Der Bauer Chlodomira Ibarguen hasst die Ölpalme. Sie ist für ihn Symbol des Unheils. Seine Frau und seine Töchter starben auf der Flucht vor den Paramilitärs, die ihnen ihr Ackerland für den Palmanbau wegnahmen. „Diese Vertreibung ist Alltag in der Provinz Chocó im Nordwesten Kolumbiens, wo das grosse Geschäft mit dem Palmöl winkt“, weiss der 62jährige Schweizer Pater „Chepe“ alias Josef Schönenberger. Seit 2006 arbeitet er im Auftrag der Menschenrechtskommission „Leben, Gerechtigkeit und Frieden“ der Bethlehem Mission Immensee in Quibdó, der Hauptstadt der gleichnamigen Provinz. Zusammen mit dem Genfer Filmemacher Frank Garbely drehte er einen Film über die massiven Menschenrechtsverletzungen in den Urwäldern von Chocó. Einen Monat lang reist der Pater für Filmvorführungen durch die Schweiz. Feldzüge gegen Zivilisten„Ich will den Menschen hierzulande bewusst machen, dass der Betrieb von Autos mit Agrotreibstoffen Menschenleben kostet“, sagt Schönenberger. In seinem Geburtsort Degersheim, wo er während seines dreimonatigen Aufenthalts in der Schweiz im elterlichen Haus wohnt, breitet er eine Landkarte Kolumbiens auf dem Tisch aus. 40.000 Hektar Land seien den Bewohnern seit Beginn des Krieges 1996 für die Palmölproduktion geraubt worden, landesweit gar 350.000 Hektar. Und die Regierung will die Anbauflächen in den nächsten Jahren auf sechs Millionen ausweiten. „Wer sich weigert, sein Land herauszugeben, wird erpresst, vergewaltigt, verschleppt“. Das läuft meist nach einem Schema ab, weiss der Pater inzwischen. Die regierungsnahen Paramilitärs ermorden einen oder mehrere Dorfbewohner mit der Begründung, es seien Angehörige der extremen marxistischen Guerilla FARC. „In Wahrheit operieren die Paramilitärs jedoch im Auftrag von multinationalen Unternehmen“, sagt Schönenberger. Schätzungsweise zehntausende Kleinbauern wurden in der Provinz Chocó auf diese Weise vertrieben oder massakriert. Chepe lebt bei akuter Bedrohung eines Dorfes manchmal für mehrere Monate dort. „Zusammen mit den Dorfbewohnern stellen wir Regeln für ihre Sicherheit auf“. Der Pater ist dabei ein lebender Schutzschild. Denn nur die Präsenz von Weissen, sowie internationale Publizität hält die Angreifer zurück. „Es ist niederschmetternd, wenn unmittelbar nach meinem Abzug bereits die Paramilitärs wieder im Dorf einrücken und Menschen töten“. Dennoch hält er die Menschenrechtsarbeit der internationalen Organisation derzeit für die einzige Chance, die Menschen über ihre Rechte aufzuklären, die mit Füssen getreten werden. Aber auch die Menschenrechtler sind nicht unangreifbar. Allein fünf Missionare wurden in den vergangenen Jahren getötet. Geschäft mit PalmölSchönebergers Film Für den Anbau von Palmölplantagen werden in der Provinz Chocó, im Nordwesten Kolumbiens, Zehntausende Kleinbauern vertrieben. Christliche Missionare, wie der aus dem Toggenburg stammende Pater Josef Schönenberger, versuchen die Bedrohten in ihren Dörfern zu schützen. Er lebt bereits seit mehr als 20 Jahren in Kolumbien und seit 2006 arbeitet er für die Menschrechtskommission. Der Filmemacher Frank Garbely reiste mit Pater Schönenberger in den Regenwald. Seine Film-Dokumentation zeigt die massiven Menschenrechtsverletzungen durch das Palmölgeschäft.
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