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Geschrieben von: Nathalie Schoch, Solothurn 11.10.09
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Ueli BundiDie Anforderungen an den Schweizer Wasserhaushalt nehmen stark zu. Gleichzeitig verändern sich die Auffassungen, wie die Aufgaben der Wasserwirtschaft wahrzunehmen sind. Klarheit verschaffen soll das Nationale Forschungsprogramm 61. Es soll fundierte wissenschaftliche Beiträge zur Lösung dringender Probleme leisten. Start ist 2010. Im internationalen Leitungsgremium sitzt neben dem Programmleiter, einem emeritierten Professor der Universität Freiburg im Breisgau, ein weiterer Schweizer, Ueli Bundi.Nathalie Schoch: Experten aus der Wasserwirtschaft präsentieren ein zwiespältiges Bild. Die einen blicken sehr optimistisch in die Zukunft. Die anderen eher pessimistisch. Wo stehen Sie?

Ueli Bundi: Ich trete dafür ein, dass wir die Zukunftsprobleme in einer positiven Grundhaltung angehen. Im Bereich der Chemikalien im Wasser stelle ich allerdings fest, dass wir der Entwicklung seit 30 Jahren hinterher rennen. Die Industrie kommt immer mit neuen Produkten und die Wasserfachleute müssen sich dann mit den Problemen in der Umwelt auseinandersetzen. Ich glaube, hier steckt eine der wichtigsten Herausforderungen, dass man Ansätze findet, die über die traditionellen, pseudowissenschaftlichen Methoden hinausgehen. Man sollte versuchen, auch mit einem gesellschaftlichen Bezug Lösungen zu finden. Das ist zwar ein Anliegen, das schon lange diskutiert wird, aber mit dem sich involvierte Kreise schwer tun.

12 Millionen für vier Jahre

Die Nationalen Forschungsprogramme NFP sollen wissenschaftlich fundierte Beiträge zur Lösung dringender Probleme von nationaler Bedeutung leisten. Sie erfolgen im Auftrag des Bundesrates und werden vom Schweizerischen Nationalfonds durchgeführt. Das NFP 61 „Nachhaltige Wassernutzung“ will wissenschaftlich fundierte Unterlagen zur Bewältigung der künftigen Herausforderungen in der Wasserwirtschaft bereitstellen. Es verfügt über einen Rahmenkredit von 12 Millionen Franken und soll ab anfangs 2010 vier Jahre dauern.

Nathalie Schoch: Wo sehen Sie dringenden Handlungsbedarf?

Ueli Bundi: Wir müssen innovative und wirksame Mechanismen für die Wahl der Gewässernutzungen und die Zuteilung der Nutzungsrechte festlegen. Auch innerhalb Betriebs- und Vollzugsstrukturen müssen wir optimieren. Oder die Finanzierung der wasserwirtschaftlichen Infrastrukturen sichern. Und wir müssen Wege und Plattformen finden, wo Akteure eigeninitiativ Strategien und Ansätze entwickeln können, die ermöglichen, die neuen Herausforderungen zu bewältigen. Wenn wir wirklich tragfähige Lösungen finden wollen, müssen die „gouvernmentalen“ Ansätze durch eigenverantwortliche Initiativen der Wasserakteure ergänzt werden.

Nathalie Schoch: Ist die Politik zu stark involviert? Hält sie den Optimierungsprozess in der Wasserwirtschaft eher auf, als dass sie ihn vorantreibt? 

Ueli Bundi: Nein, das wollte ich damit nicht sagen. Die Politik ist so oder so involviert. Im Gegenteil, wenn Fachkreise gemeinsam sinnvolle und konkrete Vorschläge unterbreiten, wird die politische Seite dem kaum etwas entgegenhalten. Es ist aber immer wichtig, Politiker in die Lösungsfindungen einzubeziehen.

Nathalie Schoch: Warum braucht es dieses Nationale Forschungsprogramm 61, kurz NFP 61 genannt?

Ueli Bundi: Wie bereits erwähnt, nehmen die Anforderungen an die Gewässer und Wasserinfrastrukturen immer mehr zu. Handlungsbedarf ist dringend notwendig. So zum Beispiel in der Optimierung der Planungs- und Betriebsstrukturen, in der Integration der Wasseranliegen in andere politische Bereiche, in der internationalen Koordination und vielem mehr. Hier kommt das NFP 61 auf den Plan. Es will Produkte erzeugen, die der vielfältigen Praxis nützen, zugleich wissenschaftlich hochstehend und attraktiv sind. Es wird sich zum einen mit den Auswirkungen des Klimawandels auf den Wasserhaushalt, zum anderen mit den sozioökonomischen Einflussfaktoren befassen.

Nathalie Schoch: Wer ist in dieser NFP 61-Delegation alles involviert?

Ueli Bundi: Zum einen alle Verantwortlichen der 18 ausgewählten Projekte. Dazu kommen die Vertreter des Nationalfonds, Beobachter des Bundes sowie die sieben externen Experten des Leitungsgremiums. Die Experten sind international zusammengesetzt, zwei davon sind Schweizer.

Nathalie Schoch: Was sind das für Projekte?

Ueli Bundi: Namen darf ich noch keine nennen. Aber eines der Projekte handelt vom Grundwasservorkommen. Dort wird beispielsweise untersucht, wie sich der Klimawandel der Zukunft auf das Vorkommen auswirkt. Also wie hoch ist der Spiegel, wie gross sind die nutzbaren Wassermengen und was gibt es für Möglichkeiten, allfällige Probleme im Grundwassersystem selber zu lösen. In einem anderen Projekt geht es um eine Region, die Tal und Berg vereint und somit unterschiedliche Wassernutzungen herrschen, aber auch unterschiedlichste touristische und landwirtschaftliche Nutzungen innehält. Dort gilt es zu untersuchen, wie diese unterschiedlichen Nutzungen vereint werden können.

Nathalie Schoch: Start des Projektes NFP 61 ist im Januar 2010. Was werden Ihre ersten Unternehmungen oder Vorhaben sein?

Ueli Bundi: Als erstes wird die Programmleitung wohl eine Veranstaltung mit allen Projektbeteiligten durchführen. Dort sollen Fragen erörtert werden, die eine gemeinsame Basis schaffen.

 

Zur Person:

Ueli Bundi kam 1972 als wissenschaftlicher Mitarbeiter an das WHO International Reference Centre for Wastes Disposal, das an der Eidgenössischen Anstalt für Wasserversorgung, Abwasserreinigung und Gewässerschutz (Eawag) angesiedelt war. Er befasste sich mit der Wiederverwertung von Abfallstoffen. Später nahm er sich vermehrt Projekten an, die auf einer konzeptionellen Ebene neue Ansätze für das Management der Gewässer in der Schweiz aufzeigen sollten. Bahnbrechend war das von ihm geleitete Projekt „Gewässerschutz 2000“. Von 2004 bis 2006 war er Direktor ad interim der Eawag. Inzwischen ist er pensioniert, doch geht sein Einsatz für Gewässerschutzfragen weiter. Demnächst auch mit dem NFP 61.

 

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