Minergie-P-Häuser gehören zu den energieeffizientesten Gebäuden weltweit. Am 7. und 8. November haben Interessenten die Möglichkeit, 80 dieser Gebäude in der ganzen Schweiz zu besichtigen. Der Schweizer Standard für energieeffizientes und komfortables Bauen, der national erfolgreichste Standard weltweit, zieht zunehmend auch Investoren an. Künftig soll er auch exportiert werden, sagt Minergie-Geschäftsführer Franz Beyeler.
Steffen Klatt: Was bringt es Bauherren, wenn sie ihre Gebäude im Minergie-P-Standard errichten? Franz Beyeler: Minergie-P-Bauten sind die energieeffizientesten Gebäude. Ein Minergie-P-Haus ist ein Dreiliter-Haus: Pro Quadratmeter beheizter Fläche verbraucht es 3 Liter Heizöl oder 30 KWh. Auch der Komfort ist maximal weil die Wände und das Dach sehr gut gedämmt sind. Dadurch und dank der Komfortlüftung gibt es stets eine angenehme Innentemperatur – und keinen Durchzug. Steffen Klatt: Was bezwecken Sie mit den Minergie-P-Tagen? Franz Beyeler: Wir wollen, dass möglichst viele interessierte Bauherren sich anhand von bestehenden Minergie-P-Bauten eine Bild machen können davon, was es heisst, am besten zu bauen. Es ist viel wirkungsvoller, wenn ein Bauherr oder eine Bauherrin sich ein Haus anschauen und mit den Bewohnern sprechen können: Wie zufrieden sind sie mit den Lüftungen, mit den Fenstern, mit der sehr guten Dämmschicht? In der ganzen Schweiz sind Anfang November 80 Gebäude geöffnet. Damit möchten wir sicherstellen, dass Interessenten nicht zu weit fahren müssen. Sie sollen auch verschieden grosse Gebäude und auch verschiedene Architekturstile besichtigen können. Für uns ist auch wichtig, dass sich unsere Partner mit ihren Bauten profilieren können: der Architekt oder die Architektin sind vor Ort, möglicherweise der Fensterlieferant und andere Baufachleute. Minergie-P-Tage Am 7. und 8. November finden die Minergie-P-Tages statt. Dabei sind schweizweit 80 Minergie-P-Häuser zur Besichtigung geöffnet. Minergie ist weltweit der erfolgreichste nationale Standard für energieeffizientes Bauen. Anders als die meisten anderen vergleichbaren Standards hat der Schweizer Minergie-Standard von Anfang an nicht nur auf den Umweltnutzen Wert gelegt, sondern auch auf den Komfort für den Bewohner und auf den Werterhalt der Gebäude. Das hat das Interesse der Bauwirtschaft und zunehmend auch der Investoren geweckt. Den Standard gibt es in vier Stufen: der klassische Minergie-Standard bildet dabei die Basis. Minergie-Eco stellt Anforderungen an die Baubiologie und Baugesundheit. Minergie-P schraubt die Ansprüche noch höher. Auch eine Kombination von Minergie-P und Eco möglich. Eine Übersicht der zu besichtigenden Gebäude findet sich hier: www.toft.ch. Steffen Klatt: Wen wollen Sie mit diesen Minergie-P-Tagen ansprechen? Franz Beyeler: In erster Linie private, aber auch institutionelle Bauherren sowie Baufachleute. Bei den ersten Minergie-P-Tagen letztes Jahr sind auch viele Architekten, Planer, Zimmerleute und Schreiner gekommen. Steffen Klatt: Geht es nur um Neubauten oder auch um Sanierungen? Franz Beyeler: Es hat auch Gebäude darunter, die nach dem Minergie-P-Standard modernisiert worden sind. Die grosse Mehrheit sind aber Neubauten. Steffen Klatt: Sie arbeiten bei den Minergie-P-Tagen mit einer Bank zusammen: Credit Suisse hat die Patronatspartnerschaft übernommen. Warum tun Sie das? Franz Beyeler: Bei solchen breit zu kommunizierenden Veranstaltungen ist die Kommunikation Erfolgsfaktor Nummer eins. Minergie allein hat nicht die Kraft, mögliche Bauherren zu informieren über dieses Angebot. Credit Suisse ist Mitglied bei Minergie. Banken sind für den Erfolg von Minergie wichtig. Wenn ich Minergie im Ausland vorstelle, dann reagieren die Zuhörer immer sehr positiv und interessiert auf die Minergie-Hypotheken der Banken. Die Minergie-Hypotheken sind ein zusätzliches Element, um nach Minergie zu bauen. Es gibt auch zusätzlich Vertrauen, wenn eine Bank eine Minergie-Hypothek anbietet. Steffen Klatt: Minergie wird in der Wahrnehmung oft mit Einfamilienhäusern verbunden. Zu recht? Franz Beyeler: Diese Wahrnehmung ist sogar falsch. Wir haben bisher über 14000 Gebäude zertifiziert mit insgesamt rund 14 Millionen