Der Krieg um Palmöl

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Geschrieben von: Manuela Ziegler, Degersheim 07.10.09
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In Kolumbien tobt ein Krieg um Palmöl. Zehntausende Kleinbauern wurden deshalb bereits von ihrem Land vertrieben. Der Toggenburger Pater Josef Schönenberger hat den Kampf gegen das Unrecht aufgenommen.

Der Bauer Chlodomira Ibarguen hasst die Ölpalme. Sie ist für ihn Symbol des Unheils. Seine Frau und seine Töchter starben auf der Flucht vor den Paramilitärs, die ihnen ihr Ackerland für den Palmanbau wegnahmen. „Diese Vertreibung ist Alltag in der Provinz Chocó im Nordwesten Kolumbiens, wo das grosse Geschäft mit dem Palmöl winkt“, weiss der 62jährige Schweizer Pater „Chepe“ alias Josef Schönenberger. Seit 2006 arbeitet er im Auftrag der Menschenrechtskommission „Leben, Gerechtigkeit und Frieden“ der Bethlehem Mission Immensee in Quibdó, der Hauptstadt der gleichnamigen Provinz. Zusammen mit dem Genfer Filmemacher Frank Garbely drehte er einen Film über die massiven Menschenrechtsverletzungen in den Urwäldern von Chocó. Einen Monat lang reist der Pater für Filmvorführungen durch die Schweiz.

Feldzüge gegen Zivilisten

„Ich will den Menschen hierzulande bewusst machen, dass der Betrieb von Autos mit Agrotreibstoffen Menschenleben kostet“, sagt Schönenberger. In seinem Geburtsort Degersheim, wo er während seines dreimonatigen Aufenthalts in der Schweiz im elterlichen Haus wohnt, breitet er eine Landkarte Kolumbiens auf dem Tisch aus. 40.000 Hektar Land seien den Bewohnern seit Beginn des Krieges 1996 für die Palmölproduktion geraubt worden, landesweit gar 350.000 Hektar. Und die Regierung will die Anbauflächen in den nächsten Jahren auf sechs Millionen ausweiten. „Wer sich weigert, sein Land herauszugeben, wird erpresst, vergewaltigt, verschleppt“. Das läuft meist nach einem Schema ab, weiss der Pater inzwischen. Die regierungsnahen Paramilitärs ermorden einen oder mehrere Dorfbewohner mit der Begründung, es seien Angehörige der extremen marxistischen Guerilla FARC. „In Wahrheit operieren die Paramilitärs jedoch im Auftrag von multinationalen Unternehmen“, sagt Schönenberger. Schätzungsweise zehntausende Kleinbauern wurden in der Provinz Chocó auf diese Weise vertrieben oder massakriert. Chepe lebt bei akuter Bedrohung eines Dorfes manchmal für mehrere Monate dort. „Zusammen mit den Dorfbewohnern stellen wir Regeln für ihre Sicherheit auf“. Der Pater ist dabei ein lebender Schutzschild. Denn nur die Präsenz von Weissen, sowie internationale Publizität hält die Angreifer zurück. „Es ist niederschmetternd, wenn unmittelbar nach meinem Abzug bereits die Paramilitärs wieder im Dorf einrücken und Menschen töten“. Dennoch hält er die Menschenrechtsarbeit der internationalen Organisation derzeit für die einzige Chance, die Menschen über ihre Rechte aufzuklären, die mit Füssen getreten werden. Aber auch die Menschenrechtler sind nicht unangreifbar. Allein fünf Missionare wurden in den vergangenen Jahren getötet.

Geschäft mit Palmöl

Schönebergers Film

Für den Anbau von Palmölplantagen werden in der Provinz Chocó, im Nordwesten Kolumbiens, Zehntausende Kleinbauern vertrieben. Christliche Missionare, wie der aus dem Toggenburg stammende Pater Josef Schönenberger, versuchen die Bedrohten in ihren Dörfern zu schützen. Er lebt bereits seit mehr als 20 Jahren in Kolumbien und seit 2006 arbeitet er für die Menschrechtskommission. Der Filmemacher Frank Garbely reiste mit Pater Schönenberger in den Regenwald. Seine Film-Dokumentation zeigt die massiven Menschenrechtsverletzungen durch das Palmölgeschäft.

Auch die Vertriebenen sind bei einer Rückkehr ständig in Gefahr, weil das Land weiterhin von Paramilitärs beherrscht wird. „Die Opfer hoffen auf Wiedergutmachung für ihren Verlust an Boden und Tieren“, sagt Schönenberger. Aber nur in wenigen Fällen werden die Menschenrechtsverbrechen und Entschädigungsgesuche gerichtlich verfolgt. Für den Staat zählt nur der wirtschaftliche Profit. Kolumbien ist fünftgrösster Palmölproduzent, und soll nach den Visionen seines Präsidenten Alvaro Uribe zum drittgrössten nach den USA und Indonesien aufsteigen. Knapp 40 Prozent des kolumbianischen Palmöls werden vor allem nach Europa exportiert und finden dort Verwendung in der Nahrungs- und Kosmetikindustrie sowie bei der Energieerzeugung. Angesichts des wachsenden Energiebedarfs weltweit wird die Nachfrage weiter steigen. Denn laut EU-Beschluss sollen 10 Prozent des Gesamtkraftstoffverbrauchs bis 2020 aus Agrotreibstoffen bestehen. Die Schweiz behandelt im Dezember ein fünfjähriges Moratorium für die Einfuhr von Agrotreibstoffen. Kritiker führen auch die verheerenden ökologischen Folgen der Palmölproduktion ins Feld. Die grossflächigen Monokulturen bedrohen die biologische Vielfalt in der Provinz Choc und rauben die landwirtschaftliche Fläche für die Nahrungsmittelproduktion. In zahlreichen Ländern weltweit führte der Plantagenbau bereits zu Hungerrevolten.

Im Chocó soll es nicht so weit kommen, hofft der Pater. Sein Film über den „Palmölkrieg“ rüttelt auf. Was sie tun können, fragen Besucher bei den anschliessenden Diskussionen häufig. Nur eine Wirtschaft, die dem Volk diene, könne Abhilfe schaffen. Ein bewusstes Konsumverhalten und die Unterstützung von Menschenrechtsorganisationen, seien kleine Schritte auf dem Weg dahin, meint Josef Schönenberger.

 
Weitere Informationen:
Film als DVD für Fr. 25.00 zu beziehen bei:
Frank Garbely
20, rue de la Navigation, CH-1201 Genève
Oder:
r-film gmbh; Diese E-Mail-Adresse ist gegen Spambots geschützt, Du musst JavaScript aktivieren, damit Du sie sehen kannst. ;
Räffelstrasse 11; 8045 zürich
Telefon: 0041 44 4611575 / 0041 79 4073539

Am 25. November um 20.15 wird der Film auf 3sat ausgestrahlt.

 

Bild:
Bethlehem Mission Immensee / Theologischen Bewegung für Solidarität und Befreiung (Titelseite) und Manuela Ziegler (Portrait von Pater Schönenberger)