Schwierig ist es gewiss nicht, die Folgen des Wirtschaftswachstums auszumachen. Wir verschleudern in rasantem Tempo Rohstoffe, die nicht nachwachsen, zersiedeln einst naturnahe Flächen und steigern das Verkehrsaufkommen, bis wir schier daran ersticken.
Der CO2-Gehalt der Atmosphäre wächst immer schneller, die globale Temperatur ebenfalls. Gegen einige Symptome haben wir einigermassen funktionierende technische Lösungen gefunden – etwa den Katalysator gegen Smog und Waldsterben. Für andere Probleme werden wir kaum wirksame Lösungen finden, denn mit stetigem Wachstum stossen wir an harte Grenzen. Insbesondere weiss niemand, wie wir uns unbegrenzte Mengen billiger Energie ohne gefährliche Nebenwirkungen verschaffen sollen. Erstaunlich ist, dass sich die öffentliche Debatte allenfalls mit der Symptombekämpfung beschäftigt, kaum je aber damit, dass eine Strategie ungebremsten Wachstums zum totalen Kollaps führen muss. Weit häufiger werden Wege zur Beschleunigung des Wachstums diskutiert als die Grenzen des Wachstums und wie wir uns darauf einstellen sollen. Woran liegt das? Zu dumm sind wir nicht, das Problem zu verstehen. Wir sind vor allem ratlos, irrational und von kurzfristigen Interessen geblendet. Verwandte Themen| { Bedrohte Gletscher, 20.10.09 } | | { Klimaschützer kontra Lobbyisten , 30.09.09 } | | { CO2-Anstieg aus Menschenhand, 24.09.09 } | | { An Klimawandel anpassen, 15.09.09 } | | { Wasserkrise verschärft sich, 17.08.09 } | | { Klimawandel trifft Wirtschaft hart, 18.06.09 } | | { Klimagipfel der Wirtschaftsführer, 27.05.09 } | | { Bienenvölker akut bedroht, 30.04.09 } | | { Bis zu sieben Grad wärmer, 14.04.09 } | | { CO2 nicht gleich CO2, 30.03.09 } | | { Bis zur nächsten Krise?, 25.02.09 } | | { Ausstieg aus dem Ausstieg, 06.02.09 } |
Optimierung ist das grundlegende Handwerk jeder Ökonomie. Leider neigen gerade Ökonomen dazu, ihre Optimierungen zu vereinfachen, indem sie die Ziele ausdünnen und Nebenwirkungen ignorieren. Ein Beispiel: Milliarden von Menschen wollen mehr Wohlstand, also auch mehr Energie - und zwar billige. Da das unweigerlich mehr CO2 bedeutet, findet man: Klimaschutz geht jetzt nicht auch noch, das ist zu teuer, also machen wir das höchstens später irgendwann. Nur: Wo bleibt der Wohlstand, wenn wir in eine Klimakatastrophe geraten??? Vorstellen kann man sich durchaus eine Umwelt, die stabil bleibt, egal wie heftig wir sie malträtieren. Das wird aber deswegen nicht zur Wirklichkeit. Auch wenn wir alle zusammen die SVP wählen, geht das Klimaproblem nicht weg, wird das Erdöl rasant teurer, und die Verbreitung von Atomwaffen im Schatten der AKWs wird nicht harmloser. Es geht nun um die Prioritäten. So verlockend grosse, starke Autos und niedrigere Benzinpreise als in allen Nachbarländern sein mögen – erst mal müssen wir verhindern, dass unsere Wirtschaft in der bald kommenden Ölkrise schweren Schaden erleidet. (Momentan decken Öl und Gas einen Löwenanteil unseres Energieumsatzes!) Und mit viel weniger CO2 muss es auch bei uns gehen, sonst holen wir die Chinesen nicht ins Boot, und der Klimaschutz scheitert – mit uns als Tätern und Opfern. Wer kein Träumer und Spinner ist, drängt darauf, dass wir uns schnellstens auf die Zukunft einstellen, um nicht unter die Räder zu kommen. Träumer und Spinner sind diejenigen, die meinen, eine Klimakatastrophe riskieren zu müssen, um unseren Wohlstand zu bewahren. Oder die glauben, die da in Bern wüssten schon, wo es lang geht …
Zur Person:
Rüdiger Paschotta ist Physiker und Mitglied des Stiftungsrates der Schweizerischen Energie Stiftung.
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