Renzo Piano hat sich vor einem Vierteljahrhundert in Valetta verliebt. Besonders der Stein der Insel hat es ihm angetan. Stein sei die DNA der Insel, sagt er. Für ihn sei Valetta eine Art Manhattan im Mittelmeer. Kohlendioxidneutrales ParlamentNun hat der Genueser Architekt Gelegenheit, einen ebenso wichtigen wie vernachlässigten Teil Valettas mitzugestalten. Das Opernhaus war einst gleichsam das Tor zur Stadt gewesen, bor es während des Zweiten Weltkrieges in Schutt und Asche gelegt wurde. Eingriffe in den 60er Jahren haben das Gelände noch mehr verschandelt. Piano will die Ruinen nicht verdrängen, sondern sie sanieren und dem Gelände die Würde zurückgeben. Neben den Resten des Operngebäudes errichtet er das neue Gebäude des maltesischen Parlaments. Es wird eines der ersten Parlamentsgebäude der Welt sein, die kein Kohlendioxid ausstossen: Die Energie für die Heizung und die Kühlung des Gebäudes wird aus dem Stein geholt. Das Gesamtprojekt soll bis 2014 fertiggestellt sein und 80 Millionen Euro (122 Millionen Franken) kosten. Mehr FussgängerzonenDer Neubau des Parlaments und die Sanierung der Opernruinen sind in Malta kaum umstritten – zu lange war das Gelände am Eingang der Stadt eine Schmuddelecke. Das gilt auch für den nahegelegenen Busbahnhof. Umstritten ist dagegen die Verkehrsplanung, die das runderneuerte Gelände an das Stadtzentrum ergänzt. So soll die Strasse vom Kastilienplatz, wo sich auch der Sitz des Ministerpräsidenten befindet, zu den Hastingsgärten für den Verkehr gesperrt werden. Diese Strasse war bisher aber eine Hauptschlagader der Stadt. Viele Malteser befürchten nun ein Verkehrschaos. Ihre Befürchtungen werden durch die Aufhebung eines grossen Parkplatzes durch das Projekt Renzo Pianos noch genährt. Ausserdem werden mehrere Strassen und der Platz vor dem Präsidentenpalast in Fussgängerzonen umgewandelt. Die Regierung will die Zahl der Autos zumindest im Zentrum der Hauptstadt verringern, um die Verschmutzung zu verringern. Sie verweist darauf, dass Fussgängerzonen in historischen Zentren inzwischen vielerorts Standard sind. Sie kann sich dabei auch auf die bestehenden Umsteigemöglichkeiten am Stadtrand vom Privatverkehr auf dass städtische Bussystem stützen. Diese Umsteigemöglichkeiten werden inzwischen von Pendlern gern genutzt. Brüssel will Ausbau des öffentlichen VerkehrsNoch freilich fehlt ein echter landesweiter öffentlicher Verkehr im Inselstaat. Insbesondere fehlen Verbindungen, die nicht über Valetta laufen. Durch das heutige System sind periphere Gebiete schlecht oder gar nicht angeschlossen. Auch Nachtverbindungen gibt es kaum. Die Regierung hat den Aufbau eines solchen Systems ausgeschrieben. Malta brauche einen öffentlichen Verkehr, der ökologisch und finanziell nachhaltig ist, sagt Verkehrsminister Austin Gatt. Die Probleme seien seit langem bekannt, nun müssten die gelöst werden. Die Regierung reagiert dabei auf Druck aus der EU-Kommission, die einen Ausbau des öffentlichen Verkehrs gefordert hat. Bereits im nächsten Jahr solle es klare Verbesserungen geben, verlangt Brüssel. Bis 2015 soll das System voll betriebsbereit sein. Der Gewinner der Ausschreibung soll mindestens 30 Millionen Euro investieren. Dabei sollen nicht nur das Liniennetz erweitert, sondern auch die alternde Busflotte modernisiert werden. Die neuen Busse sollen weniger Schadstoffe ausstossen und in ihrer Grösse den Bedürfnissen der jeweiligen Strecke entsprechen. Die Fahrpreise sollen so gestaltet sein, dass sie zur Nutzung des öffentlichen Verkehrs ermutigen. Heutiger Betreiber fürchtet um ExistenzDer heutige Betreiber des öffentlichen Verkehrs in Malta, die Public Transport Association, macht die Regierung für die Unzulänglichkeiten des bisherigen Systems verantwortlich. In einem Gegenbericht weist sie auf Abmachungen mit den Behörden hin, die von diesen nicht eingehalten worden seien. So sei die Busflotte trotz Versprechungen nicht erneuert worden. Auch habe die Regierung vor dem EU-Beitritt 2004 schlecht verhandelt und die besonderen Interessen des kleinen Inselstaates im öffentlichen Verkehr nicht angemessen vertreten. Die harte Reaktion des heutigen Betreibers ist verständlich: Wenn ein Mitbewerber, ob aus Malta oder dem Ausland, die Ausschreibung gewinnt, wird er überflüssig. Wer auch immer den öffentlichen Verkehr in Zukunft betreibt, Malta will die Allgegenwart der Autos brechen und dabei die Luftverschmutzung und den Kohlendioxidausstoss einschränken. Das ist noch kein Abschied vom Öl, aber ein erster Schritt.
Bild: Renzo Piano (rechts) erläutert Ministerpräsident Lawrence Gonzi und dessen Frau das Modell des neuen Parlamentsgebäudes in Valetta (Roderick Agius).
|