Eine Exportplattform der Osec will Cleantech-Unternehmen den Eintritt in fremde Märkte erleichtern. Mit der Schweiz könnten so schon bald nicht nur Schokolade und Banken, sondern auch Cleantech-Konzepte verbunden werden, sagt Osec-Leiter Daniel Küng. Yvonne von Hunnius: Osec hat aus zwei Konjunkturstützungsprogrammen Fördermittel erhalten. Wie wird hiermit der Schweizer Exportindustrie geholfen? Daniel Küng: Vom Bund haben wir einmal zehn Millionen Franken für die Jahre 2009 und 2010 für die Stützung der Exportindustrie in der Krise erhalten. Zudem sind weitere 25 Millionen Franken geplant. Mehrere Massnahmen wurden bereits in Gang gesetzt. Erstens haben wir in unser Programm wieder verstärkt auch europäische Märkte aufgenommen. In den vergangenen Jahren hatten wir uns darauf konzentriert, dort Hilfestellung zu leisten, wo es für KMU besonders schwierig erschien, Fuss zu fassen – im mittleren Osten, Südamerika, Asien. In diesen Zeiten jedoch kommt es für sie besonders auf nahe Märkte an. Zum Zweiten fördern wir stark den Austausch mit Staaten wie China, mit denen die Schweiz in Freihandelsverhandlungen steht. Als dritte wichtige Massnahme haben wir untersucht, in welchen Sektoren besondere Exportpotentiale bestehen, um diese gezielt zu stärken. Yvonne von Hunnius: Welche Branchen sind das und wie soll ihnen unter die Arme gegriffen werden? Daniel Küng: Für den Medizinaltourismus, die Cleantechbranche und Architektur Industriedesign sind wir im Begriff, Exportplattformen zu schaffen, die einen starken Auftritt im Ausland ermöglichen. Betrachten wir beispielsweise die Cleantechbranche genauer, fällt auf, dass sie zwar grosses Potential besitzt, doch sehr zersplittert ist. Im Ausland kann sie deshalb nicht als starke innovative Kraft wahrgenommen werden, was sich gerade für KMU als Nachteil herausstellt. Verwandte Themen| { Die Schweiz tut sich schwer, 16.10.09 } | | { Regierung umwirbt Finanzmarkt, 12.10.09 } | | { Noch Platz für neue Anbieter, 07.10.09 } | | { Marshall-Plan gegen Klimawandel, 02.09.09 } | | { Profit allein ist nicht genug, 08.07.09 } | | { Impulse kommen aus der Wirtschaft, 08.05.09 } | | { Obamas färben Amerika grün, 08.04.09 } | | { Grüne Chance in den USA, 09.03.09 } | | { Die Kräfte bündeln, 04.03.09 } | | { Grün und gesund aus der Krise, 04.03.09 } | | { Uno will grüne Job-Revolution, 16.02.09 } | | { Wohlstand dank Ökologie, 02.12.08 } |
Yvonne von Hunnius: Es muss aber auch ausreichend Nachfrage bestehen… Daniel Küng: Das haben wir eindeutig festgestellt. Es gibt grossen Bedarf an Schweizer Know How in diesem Feld. Wir arbeiten im Zuge der Exportplattformen immer von zwei Seiten kommend. Zum einen analysieren wir zunächst die Branche, damit klar ist, welche Subsektoren welche Potentiale besitzen. Somit klären wir das Schweizer Angebot. Zum anderen betrachten wir die ausländischen Zielmärkte und identifizieren die dortige Nachfrage. Letztlich geht es darum, beides zusammenzubringen. Yvonne von Hunnius: Und wie funktioniert das konkret? Daniel Küng: Wir wollen die Cleantech-Anbieter zusammenfassen, eine Dachmarke schaffen, mit Marketingkonzepten unterstützen. Zudem wird es auf internationalen Messen und Veranstaltungen gemeinsame Auftritte geben. Auf einer einschlägigen Messe in Abu Dhabi wird es dann ein Swiss Pavillon genauso geben können wie auf der Weltausstellung in China oder der Eröffnung der Winterspiele in Vancouver. Vorgesehen sind natürlich ebenso Reisen von Delegationen, denen Unternehmer genauso wie wichtige politische Vertreter der Schweiz angehören. Somit wird der Kontakt nicht nur mit Unternehmen des Landes, sondern auch mit der Administration gefördert. Yvonne von Hunnius: Welche Vorbilder gibt es für diese Exportplattform-Konzepte? Daniel