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Leben ohne Erdöl

Geschrieben von: Daniela Koch, Rotpunktverlag 27.10.09
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«Zweihundert Jahre lang haben wir nun fossile Energie genutzt und verbrannt. In dieser Zeit haben die CO2-Emissionen einen Treibhauseffekt verursacht, der zur Erwärmung der Erdatmosphäre und zu einer Klimakrise führte. Es ist nur allzu wahrscheinlich, dass sich die Temperaturen weltweit um drei bis fünf Grad Celsius erhöhen werden. Als Folge davon werden die Polkappen und Gletscher schmelzen, und die Überflutungen, Trockenzeiten und Wirbelstürme werden sich vermehren. Einige dieser Auswirkungen sind bereits spürbar. Wenn wir den Temperaturanstieg nicht aufhalten, wird die Klimakrise unser Leben dramatisch verändern. Unser Handeln in dieser Sache wird darüber entscheiden, ob wir überhaupt am Leben bleiben oder aber zugrunde gehen.

Abgesehen vom problematischen »Geschenk« des Klimachaos sieht sich das Erdölzeitalter noch mit einer anderen Grenze konfrontiert – Peak Oil, die Erreichung des Ölfördermaximums. Der Begriff »Peak Oil« wurde 1956 vom US-Geologen Marion King Hubbert geprägt und beschreibt den Punkt, an dem die Welt das höchstmögliche Niveau bei der Ölproduktion erreicht. Danach nimmt die Ölförderung unweigerlich ab.1 Abnehmende Produktion bedeutet steigende Preise. Der beispiellose Anstieg der Ölpreise im Jahr 2008 kündet eine beginnende Ölkrise an. Ölexperten wie Jeremy Leggett und Colin Campbell von der Arbeitsgruppe ASP (Association for the Study of Peak Oil) sind der Meinung, dass wir das Ölfördermaximum vielleicht bereits erreicht haben. Doch selbst wenn es bis dahin noch ein paar Jahre dauern sollte, Peak Oil wird einmal kommen. Oder mit den Worten des amerikanischen Umweltjournalisten Richard Heinberg: »Schluss mit lustig! Die Fete ist vorbei. «2 Die drohende Ölverknappung und das Ende des billigen Erdöls machen eine Änderung unserer Lebensweise unumgänglich. Wir müssen das Erdölzeitalter hinter uns lassen. Wir müssen die Gesellschaft, die Technologie und die Ökonomie neu erfinden. Wir müssen es rasch und wir müssen es auf kreative Art und Weise tun. Zusammen können wir es schaffen.

Lesund und Diskussion

Am 1. November liest Vandana Shiva in Zürich aus ihrem neuen Buch «Leben ohne Erdöl. Eine Wirtschaft von unten gegen die Krise von oben». Im Anschluss diskutiert sie mit Nationalrätin Maya Graf und SWISSAID-Geschäftsleiterin Caroline Morel ihre Visionen einer Nahrungssicherheit trotz Klimawandel, einer umfassenden biologischen Landwirtschaft sowie einer Kultur der würdevollen Arbeit.Ort und Zeit:

Kanzlei, Zürich; Sonntag 1. November, 16.30 Uhr.

Ihre Anmeldung, Interviewanfrage und Bestellung eines Rezensionsexemplars können Sie gern an Diese E-Mail-Adresse ist gegen Spambots geschützt, Du musst JavaScript aktivieren, damit Du sie sehen kannst. , Swissaid richten.

Das Klimachaos und die Ölknappheit treffen mit einer dritten Krise zusammen – der Hungerkrise. Die Hungerkrise ist eine Folge der Industrialisierung und Globalisierung der Landwirtschaft. Dieselben Kräfte und Vorgänge, welche uns billige Nahrung versprochen haben, bewirken nun, dass Nahrung für viele Menschen unerschwinglich wird. Die Nahrungsmittelpreise steigen weltweit an. In Dutzenden von Ländern gab es bereits Hungeraufstände. Anfang Juni 2008 wurde von der UNO ein dringliches Treffen zum Thema Klimaveränderung und Hungerkrise einberufen. Wie zu erwarten war, haben dort die gleichen Wirtschaftskreise, welche die beiden Krisen geschaffen haben, versucht, die Krankheit als Kur anzubieten. Sie plädierten für noch mehr Kunstdünger, der mit Erdöl produziert wird; für noch mehr genetisch modifiziertes hybrides Saatgut, das im zweiten Jahr nicht wiederausgesät werden kann und ausserdem auf intensive chemische Bearbeitungsmethoden angewiesen ist; und sie wollten noch mehr unternehmerische Kontrolle über Nahrungsmittel und noch mehr globalisierten Handel.

 

Die Hungerkrise weist auf eine noch tiefere Krise hin – auf die Schaffung von »überzähligen« oder entbehrlichen Menschen, und damit von einem Potenzial für Gewalt und für soziale und politische Instabilität. Die Wegwerfmentalität gegenüber Menschen zeigt sich, wenn Millionen von Menschen Nahrung vorenthalten wird oder wenn bäuerliche Existenzen dadurch zerstört werden, dass man menschliche Arbeitskraft mit erdölbetriebenen Maschinen ersetzt. Produktivität wird im industriellen Paradigma sehr einseitig als Leistungsproduktivität definiert: Ein Prozess ist um so »produktiver«, je weniger Menschen in der Produktion involviert sind. Das gilt sogar dann noch, wenn in diesem maschinellen Prozess bei vergleichbarem Energie und Ressourcen-Input mehr Energie und mehr Ressourcen verbraucht werden und gleichzeitig weniger produziert wird als mit Menschenarbeit.»

Shiva, Vandana, «Leben ohne Erdöl», Eine Wirtschaft von unten gegen die Krise von oben (Rotpunktverlag, ISBN 978-3-85869-405-8)

Zur Autorin:

Vandana Shiva, geboren 1952 in Indien, Physikerin und Philosophin sowie Trägerin des Alternativen Nobelpreises,  zählt zu den herausragenden Denkerinnen unserer Zeit. Neben den Frauenrechten gilt ihr Engagement insbesondere dem Kampf um Biodiversität und gegen Biopatente. Die von ihr ins Leben gerufene Organisation »Navdanja« (Neun Saaten) rief als eine der ersten zur Sicherung von Saatgut traditioneller Nahrungspflanzen auf.

 

Weitere Informationen: 

Rotpunktverlag
Daniela Koch, Presse & Veranstaltungen
Telefon:   0041 (0)44 405 44 85
Email: Diese E-Mail-Adresse ist gegen Spambots geschützt, Du musst JavaScript aktivieren, damit Du sie sehen kannst.


Swissaid

Pia Wildberger, Pressesprecherin
Telefon: 031 350 53 73
Mobile: 079 544 71 52
Email: Diese E-Mail-Adresse ist gegen Spambots geschützt, Du musst JavaScript aktivieren, damit Du sie sehen kannst.

 

 

Bild: Vandana Shiva auf dem World Future Council (Rotpunktverlag).

 

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