Cleantech-Flieger hebt ab

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Geschrieben von: Yvonne von Hunnuis, Bern 20.10.09
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Bern - Exzellent, aber zersplittert sei die Schweizer Cleantechbranche. Mit grüner Kraft will der Aussenwirtschaftsförderer Osec nun den Unternehmen durch eine Plattform mit Marketing- und Marktstudien den Weg in lohnende Märkte erleichtern. Denn die Zeichen stehen gut.

Für den Cleantechbereich wird im kommenden Jahr weltweit ein Volumen von 900 Milliarden Franken erwartet. Die Branche boomt und das Risiko eines Absturzes sei relativ gering. Wirtschaftsexperte Thomas Streiff von Brugger and Partners Zürich hat massgeblich an einer aktuellen Studie mitgearbeitet und findet eine klare Antwort auf die Frage nach dem Warum: „Weil das Risiko des Klimawandels nicht aus der Welt zu diskutieren ist. Das Wissen hierum wird zu einem stabilisierenden Faktor.“ Noch umfasst das Schweizer Volumen in diesem Markt erst zehn Milliarden Franken. Doch das soll sich ändern. Schweizer Cleantechunternehmer ergreifen die Chance der verstärkten Klimasensibilisierung. Unter anderem sind es momentan auch Stabilisierungspakete der Krise, die Investitionen in diesem Bereich den Weg bereiten. Der Bund hat dem offiziellen Aussenhandelsförderer Osec allein für Exportplattformen 25 Millionen Franken zur Verfügung gestellt, um die Schweizer Wirtschaft durch gezielte Förderung zu positionieren. Für die Cleantechbranche wird nun speziell eine Plattform aufgebaut, die sich als Kickstart für wachsende Exportzahlen herausstellen soll.

 

Nebensache wird zur Hauptsache

„Man kann sich das so vorstellen, als setzten sich Schweizer Unternehmen in ein Flugzeug mit der Aufschrift Swiss Cleantech und reisten in potentielle Märkte. Dort angekommen, handeln sie völlig autonom“, sagt Rolf Bischofberger, Leiter Stabilisierungsprogramm der Osec. Die gemeinsame Reise ist wichtig, denn eine Osec-Studie hat ein heterogenes Bild zutage gebracht. Schweizer Firmen arbeiten intensiv im Bereich erneuerbarer Energien und Umwelttechniken. Es gibt intensiven Austausch mit dem Wissen der international anerkannten Hochschulen des Landes. Doch die überwiegend kleinen und mittleren Firmen werden wenig als geballte grüne Technikkompetenz im Ausland wahrgenommen. Manchmal, so tönt es aus Branchenkreisen, seien Unternehmen sich selbst gar nicht bewusst, zum Cleantechsektor zu gehören, da sie beispielsweise ergänzende Technologien anböten. Gebäudetechnik, Abfallwirtschaft, Solartechnikanbieter – besser vernetzt sollen alle besser von den Standortvorteilen der Schweiz profitieren können.

Angebot und Nachfrage koordinieren

Osec-Leiter Daniel Küng will Hilfe zur Selbsthilfe leisten: „Wir haben untersucht, welche Produkte Schweizer Unternehmen exportieren können. Auf der anderen Seite wurde ausgearbeitet, was in interessanten Kernmärkten für eine Nachfrage herrscht. Und beides kommt bei der Plattform nun zusammen.“ In der Krise, so die Erfahrung der Experten, werden nahe Exportländer wieder spannend für die Wirtschaft: Im europäischen Markt besteht Bedarf in Punkto Transport Erneuerbarer Energien und Gebäudetechnik. Besonders spannend für Unternehmer sind konkrete Ergebnisse wie: „In Grossbritannien werden nun Milliarden für Abfallentsorgung bereitgestellt, da neue Regelungen verlangen, dass Deponien durch möglichst schonende Verbrennungsanlagen oder Ähnliches ersetzt wird.“ Osec-Experte Bischofberger sagt dies, als handle es sich um eine Goldgrube.
Ebenso dürfen die Schweizer Schürfer nach grünem Gold nicht hintanstehen, geht es um neue Wachstumsmärkte: Der baldige Schweizer Freihandelspartner China ist ebenso wie Indien und auch der riesige von Obama neu begrünte Markt Nordamerikas im Fokus. Nahezu kostenlos soll für die Unternehmen eine Basismitgliedschaft im Netzwerk sein, detailliertere Unternehmensspezifische Unterstützung kostet natürlich.

Schon gebucht: China, Kanada, Abu Dhabi

Von den Studienergebnissen, Marketingkonzepten, Logodesign, gemeinsamen Ständen auf Messen und Veranstaltungen profitieren alle. Derlei Hilfe hatte auch der Präsident des Schweizer Branchenverbandes für Umwelttechnik, Andreas Schweizer, schon lange gefordert: „Wir haben die Techniker, doch Marketingbudgets in Millionenhöhe kann kein kleiner Verband aufbringen. Die Initiative kommt genau richtig“, sagt Schweizer. Ein Swiss-Cleantech-Flugzeug nach Vancouver zur Umweltmesse Globe 2010 und zur Weltausstellung nach Schanghai 2010 soll schon gebucht sein. Doch nicht nur der Vergleich auf Messen, sondern auch in der Realität dürfte die Brust der Branche bald schwellen lassen. Swiss-Village-Initiator Nick Beglinger: „Wer sich die Schweizer Präsenz in der Hightech-Ökostadt Masdar im Emirat Abu Dhabi betrachtet, weiss: Schweizer Cleantech ist vorne dabei.“

 

Bild: Osec-Leiter Daniel Küng und Stabilisierungsprogrammverantwortlicher Rolf Bischofberger von Osec präsentieren die neuen Studien. (technica online)

 

 

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