Küng: In Neuseeland, Deutschland und Skandinavien wurden solche Konzepte sehr erfolgreich in die Realität umgesetzt. Nachdem klar wurde, dass der Bund 25 Millionen Franken ausschliesslich für Exportplattformen zur Verfügung stellen möchte, haben wir eine Expertenstudie in Auftrag gegeben. Somit besitzen wir jetzt eine genaue Analyse der Faktoren, die eine Exportplattform erfolgreich machen. Yvonne von Hunnius: Wäre diese Unterstützung nicht klassischerweise die Aufgabe eines Verbandes? Daniel Küng: Uns geht es nicht darum, Interessenverbänden der Branche Konkurrenz zu machen. Im Gegenteil: Wir kümmern uns nur um die Exportförderung – zusätzlich zu den bereits bestehenden Netzwerken. Wir verstehen das Projekt als Initialzündung, die eine Dynamik in Gang setzt. Yvonne von Hunnius: Zieht sich Osec dann zurück? Daniel Küng: So ist der Plan. Ich bin davon überzeugt, dass nach einem Kickstart dieser Art eine Etablierung stattfindet. Wir laden Unternehmen ein, dabeizusein und finanzieren die Infrastruktur. Ein finanzieller Beitrag wird vorerst nur symbolischen Charakter haben. Nach einigen Jahren kann Osec das Ruder der Industrie selbst in die Hand geben. Doch ohne Osec oder den Staat haben vergleichbare Initiativen wenig Erfolgschancen. Das hat der internationale Vergleich gezeigt. Yvonne von Hunnius: Was soll sich konkret etablieren? Daniel Küng: Niemand kann die Nachfrage nach Schweizer Produkten künstlich erhöhen. Doch wir können die Exzellenz in einem Bereich stärken. Das Ziel ist, dass im Ausland mit der Schweiz letztlich nicht nur der Finanzsektor und Schokolade in Verbindung gebracht werden, sondern bald auch innovative Cleantech-Ideen. Vergleichbar ist die Zerstreutheit von Unternehmen und unser Bestreben der Zusammenfassung mit Schneeflocken, die einzeln kaum wahrzunehmen sind – doch ein Schneemann ist unübersehbar. Yvonne von Hunnius: Doch brauchen Branchen nicht stärkere Unterstützung über lange Zeiträume wie beispielsweise der deutsche Staat es praktiziert? Daniel Küng: Wir vertreten da das klassische Schweizer Prinzip, bei dem nicht den Bürgern das Geld aus der linken Hosentasche herausgezogen und anders gebündelt wieder in die rechte hineingesteckt wird. Natürlich haben wir somit weniger staatliche Unterstützungsmöglichkeiten, doch wir ziehen auch weniger Geld aus der Tasche und lassen mehr dynamischen Freiraum. Yvonne von Hunnius: Sie erwarten, dass der Exportwagen wieder in Fahrt kommt – wann genau rechnen Sie damit? Daniel Küng: Im Augenblick liegen unsere Exportwerte 15 Prozent unter denen vor Jahresfrist. Ende 2009 werden es wohl 12 Prozent weniger als Ende 2008 sein. Somit ist vermutlich bereits eine Erholung angedeutet, aber keine schnelle. Mit einem Exportvolumen von über 200 Milliarden pro Jahr, wie wir es vor der Krise erwirtschafteten, können wir die nächsten paar Jahre nicht rechnen. Doch die Talsohle ist durchschritten. Yvonne von Hunnius: Bis dorthin kann sich auch die Schweizer Wirtschaft neu ordnen… Daniel Küng: So ist es. Ich vermute, dass die sektorielle Verteilung in vier Jahren anders als heute aussehen wird. Der Finanzsektor, so kann ich mir vorstellen, wird etwas schwächer, die Sektoren Cleantech und Medizinaldienstleistungen stärker. Zur Person: Daniel Küng ist seit Mitte 2004 Chef von Osec, des 1927 gegründeten offiziellen Schweizer Aussenwirtschaftsförderers. Zuvor war Küng Managing Partner von Beratungsunternehmen in Portugal und eines Agrarberatungsunternehmens in Brasilien. Seine berufliche Laufbahn hat der Abgänger der Hochschule St. Gallen bei Mercedes-Benz in Brasilien begonnen. Osec ist seit Anfang 2008 auch für das Standortmarketing der Schweiz zuständig.
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