Masdar errichtet das erste Erdwärmekraftwerk der Golfregion. Damit sollen Strom produziert und Kühlsysteme in der Ökostadt bei Abu Dhabi betrieben werden. Gebaut wird das Kraftwerk von einem isländischen Unternehmen. Eine der Herausforderungen besteht darin, genug Wasser für das Kraftwerk zu bekommen.
Das Emirat Abu Dhabi will einen Teil seines Energiebedarfs mit Energie aus der Tiefe decken. Das ist eigentlich nicht ungewöhnlich in einem Land, das seinen Wohlstand der Öl- und Gasförderung verdankt. Doch nun will es einen anderen Bodenschatz heben: die Erdwärme. „Wir haben festgestellt, dass Abu Dhabi eine gute Chance hat, Energie aus Erdwärme zu produzieren“, sagt Sanad Ahmed, Projekt Manager bei Masdar, der staatlichen Gesellschaft Abu Dhabis für erneuerbare Energien. „Erdwärme ist eine der billigsten Quellen für erneuerbare Energien.“ Das Emirat hat im Januar bekanntgegeben, bis 2020 insgesamt 7 Prozent seines Energiebedarfs aus erneuerbaren Energien zu decken. Die Sonnenkraft soll dabei die Hauptrolle spielen. Bis zur Hälfte des EnergiebedarfsIn der Ökostadt Masdar, die derzeit vor den Toren der Hauptstadt errichtet wird, soll die Erdwärme eine ähnlich wichtige Rolle wie die Sonnenkraft spielen. „Wenn alles gut geht, kann bis zur Hälfte des Energiebedarfs von Masdar aus diesen Quellen gedeckt werden“, sagt Gudmundur Thoroddsson, Chef von Reykjavik Geothermal. Das isländische Unternehmen hat von Masdar einen Auftrag in Höhe von 5,8 Millionen Dirham (1,0 Millionen Euro/1,6 Millionen Franken) bekommen, die Bohrlöcher zu bohren. Die Bohrungen sollen am 1. November beginnen. Bis Ende des Jahres sollen bis zu sechs weitere Unternehmen herangezogen werden. Vorgesehen sind zwei Bohrlöcher, in die Wasser gepumpt werden soll. Die erste Bohrung soll in eine Tiefe von 4 Kilometern reichen. In dieser Tiefe wird mit einer Temperatur von 140 bis 150 Grad Celsius gerechnet. Das heisse Wasser soll dazu benutzt werden, um Strom zu produzieren. Vorgesehen ist eine Kapazität von 5 Megawatt. Ein weiteres Bohrloch soll bis in eine Tiefe von 3 Kilometern reichen, in der 80 bis 120 Grad erwartet werden. Die Erdwärme aus dieser Bohrung soll für die Kühlsysteme Masdars genutzt werden. Das Kraftwerk wäre das erste zur Nutzung der Erdwärme in der Golfregion. Die bisherigen Schätzungen basieren auf Daten, die von Adnoc bereitgestellt worden sind, der staatlichen Ölgesellschaft Abu Dhabis. Adnoc hat in einer Entfernung von bloss 15 Kilometern von Masdar nach Öl gebohrt. Ob die Erwartungen allerdings bei den bevorstehenden Bohrungen bestätigt werden, muss sich erst zeigen. Hoher WasserbedarfEine der grössten Herausforderungen besteht allerdings darin, in der Wüste genug Wasser bereitzustellen, um das Erdwärmekraftwerk zu betreiben. Benötigt werden bis zu 3000 Liter pro Minute. Eine Möglichkeit ist, wasserführende Schichten unterhalb Masdars anzuzapfen, die einen genügend niedrigen Salzgehalt aufweisen. Eine weitere Herausforderung wird es sein, den Energieverlust zu begrenzen, während das aufgeheizte Wasser an die Oberfläche gepumpt wird. Masdar hofft, den Verlust mit speziellen Technologien auf 4 Grad begrenzen zu können. Masdar soll die erste Stadt der Welt sein, die kein Kohlendioxid ausstösst, ihren Energiebedarf vollständig aus erneuerbaren Quellen deckt und keinen Abfall hinterlässt. Vor einem Jahr wurde der Grundstein gelegt, bis 2018 soll die Stadt fertiggestellt werden. In ihr sollen 50000 Menschen leben und 90000 Menschen arbeiten.
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