Teile der Wirtschaft bewegen sich

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Geschrieben von: Steffen Klatt, St. Gallen 14.10.09
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Aus der Sicht des WWF ist der Energie Trialog Schweiz zumindest teilweise ein Erfolg, sagt Hans-Peter Fricker. Teile der Wirtschaft haben ehrgeizigere klimapolitische Ziele als der Bundesrat akzeptiert. Auch der Ausweitung der CO2-Abgabe haben die beteiligten Unternehmen zugestimmt. Bei der Förderung von Energieeffizienz und erneuerbaren Energien haben sich die Positionen zumindest angenähert.

Steffen Klatt:Warum hat sich der WWF Schweiz am Energie Trialog beteiligt?

Hans-Peter Fricker: Wir nehmen grundsätzlich die Haltung ein, konstruktiv mit Partnern zusammenzuarbeiten, um unsere Ziele zu verfolgen. Darum haben wir uns am Energie Trialog beteiligt. In der Kerngruppe spürte ich ein Interesse, unsere Anstösse zu berücksichtigen und einzubauen. Das war aus unserer Sicht eine Chance, gewisse gemeinsame Nenner zu finden, obwohl die Partner des Energie Trialogs sehr unterschiedliche Hintergründe und sehr unterschiedliche Geschäftsinteressen hatten und sehr unterschiedliche Ziele verfolgten. Wir sahen die Chance, einige unserer Einschätzungen in diesen Kreis zu tragen und für sie mehr Verständnis zu schaffen.

Steffen Klatt:Hat sich diese Hoffnung erfüllt?

Hans-Peter Fricker:Teilweise schon, teilweise nicht. Wir konnten auch nicht damit rechnen, dass der Energie Trialog die Energiestrategie des WWF eins zu eins abbilden würde. Aber wir sind doch in einigen wichtigen Punkten weiter gekommen. So haben wir erstens ganz streng wissenschaftlich gearbeitet, sehr viele Studien in einer Breite konsultiert, wie das nicht immer üblich ist in einem solchen Kontext. Wir haben zweitens Studien in Auftrag gegeben in den Bereichen, in denen wir den Eindruck hatten, dass unsere Fragen durch das vorliegende Material zu wenig beantwortet würden. Drittens haben wir daraus abgeleitet, was die Ziele der Energiestrategie sein müssen. Erst dann sind wir zu den Massnahmen gekommen, die sicherstellen sollen, dass diese Ziele erreicht werden. Normalerweise läuft es in der Politik so, dass zuerst geschaut wird, welche Massnahmen drin liegen und was sich politisch durchsetzen lässt. Die Ziele werden dann dem angepasst, was politisch machbar scheint. Hier lief es umgekehrt, und das ist für mich ein erfreulicher Fortschritt.

 

Steffen Klatt:Der Energie Trialog hält die Verringerung des inländischen Kohlendioxidausstosses um 25 Prozent bis 2020 im Vergleich zu 1990 für nötig und machbar. Wie bewerten Sie das?

Hans-Peter Fricker:Der Bundesrat schlägt im geplanten neuen CO2-Gesetz mit Blick auf den Klimagipfel 10 bis 15 Prozent weniger Treibhausgasemissionen im Inland vor. Im Energie Trialog sind wir immerhin mit grossen Industriefirmen, dem Kanton Aargau, mit Shell und Holcim in einem Bereich, der am unteren Rand dessen liegt, was der IPCC als notwendig erachtet: 25 Prozent Reduktion bis 2020 vollständig im Inland. Um gefährlichen Klimawandel mit angemessener Wahrscheinlichkeit zu verhindern, müssen die Industrieländer und damit die Schweiz ihre Emissionen gar um 40Prozent reduzieren bis 2020. Das ist auch die Forderung des WWF.

Steffen Klatt:Können Sie damit die Diskussion im Parlament beeinflussen?

Hans-Peter Fricker:Ich hoffe es.

Steffen Klatt:Der Energie Trialog spricht sich auch für eine Erweiterung der CO2-Abgabe aus. Die Wirtschaft und gerade ihr Dachverband economiesuisse hat sich lange gegen die Abgabe gesträubt.

