Greentech-Pille gegen Krisenleiden

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Geschrieben von: Yvonne von Hunnius, Freiburg i. Ue. 23.10.09
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Freiburg i.Ue. - Hier könnte man die Krise fast vergessen: Die erste Auflage der Fachmesse für Abfallwirtschaft, Ressourcen und Umwelttechnik Greentech im Westschweizer Freiburg verströmt Wachstumslaune. Aussteller und Referenten zeigen auf, dass die beste Krisenmedizin nachhaltige Aktivität ist.

Die Krise entsorgen die Freiburger nachhaltig. Sie haben genau den richtigen Zeitpunkt für den Startschuss zu ihrer neuen Fachmesse Greentech abgepasst. Abfallwirtschaft, Ressourcen und Umwelttechnik wurden in der Planungsphase noch als Trendthema, heute hingegen als feste Wirtschaftspfeiler der Zukunft angesehen. Mitinitiator Pierre Schwaller: „Wir sind überwältigt vom Interesse. Es spricht sich herum, dass kaum eine andere Branche auf so positive Prognosen verweisen kann.“ Bis Samstag präsentieren über 40 gesunde Unternehmen im Forum Freiburg ihre Innovationen, referieren Experten über Marktchancen. Greentechpräsident und Direktor der kantonalen Raumplanungs-, Umwelt- und Baudirektion, Georges Godel, steht Pate dafür, dass ökologisches Handeln nicht nur von der Wirtschaft gefordert werde: „Wir setzen momentan eine Reihe von Massnahmen um und versuchen, der Vorbildfunktion gerecht zu werden.“

Neue treibende Kraft: industrielle Ökologie

Der Vizedirektor des schweizerischen Bundesamtes für Umwelt, Gérard Poffet, präsentierte Studien, nach denen sechs bis acht Prozent Wachstum trotz Krise möglich sei. Zeichen eines neues industriellen Zeitalters, wie Suren Erkman, Umweltwissenschaftler von der Universität Lausanne, vor dem Freiburger Fachpublikum darlegte: „Genau, wie bis 1820 die Textilbranche die treibende Kraft gewesen ist, wird uns nun die industrielle Ökologie voranbringen.“

Die Wirtschaft erkennt die Zeichen der Zeit. In Freiburg sind Weltkonzerne und kleine Initiativen vertreten. Messepartner ist der weltweit grösste Umweltdienstleister Veolia aus Frankreich, der 2008 insgesamt einen Umsatz von rund 54,6 Milliarden Franken (36,2 Milliarden Euro) erwirtschaftete und 330.000 Menschen beschäftigt. Mit seiner Messerepräsentanz wollte Schweiz-Geschäftsführer Gonzague Dejouany Massstäbe setzen: „Der komplette Stand ist rezykliert und rezyklierbar. Hier in Freiburg sind wir zum ersten Mal mit diesem Konzept präsent.“ Veolia steht indirekt für das Abfallmanagement von Schweizer Unternehmen wie Novartis oder Nestlé, ist Mutterkonzern der Schweizer Batterieentsorgung Batrec. Und natürlich hat Dejouany gute Nachrichten parat: „Wir sind stolz darauf, dass in den letzten fünf Jahren bei uns rund ein Drittel mehr Stoffe einer Wiederverwertung zugeführt werden konnten.“

Aus Müll wird Energie

Ähnliches hat das Schweizer Unternehmen Kompogas auf der anderen Seite der Messehalle zu berichten: Wachstum ist das Credo des Kompostieranlagenbetreibers und –herstellers Kompogas. Garten- und Küchenabfälle werden in den insgesamt 40 Anlagen der Axpo-Tochter zu Biogas oder Strom. Der Regionalleiter der westlichen Schweizer Betriebe, Andreas Utiger, ist bis zum späten Abend am Stand: „Fast jeder Besucher bleibt bei uns stehen. Ich bin überrascht, wie viele konstruktiven Gespräche wir bereits führen konnten.“ Dass das Kompogas-Prinzip funktioniert, davon zeugt auch die Tatsache, dass Grosskonzerne wie McDonald's Schweiz, Migros und Coop hierauf setzen und somit aus ihren Bioabfällen Energie werden lassen.

Kein Innovationsmangel in Freiburg

Doch grosse Ideen fangen klein an: Vertreter der Hochschule für Technik und Architektur Freiburg (HES-SO) präsentieren ihre Projekte beispielsweise zu Mobilität oder Energieeffizienz. Innovationen wie ein Gerät zur Asbestrecherche wurden vom Unternehmen Ecoservices auf der Greentech erstmals in der Schweiz präsentiert. Die junge Initiative swissecology, die an der Hochschule Lausanne (EPFL) entstanden ist, sorgt mit ihren farbigen Abfallsystemen für Aufsehen. Direktor Régis Chatelain: „In einigen Kantonen kommen unsere Systeme bereits zum Einsatz. Und wir beraten auch Kommunen in generellen Fragen des Abfallmanagements.“ Chatelain ist zwar erkältet, doch nur, weil er zuviel zu tun hat. Von Krisenpassivität oder –depression ist weder bei ihm noch bei den anderen Messeteilnehmern etwas zu spüren.

 

Bild: Generaldirektor des Forum Freiburg, Béat Kunz, präsentiert bei der Eröffnung der Greentech eine Umwelt-Zertifizierung des Forums von Climate Partner Schweiz. (Yvonne von Hunnius)

 

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