Noch Platz für neue Anbieter

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Geschrieben von: Steffen Klatt, St. Gallen 07.10.09
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michael novoszad; climate corporationDer CO2-Markt wird durch die grossen Mitspieler dominiert, sagt Michael Novoszad, Chef der Climate Corporation in Mödling bei Wien. Doch auch für kleine und neue Anbieter ist noch Platz, wenn sie sich Nischen suchen. Der Markt wird in den nächsten Jahren weiter wachsen. Der offene Ausgang der globalen Klimaverhandlungen stellt einen Unsicherheitsfaktor für die Marktteilnehmer am Emissionshandel dar.

Steffen Klatt: Der EU-Emissionshandel wird in gut zwei Monaten fünf Jahre alt. Hat er sich bewährt?

Michael Novoszad: Aus meiner Sicht durchaus. Es hat in den ersten drei Jahren ein paar Probleme gegeben. Man hat nicht gewusst, wieviele Emissionen die Industrie ausstösst. Sie waren dann um einiges niedriger als erwartet. Das ergab einen extremen Überschuss an Zertifikaten. Da war es sicher ein Fehler, dass die Zertifikate nicht in die nächste Periode hinüber genommen werden konnten. Das war für den Markt und für den Ruf des Emissionshandel schlecht. Der grösste Vorteil des Emissionshandels ist aus meiner Sicht, dass Emissionen nun einen Preis haben. Damit weiss jeder betroffene Betrieb genau, was die Einsparung einer Tonne CO2 ihm bringt und ob sich Investitionen rechnen.

Gast in Liechtenstein

Michael Novoszad referiert am Freitag in Vaduz als Gast der Klimastiftung Liechtenstein. Der Managing Director der Climate Corporation in Mödling bei Wien spricht über die Technik, die Teilnehmer und die Mechanismen des Emissionshandelshandels. Anschliessend spricht Marcel Hanakam von der RWE Power AG über den globalen Emissionshandel aus Sicht eines Energieversorgers.

Diese zweite öffentliche Veranstaltung der Klimastiftung findet in der Hochschule Liechtenstein statt und beginnt um 16.30 Uhr.

Steffen Klatt: Mit dem Emissionshandel ist ein völlig neuer Markt entstanden. Hat sich dieser Markt eingespielt?

Michael Novoszad: Ich glaube schon. Wir haben einige Börsen, an denen hinsichtlich Liquidität und Marktteilnehmern sehr viel los ist. Selbst wenn man grössere Mengen kaufen oder verkaufen will, kann man das problemlos machen. Meist ist der Spread zwischen Ankauf und Verkauf nur wenige Cent. Das spricht für einen funktionierenden Markt. Am Anfang war das noch anders.

Steffen Klatt: Wer sind die grossen Mitspieler auf diesem neuen Markt?

Michael Novoszad: Das sind Investmentbanken, die Börsen, die grösseren Industriebetriebe und Projektentwickler.

Steffen Klatt: Spielen also diejenigen Akteure eine grosse Rolle auf dem neuen Markt, die auch schon auf den klassischen Märkten wichtig waren?

Michael Novoszad: Genau.

Steffen Klatt: Warum?

Ein grosses Problem des Emissionshandelsmarkt ist die Unsicherheit. Es ist ein künstlich geschaffener Markt, der sehr stark von den politischen Vorgaben abhängt. Wenn die EU beschliessen würde, den Markt nach dem Auslaufen des Kyoto-Protokolls Ende 2012 abzuschaffen, dann wären die Zertifikate theoretisch wertlos. Das ist etwa auf dem Ölmarkt anders. Denn Öl wird man immer für bestimmte Anwendungen brauchen.

Steffen Klatt: Braucht also ein gutes Kapitalpolster, wer auf diesem Markt mitspielen will?

Michael Novoszad: So ist es. Oder man fängt klein an und sich einen Platz durch Nischenprodukte oder gutes Know how erkämpfen.

Steffen Klatt: Wo sehen Sie die Rolle Ihrer Climate Corporation?

Michael Novoszad: Wir sehen unsere Rolle darin, dass wir von Null an mit gutem Know how, Service und Produkten begonnen zu haben. Damit haben wir uns einen Platz neben den grossen Playern geschaffen.

Steffen Klatt: Ist der Markt fertig gestaltet?