Hans-Peter Fricker:Daran sieht man auch, dass es andere Repräsentanten der Wirtschaft gibt, die klimapolitisch aufgeschlossener sind als beispielsweise economiesuisse, die am liebsten gar nichts machen würde und immer nur mit wirtschaftlichen Verlusten und Kosten droht. Im Energie Trialog wurde eingesehen, dass die Kosten Investitionen sind, die langfristig volkswirtschaftlich etwas bringen. Es wurde akzeptiert, dass es die CO2-Problematik gibt, und dass es nicht im Interesse der Wirtschaft liegen kann, nichts dagegen zu tun.

Steffen Klatt:In der Energiestrategie des Energie Trialogs ist von einer Lücke bei der Stromversorgung die Rede. Spricht nun auch der WWF von einer Stromversorgungslücke?

Hans-Peter Fricker:Nein, das tut der WWF nicht. Die Energiestrategie bildet den gemeinsamen Nenner dieser Gruppe. Es kann eine Lücke geben, je nachdem, was jetzt unternommen oder nicht unternommen wird. Wir als WWF setzen auf weitere Effizienzmassnahmen und eine stärkere Förderung der erneuerbaren Energien. Aber wir sind in der Diskussion über die Effizienz und die erneuerbaren Energien in einem solchen Kreis noch nie so weit gekommen.

Steffen Klatt:Wie ist das möglich geworden? Haben die Stromproduzenten eingesehen, dass auch sie mit erneuerbaren Energien Geld verdienen können?

Hans-Peter Fricker:Das ist das eine. Da haben sich die Energieproduzenten überzeugen lassen. Auf der anderen Seite sind wir nicht so weit gekommen, dass wir die Lücke rechnerisch schliessen konnten mit denjenigen Massnahmen der Energieeffizienz und der Förderung der erneuerbaren Energien, die die anderen Teilnehmer akzeptiert haben. Daraus kann aber nicht geschlossen werden, der WWF akzeptierte nun, dass es ein neues AKW brauchte.

Steffen Klatt:Wurde die Atomdiskussion ausgespart?

Hans-Peter Fricker:Sie wurde geführt, aber sie wurde nicht zu Ende geführt.

Steffen Klatt:Wenn man von einer Lücke spricht, muss man auch sagen, wie sie geschlossen werden soll?

Hans-Peter Fricker:Wenn ich mir bewusst bin, dass heute 30 Prozent des produzierten Stroms verpufft, ohne eine sinnvolle Wirkung zu zeigen, so zeigt es, dass wir noch grosse Reserven bei der Effizienz haben. Daneben gibt es noch die Diskussion über den Import und den Export. Wir beim WWF sind da allerdings der Meinung, dass man nicht alleine auf den Import setzen kann. Denn sonst gibt es ein Gerangel der Staaten, die importieren wollen. Immerhin hat der Energie Trialog die rechnerische Lücke bei der Stromversorgung von zwei oder drei AKW auf eines reduziert.

Steffen Klatt:Was geschieht jetzt mit der Energiestrategie?

Hans-Peter Fricker:Wir müssen eine Anstrengung machen, das umzusetzen. Sie muss aufgenommen werden durch diejenigen, die politische Entscheide treffen. Wir wollen den gemeinsamen Nenner und die unterschiedlichen Szenarien, die wir erarbeitet haben, den beiden Energiekommissionen im Stände- und Nationalrat vorstellen. Wir haben Kontakt aufgenommen mit dem Energiedepartement von Bundesrat Moritz Leuenberger. Wir spüren da ein Interesse, weil wir im Energie Trialog mehr Konsens erreicht haben, als er bisher üblich ist in der Schweiz.

 

Zur Person:
Hans-Peter Fricker ist seit 2004 Chef des WWF Schweiz. Zuvor war er Direktor der Schweizerischen Multiple Sklerose Gesellschaft und bis 1995 Programmleiter des Schweizer Radio DRS 2. Vor seiner Zeit beim Radio war der Germanist Dozent für Deutsch, Staatskunde und Volkswirtschaft am Technikum Winterthur. Fricker gehört zur Kerngruppe des Energie Trialogs Schweiz.

 

Bild:  WWF-Schweiz

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