Genf/Abidjan - 15 Menschen starben vor drei Jahren in der Hauptstadt der Elfenbeinküste. Über 100.'000 mussten in ärztliche Behandlung, nachdem ein Schiff im August 2006 europäischen Giftmüll unter freiem Himmel deponierte. Nun hat der UNO-Berichterstatter für toxische Abfälle seinen Bericht vorgelegt. Die Opfer sollen entschädigt werden. Trafigura, die verantwortliche niederländisch-schweizer Firma, streitet um die Höhe.
Das Gift kam per Schiff. Im August 2006 wurde es auf mehreren Abfallhalden der ivorischen Hauptstadt Abidjan abgeladen. Es hat den Tod von 15 Menschen verursacht. Die Mischung aus petrochemischen Abfällen und Ätznatron führte dazu, dass 69 weitere Personen hospitalisiert und 108.000 ärztliche behandelt werden mussten. Das hat der UNO-Berichterstatter für toxische Abfälle, der Nigerianer Okechukwu Ibeanu, in einer Untersuchung festgehalten, die er vergangene Woche dem Menschenrechtsrat der Vereinten Nationen in Genf vorlegte. 500 Tonnen GiftmüllDas von dem niederländisch-schweizerischen Unternehmen Trafigura gechartete und unter der Flagge Panamas fahrende Schiff „Probo Koala” hatte in Abidjan 500 Tonnen Giftmüll auf Halden unter freiem Himmel deponiert. Zuvor hatte es von Estland kommend den Müll im Hafen von Amsterdam entladen wollen. Als die Behörden misstrauisch wurden, verliess das Schiff Amsterdam mit Kurs auf Afrika. Entladen wurde das Schiff schliesslich von der Firma Tommy aus der Elfenbeinküste. Auch wenn es keine eigentliche wissenschaftlich belegte Kausalität gebe zwischen dem unter freiem Himmel liegenden Giftschlamm und den unter Verbrennungen, Blutungen, Kopf- und Bauchschmerzen sowie Übelkeit leidenden Opfern, bestehe zwischen beiden Ereignissen dennoch ein klarer Zusammenhang, betonte Ibeanu. Die Opfer sollen nun entschädigt werden. Verwandte Themen| { Zeitbombe im Grundwasser, 11.08.09 } | | { Wo Krankheit Sünde ist, 06.07.09 } | | { Hinterm Haus lauerte der Tod, 01.07.09 } | | { Gesundheitsrisiko Nummer eins, 18.05.09 } | | { Elektroschrott im Mixer, 13.05.09 } | | { Bildung gegen Malaria, 24.04.09 } | | { Unternehmergeist für Afrika, 20.04.09 } | | { Quecksilber wird verboten, 19.02.09 } | | { Rohstoffe ökologischer fördern, 15.01.09 } | | { Wider den Krieg gegen Natur, 16.11.08 } | | { Schatten des Rohstoffhungers, 05.11.08 } |
Entschädigung angekündigtTrafigura teilte am Samstag in Amsterdam mit, die Firma habe eine aussergerichtliche Einigung mit der juristischen Vertretung der Opfer, Leigh Day, abgeschlossen. Die Londoner Anwaltskanzlei zieht danach die Behauptung zurück, der Giftmüll sei für den Tod der Opfer verantwortlich. Gleichzeitig sollen 31.000 Opfer entschädigt werden . Der Konzern schlug nach Angaben einer ivorischen Organisation, welche die Opfer vertritt, rund 1600 Franken pro Person vor. Diese hält das Entschädigungsangebot jedoch für ungenügend. Es gebe mehr als 31.000 Opfer, sagte Denis Titira Yao, Präsident der nationalen Opfer-Vereinigung gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters. Nötig sei auch eine langfristige Lösung, weil es immer noch Abfall gebe, der nicht weggeschafft worden sei. Auch nach den Worten des UNO-Experten Ibeanu sind die Folgen des 500-Tonnen-Cocktails giftiger Abfälle für Gesundheit und Umwelt noch nicht behoben. Die Reinigung der 18 Abfallhalden sei ungenügend und die Bewohner Abidjans, die in der Nähe wohnten, würden weiterhin vergiftet. Verantwortung zurückgewiesenTrafigura, einer der weltgrössten Öl- und Metallhändler, weist weiterhin eine Verantwortung für die Vorfälle in der Elfenbeinküste zurück. 2007 hatte die Firma akzeptiert, der Elfenbeinküste 198 Millionen Dollar für die Entgiftung und Entschädigung der Opfer zu bezahlen. Die Regierung der Elfenbeinküste erklärte sich damit bereit, Opfer, die individuell klagten, direkt zu entschädigen. Uno-Berichterstatter Ibeanu zeigte sich jedoch besorgt darüber, dass die Opferorganisationen vor dem Vergleich nicht angehört wurden. Dies sei umso schwerwiegender, als die Regierung der Elfenbeinküste mit dem Vergleich auch akzeptierte, auf laufende und künftige Klagen wegen Haftbarkeit und Schäden zu verzichten. Zudem sei unklar, wofür das Geld eingesetzt worden sei, schrieb Ibeanu in seinem Bericht weiter. Der Besitzer der Firma Tommy in der Elfenbeinküste sowie eine weitere Person wurden im Oktober 2008 zu Gefängnisstrafen von 20 und 5 Jahren verurteilt. Bild: Greenpeace-Aktivisten protestieren gegen die Probo Koala (Greenpeace/Aslund).
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