Raus aus der Gewalt

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Geschrieben von: Beatrice Suter, Academia Engelberg 21.10.09
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Die Dritte Welt ist am schwersten von Gewalt betroffen. Gewalt ist oft sowohl Ursache als auch Folge von Unterentwicklung. Welche Wege zum Aufbrechen von Gewaltstrukturen in bedrohten Regionen und in der menschlichen Gesellschaft führen können, zeigten Experten am achten Wissenschafts-Dialog der Stiftung Academia Engelberg auf. 

Rund 130 Vertreter/innen aus Wissenschaft, Wirtschaft, Politik und Gesellschaft aus zehn Nationen haben sich drei Tage intensiv mit den Ursachen und Präventionsmöglichkeiten von Gewalt auseinander gesetzt. Klaus Hug, Präsident der Stiftung Academia Engelberg, meinte zum Abschluss der Tagung: „Eine Vielfalt von Referaten hoch qualifizierter Experten hat uns allen neue Erkenntnisse zur Gewalt in der menschlichen Gesellschaft gebracht; mit den Reflexionen junger Wissenschafter die Ansichten der künftigen Elite.“ Er rief die Teilnehmenden auf, die Beklemmung über gewalttätige Auseinandersetzungen abzuschütteln, Mitgefühl mit den Opfern zu zeigen und ihre Kreativität für die Lösung der Gewalt-Problematik einzusetzen. Sämtliche Referate und Diskussionen können auf auf der Internetseite www.academia-engelberg.org als Video nachverfolgt werden. 

 

Kein Tag ohne Krieg

Angelo Gnädinger vom Internationalen Roten Kreuz (IKRK) erzählte über Einsätze des IKRK in Konflikten wie Israel/Plästina, auf dem Balkan, im Sudan oder in Afghanistan. Mit wenigen Ausnahmen waren dies Kriege zwischen ethnischen Gruppen und nicht zwischen Staaten. Trotz internationaler Richtlinien, die von praktisch allen Staaten der Welt anerkannt werden, leidet die Zivilbevölkerung weiterhin am meisten unter diesen Auseinandersetzungen. Ergänzend forderte Fabio Segura von Youth Encounter on Sustainability: „Die Beendung von Konflikten ist weit mehr, als ein Waffenstillstand. Gerade der Bosnien-Krieg hat uns gezeigt,  dass sich die Einstellung der Menschen verändern muss. Nur die Gewalt zu bekämpfen, ohne nach den Ursachen zu forschen, genügt nicht. Künftige Gewaltausbrüche können in solchen Konflikten nur gestoppt werden, wenn sämtliche ethnischen Vorbehalte ausgeräumt werden.“

Gewalt behindert regionale Entwicklung

Rund 1,2 Milliarden Menschen leben in Regionen, die von gewalttätigen Auseinandersetzungen bedroht sind. Thomas Greminger, Direktor im Eidgenössisches Departement für auswärtige Angelegenheiten und Diplomat, zeigte sich trotz beinahe täglicher Meldungen zu gewalttätigen Auseinandersetzung zuversichtlich: „Die Internationale Gemeinschaft ist sich bewusst geworden, dass bewaffnete Auseinandersetzungen negative Auswirkungen auf die Entwicklungs-Perspektiven der betroffenen Regionen haben. Bewaffnete Gewalt ist sowohl Ursache als auch Folge von Fehlentwicklungen. Diese müssen ganzheitlich und mit einem langfristigen Zeithorizont angegangen und die Bemühungen international koordiniert werden. Um künftige Konflikte zu vermeiden, sind neben der potentiellen Waffenstärke auch strukturelle RisikoFaktoren mit zu berücksichtigen. Dazu gehören insbesondere die Bildungs- und Beschäftigungschancen gefährdeter Regionen. Dennoch bleiben viele Fragen offen und vieles muss noch getan werden, um die Lebensgrundlage in den betroffenen Gebieten nachhaltig zu verändern.“

Ideenpool lanciert

Der Präsident des Programm-Komitees, Professor Jakob Nüesch, forderte zum Abschluss des achten Wissenschafts-Dialogs der Stiftung Academia Engelberg alle Teilnehmenden zum konkreten Handeln auf: „Es wurde schon viel unternommen, aber es muss noch viel mehr getan werden! Don’t tell it – do it!“. Sowohl Teilnehmende, wie alle am Kongress-Thema interessierten seien aufgefordert, an der Folgekonferenz mitzuarbeiten: „Wir werden einen Ideenpool eröffnen. Sie alle sind aufgerufen, Vorschläge einzubringen. Wir werden Ihre Ideen bündeln und analysieren. Anschliessend werden diese in konkrete Projekte umgewandelt, die nachhaltig, langfristig und resultatorientiert umgesetzt werden können.“ 

Intensive Auseinandersetzung

Der interdisziplinäre Dialog war dreigeteilt: Am ersten Tag gingen Professor Kurt R. Spillmann, Professor Josef Reichholf, Prof. Gerhard Roth und Professor Peter Meyer zusammen mit dem Plenum den Ursachen von menschlicher Gewalt nach. Der zweite Tag war Gewalt in Familien, Gewalt bei Jugendlichen und an Frauen sowie Auswegen daraus, gewidmet. Der dritte Tag war auf Ursachen und Auswirkungen kriegerischer Auseinandersetzungen fokussiert. Der Dialog zwischen Generationen stand dieses Jahr im Zentrum der Konferenz. Junge Studenten der Schweizerischen Studienstiftung und angehende Wissenschafter von Youth Encounter on Sustainability YES hatten Repliken auf die Vorträge vorbereitet. Nicht immer waren sich denn auf dem Podium die zwei Referenten und das Publikum über die Thesen einig. 

Brücke zwischen Wissenschaft und Gesellschaft

Grundlegende Erkenntnisse der Wissenschaft treffen in der breiten Bevölkerung nicht selten auf starke Vorbehalte und Misstrauen. Die Stiftung Academia Engelberg leistet mit dem interdisziplinären Dialog ihren Beitrag dazu,  dass eine neue Basis des Vertrauens  zwischen Wissenschaft und breiter Öffentlichkeit entsteht. Dazu treffen sich jährlich im Herbst Persönlichkeiten aus Wissenschaft, Wirtschaft, Kultur, Politik und Gesellschaft in Engelberg, Schweiz. 


Weitere Informationen:

Academia Engelberg
Beatrice Suter, Pressesprecherin
Telefon: +41-79-211 10 44
E-Mail: Diese E-Mail-Adresse ist gegen Spambots geschützt, Du musst JavaScript aktivieren, damit Du sie sehen kannst.

 

Bild: Dr. Dominik Galliker gratuliert Martha Bächler zum Geburtstag. Öffentlicher Abend zum Thema Sport und Gewalt 8. Wissenschafts-Dialog (Zvg Academia Engelberg).

 

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