dezember soll der neue Wirtschaftsverband offiziell vorgestellt werden. Er will sich dabei im Namen seiner Mitglieder mit einem offenen Brief an die Mitglieder der eidgenössischen Räte wenden. Die Schweiz soll die Chancen nutzen, die sich ihr bieten. „Die aktuelle Ausgangslage der Schweiz ist ideal, um im Bereich Nachhaltigkeit weltweit führend zu werden“, sagt Nick Beglinger. Cleantech sollte zu einem Eckpfeiler der Schweizer Wirtschaftspolitik werden. "Im internationalen Vergleich ist die ganz klar Schweiz Vorreitern im Bereich Nachhaltigkeit." Damit dieses Potential auch genutzt werden kann, braucht es endlich die richtigen Rahmenbedingungen. "Anfang 2009 setzten wir uns zum Ziel, einen Cleantech Wirtschaftsverband aufzubauen, der wirklich etwas bewegen kann. Heute bin ich überzeugt, dass wir bis zum 7. Dezember unser Ziel erreichen können – dem letzten Montag der Wintersession unseres Parlaments und dem ersten Montag des Weltklimagipfels Kopenhagen." Bild: Bundeshaus in Bern (Bern Tourismus/ swiss-image.ch/Terence du Fresne)
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