50 Tage zur Rettung der Welt

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Geschrieben von: Gabriel Rath, London 18.10.09
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Gordon BrownLondon - Die wichtigsten Mitglieder der G20 haben sich in London versammelt, um doch noch Bewegung in die festgefahrenen Klimaverhandlungen zu bringen. Der britische Premier Brown warnt vor einer Klimakatastrophe. Doch die Aussichten sind schlecht. Die USA wollen keine Verpflichtungen für eine Verringerung ihres Ausstosses von Kohlendioxid eingehen. Und Europa kann sich nicht darauf einigen, wieviel es Entwicklungsländern für den Klimaschutz und die Anpassung an den Klimawandel zahlt.

Mit einer eindringlichen Warnung hat der britische Premierminister Gordon Brown die Welt zu einer Einigung über den Klimaschutz aufgerufen. Unter Anspielung auf Beginn der UNO-Klimakonferenz in Kopenhagen am 7. Dezember sagte er am Montag in London, es blieben noch 50 Tage zur Rettung der Welt: “Wenn wir nicht handeln, droht eine Katastrophe”, sagte Brown am Montag.

Druck auf Washington

Der britische Premier sprach vor Vertretern von 16 führenden Wirtschaftsnationen plus der EU, die London zusammengekommen sind, um doch noch einen Durchbruch für die Kopenhagen-Konferenz zu erzielen. Trotz der eindringlichen Worte Browns sind die Erwartungen allerdings nicht nur unter Umweltschützern gering.
Selbst die traditionell USA-freundlichen britischen Gastgeber machen Druck auf Washington: „Es ist von entscheidender Bedeutung, dass die USA in Kopenhagen eine Zahl (für die angestrebte CO2-Reduktion, Anm.) auf den Tisch legen“, sagte der britische Energieminister Ed Miliband vor Beginn der zweitägigen Beratungen.
Die EU und die anderen europäischen Staaten haben sich zu einer Verringerung ihres CO2-Ausstosses um 20 Prozent bis 2020 im Vergleich zu 1990 verpflichtet. Wenn die USA mitmachten, wären sie sogar zu 30 Prozent bereit. Das sei immer noch zu wenig, sagen die Schwellen- und Entwicklungsländer und fordern 40 Prozent. Die USA propagierten zuletzt ein neues System, nachdem die verbindlichen Kyoto-Werte durch selbstgewählte Ziele jedes Landes ersetzt werden sollen, deren Einhaltung international überprüft wird. Die Gespräche fanden hinter verschlossenen Türen statt, Presseinformationen waren nicht vorgesehen.

Führende Wirtschaftsnationen vertreten

Das Treffen der Staaten geht auf eine Initiative von US-Präsident Barack Obama zurück, der die Gruppe der führenden Wirtschaftsnationen erstmals vor einem Jahr in Washington zu informellen Gesprächen versammelt hatte. Vertreten sind Australien, Brasilien, China, Deutschland, Frankreich, Grossbritannien, Indien, Indonesien, Italien, Japan, Kanada, Mexiko, Russland, Südafrika, Südkorea, die USA sowie die EU. Dänemark als Gastgeber der Kopenhagen-Konferenz sowie Schweden als EU-Ratsvorsitzender waren in London ebenfalls anwesend. Zuletzt war die Gruppe am Rande des G20-Treffens in Italien zusammengekommen, Ergebnisse oder Beschlüsse konnte man allerdings keine erzielen.

Klimarunde in Bangkok gescheitert

Nachdem Anfang Oktober die letzte Gesprächsrunde der Klimarahmenkonvention (UNFCCC) in Bangkok gescheitert ist, wächst die Dringlichkeit. „Zeitdruck schärft das Bewusstsein“, meinte Miliband dazu. Die Zeichen für einen Erfolg des Weltklimagipfels im Dezember in Kopenhagen stehen nämlich schlechter denn je. In der dänischen Hauptstadt will die Weltgemeinschaft über die Nachfolge des Kyoto-Protokolls beraten, das 2012 ausläuft. Bis dahin soll die Vereinbarung eine Reduzierung des Kohlendioxidausstosses der führenden Industriestaaten um fünf Prozent unter den Wert von 1990 bringen. Dieses Ziel wurde bisher weit verfehlt. Durch die weltweite Rezession werden Experten zufolge die Emissionen 2008 und 2009 aber global um zwei Prozent sinken.

Nordpol in zehn Jahren schiffbar

Trotz düsterer Warnungen von Wissenschaftlern ist das bei weitem nicht genug, den Klimawandel auch nur einzudämmen. Brown: “Uns stehen riesige Überflutungen und Dürreperioden bevor.” Derzeit beträgt der weltweite CO2-Ausstoss 50 Gigatonnen im Jahr. Er muss bis 2050 auf 20 Gigatonnen reduziert werden, um die Erderwärmung auf ein Plus von zwei Grad einzudämmen.

Geschieht nichts, droht vieles zu geschehen: Britische Forscher legten in der Vorwoche Berechnungen vor, wonach der Nordpol bei anhaltenden Erwärmungstrends in zehn Jahren schiffbar wäre. Das Abschmelzen der Polkappen würde zu katastrophalen Überflutungen und Veränderungen des Weltklimas führen.

Streit um Geld für Entwicklungsländer

Dennoch bleiben die Staaten bis zuletzt über ihre Vorgangsweise uneins. In Bangkok wurde sogar darüber gestritten, ob bei der Konferenz in Kopenhagen das Kyoto-Protokoll verlängert oder durch ein neues System ersetzt werden soll. Gestritten wird aber um Geld. Die Entwicklungsländer, für die Kyoto nicht bindend ist, halten die Unterstützung der Industriestaaten für unzureichend. Grossbritannien verlangt 100 Milliarden Euro für sie. Die EU-Kommission teilt diese Ansicht. EU-Kommissar Stavros Dimas will nun 15 Milliarden Euro dafür aufwenden, stösst aber bei den Mitgliedsstaaten auf wenig Gegenliebe. Das wird auch ein Thema des EU-Gipfels Ende Oktober in Brüssel sein.
In der EU mehren sich zudem mittlerweile die Stimmen, die einräumen, dass die Union ihr Ziel einer CO2-Reduktion um 20 Prozent bis 2020 nicht schaffen wird. Vorerst aber kann man sich hinter einer „von der Gesundheitsreform besessenen Obama-Administration“ (so ein Londoner CO2-Händler im Gespräch) verstecken. Die USA haben mittlerweile durchblicken lassen, dass „wir bis 2010 brauchen werden, um einen konkreten Vorschlag zu machen.“

 

Bild: Gordon Brown (www.number10.gov.uk).

 

 

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