Quadratmetern Energiebezugsfläche. Das heisst pro Zertifikat 1000 Quadratmeter. Daran sieht man, dass die grosse Mehrheit nicht kleine Einfamilienhäuser sind. Steffen Klatt: Wer gehört zu den grossen Bauherren? Franz Beyeler: Credit Suisse ist Schweizermeisterin gemessen an Quadratmetern Minergie-Fläche. Der Uetlihof der Credit Suisse in Zürich wird nach Minergie-P-Eco Standard modernisiert. Ende Oktober findet für ein Minergie-Gebäude aus einem Immobilienfonds Credit Suisse in Zug die Grundsteinlegung statt. Verwandte Themen| { ETH-Immobilien nachhaltig, 23.10.09 } | | { Grüne Immobilien sind mehr wert, 05.10.09 } | | { Coop bietet Minergiehäuser an, 30.09.09 } | | { Marke Minergie gewinnt, 21.09.09 } | | { Banken belohnen Bauherren, 14.09.09 } | | { Mehr Wert dank Minergie, 14.09.09 } | | { Die Schweiz hat einen Vorsprung, 28.08.09 } | | { Energieautarke Berghütte, 14.07.09 } | | { Der Staat verschenkt grünes Geld, 19.06.09 } | | { Rekord für Wärmepumpen, 19.06.09 } | | { Der Königsweg der Sanierung, 08.06.09 } | | { Wachsen mit Minergie, 02.02.09 } | | { Fortschritt nach Schweizer Art, 16.01.09 } |
Steffen Klatt: Die grossen Investoren haben sich lange wenig für Minergie interessiert. Ändert sich das jetzt? Franz Beyeler: Es hat schon immer Investoren gegeben, die sich überlegt haben, wie sie eine möglichst hohe und langfristig wirkende Sicherheit für ihre Investition bekommen können. Mit einem Minergie-Haus haben Investoren eine solche zusätzliche Sicherheit: Ein Minergie-Haus ist auch noch in 20 Jahren modern. Aber wenn Sie im vergangenen Jahr nach dem Stand der Vorschriften gebaut haben, dann haben Sie im Vergleich zu Minergie eine Energieschleuder gebaut. Inzwischen wurden die Vorschriften der Kantone verschärft. Diejenigen, die heute nach dem Stand der herkömmlichen Technik bauen, bauen nicht gescheit, denn gescheite Bauten haben heute eine Komfortlüftung und nicht nur eine gut gedämmte Gebäudehülle mit dichten und guten Fenstern. Immer mehr Genossenschaften wie Coop und Migros oder auch grosse Unternehmen wie IKEA, Swiss Re und ZKB bauen jetzt nach Minergie, um auf der sicheren Seite zu sein. Steffen Klatt: Spiegelt sich das bereits auch bei Investmentfonds wider? Franz Beyeler: Der Credit Suisse Real Estate Fund Green Property hat ganz klar die Auflage, dass nur investiert wird in Gebäude, die im Minimum Minergie- oder Minergie-Eco zertifiziert sind. Ich habe auch einen Anruf einer anderen Grossbank erhalten, die die Interessen eines Grossinvestors vertritt. Dieser ausländische Investor möchte in der Schweiz mehrere grosse Wohnbauten errichten. Ich soll nun die Herren aus dem Ausland überzeugen, nach Minergie zu bauen. Steffen Klatt: Minergie ist in der Schweiz sehr erfolgreich. Können Sie Minergie exportieren? Franz Beyeler: Wir haben in angrenzenden Ländern bereits nach Minergie zertifiziert. In Frankreich haben wir einen Partner, der Gebäude nach unseren Vorgaben zertifiziert und dafür eine Lizenz-Gebühr zahlt. Dort sind bisher 48 Gebäude zertifiziert. Im Fürstentum Liechtenstein sind es 43. In Deutschland, Italien und Luxemburg haben wir von der Schweiz aus zertifiziert. Bisher haben wir eine passive Auslandspolitik gehabt. Das ändert sich jetzt. Das Swiss Village in der Ökostadt Masdar bei Abu Dhabi soll nach dem Minergie-Standard gebaut werden. Im Oktober haben wir in den USA und in Schweden über Minergie informiert. Aber es ist natürlich schwieriger, einen Baustandard zu exportieren als ein Rennvelo. Steffen Klatt: Der amerikanische LEED-Standard wird ebenfalls exportiert, und anscheinend mit Erfolg… Franz Beyeler: LEED scheint sehr viel Geld vom Staat zu bekommen. Denn es verfügt über 250 Auditoren, zertifiziert aber sehr wenig. Sie sind im Ausland sehr aktiv, wir sind es bisher nicht gewesen. Zur Person:
Franz Beyeler ist Geschäftsführer des Vereins Minergie. Der Betriebsökonom ist zudem Partner der MKR Consulting, einem Beratungs- und Kommunikationsunternehmen in Bern, sowie Leiter der Informationsstelle der Fördergemeinschaft Wärmepumpen Schweiz. Das Interview ist zuerst in InFocus erschienen, dem online-Magazin der Credit Suisse.
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