Spätestens Mitte nächsten Jahres sollte die Krise der Solarindustrie vorbei sein, erwartet Martin Hipp. Der Finanzvorstand des Anlagenbauers Manz sieht schon jetzt Anzeichen einer Belebung. Mittel- und langfristig dürfte der grössere Teil Solarzellenfertigung nach Asien abwandern. Manz reagiert darauf mit dem Ausbau der Produktion in Ländern wie Taiwan und China.
Steffen Klatt: Die Solarbranche steckt in der Krise. Gibt es Anzeichen, dass die Krise abebbt? Martin Hipp: Manz ist ein Maschinenbauunternehmen, das Anlagen für die Produktion von Solarzellen und von Dünnschichtsolarmodulen herstellt. Wir sind eines der wenigen Unternehmen, das Maschinen und Anlagen für beide Technologien der Solarbranche herstellt. Die Photovoltaikkonferenz, die derzeit in Hamburg stattfindet, ist unsere wichtigste Messe dieses Jahr. Sie ist sehr gut besucht. Wir denken, dass im letzten Teil des Jahres für die Photovoltaikindustrie eventuell der Umschwung kommen und mehr Aufträge in die Bücher kommen könnten. Vielleicht werden wir schon auf dieser Messe das eine oder andere Geschäft abschliessen können. Es könnte sein, dass die Photovoltaikindustrie bereits an dieser Messe die Wende schafft. Steffen Klatt: Woher nehmen Sie diesen Optimismus? Martin Hipp: Im Vorfeld der Messe wird viel mit Kunden gesprochen. Die Stimmung ist so, dass wir hoffen können. Vor einem halben Jahr wollten die Kunden noch gar nicht über neue Aufträge sprechen. Ob die Bestellungen dann noch dieses Jahr in grossem Stil eingehen, bleibt abzuwarten. Manz stellt schon in Asien her Manz Automation mit Sitz in Reutlingen wurde 1987 von Dieter Manz gegründet, dem heutigen Vorstandsvorsitzenden. Das Unternehmen hat weltweit 1400 Mitarbeiter. Der Umsatz betrug 2008 insgesamt 237 Millionen Euro (360 Millionen Franken), der Gewinn 21 Millionen Euro. Manz ist mit Fertigungsstätten in Taiwan, China, Ungarn und der Slowakei vertreten. Die Produktion von Anlagen für die Solarbranche bildet einen von vier Geschäftsbereichen. Steffen Klatt: Die Finanzierung war die grosse Bremse gewesen. Ist diese Bremse jetzt gelöst? Martin Hipp: Noch nicht vollständig. Es gibt zwar mehr Geld für neue Investitionen, aber noch nicht in dem Mass wie vor Jahresfrist. Hier muss noch einiges passieren. Die Gelder fliessen noch immer zögerlich in den Markt. Die Banken scheinen jetzt viel vorsichtiger zu sein, in neue Projekte zu investieren. Heute wird mehr auf Qualität geachtet. Sollte sich dies weiter verbessern, kann ich mir vorstellen, dass wir 2010 eine neue Investitionswelle in der Photovoltaikindustrie sehen. Steffen Klatt: Auch in Deutschland und Europa? Martin Hipp: Die deutschen Hersteller werden es schwerer haben. Insbesondere im Bereich der Solarzellen drängen asiatische Hersteller mit billigen Zellen auf den Markt. Die Europäer müssen aufpassen, den Anschluss an den Weltmarkt nicht zu verlieren. Sie müssen in neue, effizientere und bessere Produktionsanlagen investieren. Steffen Klatt: Sollen sich die deutschen und europäischen Hersteller also vom Massengeschäft verabschieden und sich in höherwertigere Produkte retten, wie das in anderen Wirtschaftszweigen auch der Fall ist? Martin Hipp: Wir haben durchaus eine Chance, die Industrie in Deutschland zu halten. Es handelt sich dabei um eine hochautomatisierte, hochintegrierte Fertigungstechnologie. Lohnkosten spielen da eine geringere Rolle. Sicherlich sind auch die Infrastrukturkosten in Asien günstiger als in Europa. Aber wenn in Deutschland in die Zellenfertigung vernünftig investiert und auf hochintegrierte Lösungen gesetzt und die technologische Führung weiter ausgebaut wird, dann hat zumindest ein Teil der Industrie in Deutschland und Europa eine Chance. Mittel- und langfristig wird sich ein Teil der Zellfertigung sicherlich in Asien abspielen. Auch ein Grossteil unseres Marktes wird in Asien