Vattenfall unter Druck

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Geschrieben von: André Anwar, Stockholm 03.11.09
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Die schwedische Regierung will das in Deutschland massiv auf Kohle setzende Staatsunternehmen Vattenfall zu klimafreundlicheren Investitionen zu zwingen. Gleichzeitig rückt Schweden dem mittelfristigen Ausbau der Kernkraft näher.

Vor ein paar Tagen schütteten junge, schwedische Greenpeaceaktivisten 18 Tonnen Kohle rund um den Eingang der erstaunlich unbeschützten Stockholmer Regierungskanzlei und hielten Schilder mit den Namen schwedischer Kohlekraftwerke in Deutschland in die Luft. „Schweden will als EU-Ratspräsidentschaftsland eine Führungsrolle beim Klimagipfel übernehmen. Gleichzeitig lässt die Regierung ihren eigenen Konzern Vattenfall im Ausland immer mehr Kohlekraftenergie herstellen. Das ist absurd“, sagte Greenpeaceaktivistin Amanda Pantzar. Greenpeace unterstrich dabei anhand von Zahlen, dass Vatenfalls deutsche Kohlekraftwerke Deutschland mehr Kohlendioxid pro Kilowattstunde in die Atmosphäre blasen, als die schmutzigsten chinesischen Kraftwerke.

In Schweden umweltfreundlich – im  Ausland nicht

Die medienwirksame Aktion scheint neben dem Druck des Klimagipfels gewirkt zu haben. Die schwedische Regierung lässt erstmals verlauten, dass sie den staatseigenen Energiekonzern Vattenfall, der in Schweden zwar vorbildlich umweltbewusst arbeitet, im Ausland aber mit rund 100 Millionen Tonnen Kohle im Jahr, zu den grössten Klimakillern Europas gehört, zum Einlenken zwingen wird.

Das staatliche Unternehmen wird über einen sehr selbstständigen und selbstbewussten Vorstandsstab geführt, der sich auch wegen den bislang eher halbherzigen Aufforderungen schwedischer Regierungen lange nicht zu einem Umlenken seiner lukrativen Auslandsinvestitionen in Kohlekraftwerke bewegen liess. Nun will die bürgerliche Regierung über eine radikale Änderung der Eigentümerdirektive die Kursänderung des Konzerns in die Wege leiten.  Das sei nicht nur eine leere, symbolische Handlung vor der Klimakonferenz, unterstrich Ola Alterså, Staatssekretär im für Vattenfall zuständigen Wirtschaftsministerium. Vattenfall werde in Zukunft die Umstellung von Energien in ganz Europa mit anführen und wesentlich dazu beitragen, den Anteil erneuerbarer Energien in der EU bis 2020 auf die angepeilten 20 Prozent zu erhöhen.
Vattenfallchef Lars G. Joseffson begrüsste die Initiative. „Wir haben unser letztes Kohlekraftwerk gebaut“, sagte er, fügte aber schnell „konventionelles Kohlekraftwerk“ hinzu. Stockholm will sich denn auch nicht zu einer konkreten Reduzierung der Vattenfall-Kohlestromproduktion oder einem Baustopp geplanter, neuerer und umweltfreundlicherer Kohlekraftwerke im Ausland verpflichten.

Neue Kernkraftwerke angedacht

Gleichzeitig setzt das EU Ratspräsidentschaftsland vor dem Klimagipfel in Kopenhagen ein weiteres Signal, das auf eine Initiative zu mehr Kernkraftnutzung hindeuten könnte. Am Freitag liess Vattenfall erstmals in einer offiziellen Erklärung verlauten, dass Schweden in überschaubarer Zeit neue Kernkraftreaktoren bekommen kann. Erst Anfang 2009 hatte die Regierung dafür den Weg geebnet, als sie sich geschickt von dem einst per Volksabstimmung beschlossenen Ausstieg aus der Kernenergie verabschiedete. Die Schweden äußern in Umfragen zur Kernenergie große  Zustimmung und kaum Widerstand. Weshalb die bisherigen Einschränkungen, die besagen,  dass nur die zehn bestehenden Reaktoren in den drei Kernkraftwerken des Landes durch neue ersetzt werden dürfen, wenn deren Laufzeit abgelaufen ist, ohne größeren Widerstand aufgehoben werden könnten. In Schweden steht zudem, genauso wie im noch atomkraftfreundlicheren Nachbarland Finnland ein Atom-Endlager kurz vor der Realisierung. Widerstand gab es auch hier in beiden Ländern kaum. Im Gegenteil. Die betroffen Gemeinden freuen sich über die Endlager vor der Haustür. Sie seien gut für Wirtschaft und Arbeitsmarkt.

 

Bild: CO2-Abscheidungs-Technologie von Vattenfall auf der Pilotanlage in Schwarze Pumpe, Deutschland. (Vattenfall)

 

 

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