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Kleinbauern müssen hungern

Geschrieben von: Regula Weber, Max Havelaar 16.10.09
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Die Agrarpreise haben sich nach dem Börsencrash wieder erholt und liegen wieder übern den von Max Havelaar vorgegebenen kostendeckenden Mindestpreisen. Dennoch hungern Kleinbauern im Süden, wie UNO-Zahlen zeigen.

Die Weltmarktpreise für Agrargüter aus dem Weltsüden wie Kaffee, Kakao, Zucker und Reis liegen heute nach dem Börsencrash von 2008 wieder auf einem Niveau, das weit über den kostendeckenden Mindestpreisen liegt, wie sie beispielsweise Max Havelaar Fairtrade vorgibt. Die Preise für Lebensmittel haben sich nach der Preisexplosion und der dadurch ausgelösten Lebensmittelkrise stabilisiert, wenn auch auf hohem Niveau. Bessere Bedingungen für die Bauern im Süden würde man denken. Leider vermitteln die Zahlen des jüngsten UNO-Berichts 2009 zur Entwicklung der „Millenium Development Goals" ein anderes Bild: Die Zahl der Hungernden auf der Welt hat 2008 massiv zugenommen, speziell in Afrika südlich der Sahara und im dicht besiedelten Ostasien. Schätzungsweise drei Viertel der hungernden Menschen leben auf dem Land. Oft sind es Kleinbauern, die ihre Familien nicht ernähren können.

Reinerlöse aus Landwirtschaft sinken

Weshalb geht es den Bauern nicht besser, obwohl die Marktpreise für ihre Produkte hoch sind? Erstens sind die realen Weltmarktpreise für Agrarprodukte ungleich tiefer als vor 20 Jahren. Der Verdienst aus der Landwirtschaft ist also massiv gesunken. Gleichzeitig sind die Lebenskosten der Bauern sowie die Kosten für Dünger und Saatgut enorm gestiegen. Hinzu kommt, dass aufgrund von staatlichen Eingriffen in den Produktionsländern (Exportsteuern, Staatsmonopole) und des oft ausbeuterischen Zwischenhandels nur ein geringer Teil des Geldes bei den Bauern ankommt. Ganz im Gegensatz zu tiefen Preisen, die sofort das lokale Preisniveau bestimmen. Fairtrade-Produzenten sind vor Preisausschlägen nach unten geschützt, allerdings nur für die Mengen, die sie auch zu Fairtrade-Preisen verkaufen können.

Förderung von Kleinbauern-Kooperativen und deren Landwirtschaft

Hohe Rohstoffpreise vermögen somit die Lebenssituation der Kleinbauern im globalen Süden nicht nachhaltig zu verbessern Die Priorität muss heute einerseits bei deren unternehmerischen Stärkung und andererseits bei der Förderung einer nachhaltigen Landwirtschaft liegen. Bauern, die in Fairtrade-zertifizierten Genossenschaften zusammengeschlossen sind, sind für den unberechenbaren Weltmarkt besser gerüstet. Sie wissen, was ihre Ware wert ist und suchen gezielt geeignete neue Absatzmärkte. Viele Bauern entscheiden sich beispielsweise, auf die biologische Produktion umzustellen oder sie diversifizieren ihre Landwirtschaft. Oder sie lernen, wie sie ihre Böden nachhaltiger und dennoch effizienter bearbeiten können. Sowohl die Förderung nachhaltiger Anbaumethoden als auch die unternehmerische Stärkung der Produzenten gehören – neben den Fairtrade-Mindestpreisen und der Prämie – zu den Kernelementen des fairen Handels. Auch die neue Wirtschaftsnobelpreisträgerin Elinor Ostrom zeigt in ihrer Forschung auf, dass selbstverwaltete Genossenschaften in der Regel sehr ökonomisch und nachhaltig arbeiten.
Leider wird es mehrere Erntezyklen dauern, bis sich eine nachhaltige Förderung der kleinbäuerlichen Landwirtschaft positiv auf die Zahl der hungernden Menschen auswirkt. Konsumenten und Handelspartner haben es hier in der Hand, diese Entwicklung zu beschleunigen. Denn wirklich nachhaltig sind Lebensmittel erst, wenn auch ihre Produzenten satt werden.

 

Weitere Informationen:
Diese E-Mail-Adresse ist gegen Spambots geschützt, Du musst JavaScript aktivieren, damit Du sie sehen kannst. Diese E-Mail-Adresse ist gegen Spambots geschützt, Du musst JavaScript aktivieren, damit Du sie sehen kannst. (Medienstelle Max Havelaar)
Telefon: 0041 44 278 99 06/05

Bild: Bäuerin in Südafrika (ips)

 

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