Michael Novoszad: Das glaube ich nicht. Der Markt verändert sich sehr schnell. Gerade im CDM-Bereich (Clean Development Mechanism, die Finanzierung von Klimaschutzmassnahmen in Entwicklungsländern mit CO2-Zertifikaten in Industrieländern, stk.), wo man durch Klimaschutzprojekte etwa in China Zertifikate günstiger beschaffen kann, ist noch viel Platz für kleinere Firmen, die Projekte betreuen. Dabei ist noch völlig offen, was nach 2012 passiert: Was machen die Amerikaner? Wie wird das Nachfolgeabkommen für Kyoto ausgestaltet? Da gibt es noch viele offene Fragen. Dadurch ergeben sich für kleinere Firmen, die neu beginnen, auch neue Chancen.

Steffen Klatt: Welchen Rat würden Sie neuen Akteuren geben?

Michael Novoszad: Das wichtigste ist wohl, dass der Emissionshandel, seit wir 2004 begonnen haben, immer komplexer geworden ist. Deshalb muss man sich mit der Thematik sehr intensiv auseinandersetzen und schauen, wo es mögliche neue Produkte gibt, die für die Industrie und andere Marktteilnehmer angeboten werden können.

Steffen Klatt: Haben Finanzplätze wie die Schweiz und Liechtenstein, die sich bisher weitgehend abseits gehalten haben, noch eine Chance einzusteigen?

Michael Novoszad: Auf jeden Fall. Die Finanzplätze, die sich bisher in diesem Markt engagiert haben, sind gut, aber noch lange nicht perfekt. Da gibt es noch einigen Spielraum, das Geschäft besser zu machen.

Steffen Klatt: Mit den USA kommt bald ein neuer grosser Markt hinzu. Schafft das neue Chancen für die Europäer, die ein halbes Jahrzehnt mehr Erfahrungen haben, oder neue Gefahren, weil nun die neuen amerikanischen Mitspieler den Markt überschwemmen?

Michael Novoszad: Derzeit findet ein harter Kampf zwischen Europa, China und den USA statt, wie die künftigen Regeln der globalen Klimapolitik ausgestaltet werden sollen. Die Amerikaner versuchen meiner Meinung nach die bisherigen Regeln doch deutlich zu verändern. Man kann erwarten, dass die Europäer einen Startvorteil haben. Umgekehrt können die Amerikaner aus den Erfahrungen Europas lernen und dessen Fehler vermeiden. Das US-Emissionshandelssystem wird zudem nicht völlig dem europäischen gleichen. Die beiden Systeme werden allerdings verlinkt sein.

Steffen Klatt: Belastet die politische Unsicherheit vor dem Weltklimagipfel im Dezember den Markt?

Michael Novoszad: Ich sehe das recht entspannt. Es ist nichts neues, dass sich politische Entscheidungen verzögern. Die EU hat die Fortführung des Emissionshandels bis 2020 angekündigt. Inwieweit das auch vollständig so gemacht werden wird, wenn es kein Nachfolgeabkommen zu Kyoto geben wird und die Amerikaner nicht mitmachen, das wage ich zu bezweifeln. Das bringt eine gewisse Unsicherheit. Aber Europa wird zumindest bis 2020 den Emissionshandel fortführen. Das ist ein Prestigeprojekt hinzukommen. Es sollen auch neue Wirtschaftszweige einbezogen werden, etwa die Luftfahrt und später wohl auch die Schifffahrt. Es werden auch weitere Treibhausgase berücksichtigt werden.

Steffen Klatt: Wo sehen Sie Ihr eigenes Unternehmen in den nächsten Jahren?

Michael Novoszad: Wir haben die Geschäftsleitung in Österreich, 2010 gehen wir nach Australien und Ende 2010 wahrscheinlich auch nach Amerika.


Zur Person:
Michael Novoszad ist Managing Director der Climate Corporation mit Sitz in Mödling bei Wien. Das 2004 gegründete Unternehmen hat auch Büros in China und Polen. Es bietet Dienstleistungen für Unternehmen an, die mit CO2-Zertifikaten handeln, darunter eine eigene CO2-Handelsplattform. Zu den grossen Unternehmen, die auf dieser Plattform handeln, gehören etwa Heidelberg Cement, Wienerberger und österreichische und italienische Sandoz-Töchter.

 

Bild: zvg

 

 

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