sein. Steffen Klatt: Wenn ihr Markt nach Asien geht, dann gehen Sie also mit? Martin Hipp: Wir sind schon in Asien. Uns spielt in die Hände, dass wir eigene Fertigungs- und Produktionsstandorte sowohl in Taiwan als auch in China. Wir sind seit Jahren mit Serviceniederlassungen in ganz Asien vertreten, also auch in Korea und Indien. Wir haben eine sehr starke Marktposition in Asien. Verwandte Themen| { Obamas Oma für Solarstrom, 20.08.09 } | | { Bald wird Sonne getankt!, 24.07.09 } | | { Afrikas Sonne lacht für Europa, 10.07.09 } | | { Sonne am Ende der Krise?, 10.07.09 } | | { Amerika zapft die Sonne an, 02.07.09 } | | { Masdar will an die Weltspitze, 04.06.09 } | | { Solarbranche wartet auf die Banken, 27.05.09 } | | { Frankreich entdeckt die Sonne, 11.05.09 } | | { Ab 2010 geht es weiter, 05.02.09 } | | { Spanien bremst Solarkraft, 21.11.08 } | | { Amerika entdeckt die Sonne, 15.11.08 } | | { Zu wenig Platz an der Sonne, 12.11.08 } |
Steffen Klatt: Die Verlagerung des Marktes schmerzt Sie also nicht? Martin Hipp: Wir produzieren dort bereits seit Jahren Anlagen für die LCD-Industrie. Jetzt kommen Anlagen für die Solarindustrie hinzu. Wir werden diese Produktionsstandorte in Zukunft ausbauen müssen. Steffen Klatt: Manz ist in beiden Technologien der Solarbranche vertreten. Welche wird siegen? Martin Hipp: Es gibt eine Berechtigung für beide Technologien. Die kristalline Technologie hat immer dort ihre Berechtigung, wo die Fläche begrenzt ist und ich eine hohe Effizienz haben möchte. Typisch ist ein Hausdach. Die Dünnschichttechnologie hat dann eine Berechtigung, wenn Fläche nicht wirklich eine Rolle spielt. Mit ihr kann ich sehr grosse Module sehr kostengünstig herstellen. Wir werden in der Zukunft beide Technologien haben. Die Verteilung des Marktes zwischen den beiden ist eine spannende Frage. Wir setzen weiterhin auf beide und werden für beide Anlagen anbieten. Steffen Klatt: Wie teilen Sie Ihre Forschungs- und Entwicklungsausgaben auf die beiden Technologien auf? Martin Hipp: Das hält sich die Waage. Die beiden Bereiche sind bei uns etwa gleich gross. Auch die F+E-Aufwendungen sind ähnlich. Es gibt auch ein paar Überschneidungen zwischen den beiden Technologien. Steffen Klatt: Wie lange darf die Krise noch dauern, damit Manz nicht der Schnauf ausgeht? Martin Hipp: Unsere Finanz- und Liquiditätsplanung schaut immer einige Monate voraus. Wir machen uns derzeit über die Länge der Krise keine Sorgen. Wir sind finanziell sehr gut ausgestattet. Wir gehen davon aus, dass wir Mitte nächsten Jahres endgültig das Ende der Krise sehen werden und es dann wieder einen Aufschwung geben wird. Wenn die Krise noch mehrere Jahre anhalten würde, müssten auch wir reagieren. Für die nächsten Monate sind wir bei der Bilanz auf der sicheren Seite. Die Finanzen rauben mir derzeit jedenfalls nicht den Schlaf. Steffen Klatt: Kommen Sie dieses Jahr in die schwarzen Zahlen? Martin Hipp: Wir haben bereits zum Halbjahr angekündigt, dass es für uns schwer wird, in die schwarzen Zahlen zu kommen, wenn die Solarindustrie nicht wieder anzieht. Momentan sieht man eine leichte Belebung, aber noch nicht die Belebung, die wir erwartet haben, um in die schwarzen Zahlen zu kommen. Die Chance, dass wir nicht in die schwarzen Zahlen kommen, ist grösser als die Chance, es doch noch zu schaffen. Zur Person: Der heute 40jährige Martin Hipp ist seit 2007 als Vorstandsmitglied des Anlagenbauers Manz Automation verantwortlich für Finanzen, Personal und Organisation. Vorher war er kaufmännischer Leiter des Unternehmens. Bis 2003 war er kaufmännischer Leiter der Büschel Kontaktbau in Jungingen. Zwischen 1994 und 2000 war er für die Theben-Werk Zeitautomatik in Haigerloch tätig, zuletzt als Leiter Controlling. Der Betriebswirt hat an der Universität Stuttgart studiert.
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