Auch Masdar hat die Auswirkungen der Finanzkrise zu spüren bekommen. Doch jetzt seien die Zeichen wieder positiv, sagt Khaled Awad. Masdar sucht Möglichkeiten, profitabel in Unternehmen zu investieren, die im Bereich der erneuerbaren Energien tätig sind.
Jonas Pepper: Wie weit sind die Vorbereitungen für Masdar City gediehen? Khaled Awad: Masdar City wird in sechs Phasen gebaut. Derzeit befinden wir uns in der ersten Phase. Das erste Gebäude ist fast fertig, das Masdar Institute of Science and Technology. Der Bau des neuen Masdar Hauptquartiers hat begonnen. Mehr als nur eine Ökostadt Das Unternehmen Masdar ist eine hundertprozentige Tochter von Mubadala, einem der Staatsfonds des Emirats Abu Dhabi. Es hat drei Aufgaben. Es ist zum einen Bauherr der gleichnamigen Ökostadt bei Abu Dhabi. Es investiert zum anderen weltweit in Unternehmen, die in erneuerbaren Energien tätig sind. Dritter Schwerpunkt ist der Umgang mit Kohlendioxid. So wird zusammen mit dem Mineralölriesen BP an der Abscheidung und Lagerung von Kohlendioxid gearbeitet. Für die Masdarinitiative insgesamt sind seitens des Emirats 15 Milliarden Dollar vorgesehen. Das Budget für die Ökostadt beträgt 22 Milliarden. Davon sollen aber nur 3,8 Milliarden aus staatlichen Mitteln stammen. Für den Rest sollen Investoren und die Finanzmärkte aufkommen. Jonas Pepper: Welche Unternehmen haben schon Lieferverträge für Masdar bekommen, etwa für die Herstellung von Sonnenenergie? Khaled Awad: Die Lieferanten für die Solarmodule in der Stadt selbst sind noch nicht bestimmt. Masdar hat aber bereits eine Photovoltaik-Anlage mit einer Kapazität von 10 Megawatt errichtet. Diese liefert saubere Energie für die provisorischen Verwaltungsgebäude und für den Bau von Masdar City. Ausserdem wird diese Anlage auch den Strom für das Masdar Institut liefern, sobald dieses fertig ist. Die Anlage mit ihren 87777 Modulen, je die Hälfte Dünnfilm und kristallines Silikon, nimmt eine Fläche von 212000 Quadratmetern ein. Sie wurden geliefert von First Solar und Suntech und wurden von Enviromena Power Systems errichtet. Jonas Pepper: Wer liefert die Transportsysteme für Masdar? Khaled Awad: Masdar wird ein integriertes Transportsystem einsetzen. Es beruht auf einem revolutionären schnellen Transportsystem für Personen (PRT) und einem weiteren für Güter (MRT). In der Stadt selbst kann zu Fuss gegangen werden. Ausserdem können öffentliche Transportmittel benutzt werden. Menschen, Güter und Notfalldienste können sich sicher und ohne Hindernisse auf mehreren Ebenen durch eine Stadt bewegen. Das schnelle Transportsystem für Personen wird mit 2500 Fahrzeugen 150000 Fahrten pro Tag unternehmen können. Das Transportsystem für Güter wird 5000 Fahrten pro Tag gewährleisten. Das Transportsystem für Personen, das in der ersten Phase für das Masdar Institut eingesetzt werden soll, wird von 2gethere entwickelt und geliefert, einem Spezialisten für Systeme zum automatischen Transport von Personen. Jonas Pepper: Hat die globale Finanzkrise einen Einfluss auf Masdar? Führt sie zu Verzögerungen? Khaled Awad: Die erneuerbaren Energien insgesamt werden durch die globale Kreditsituation beeinflusst. Allerdings nehmen wir in der letzten Zeit wieder positive Trends wahr. Ausserdem gibt es viele Zeichen, die den Schwung und die langfristige Machbarkeit erneuerbarer Energien unterstreichen. Masdar hält weiter nach Investitionsmöglichkeiten Ausschau, die uns einen grossen Gewinn bieten. Verwandte Themen| { Die Schweiz hat einen Vorsprung, 28.08.09 } | | { Fastenzeit am Golf, 27.08.09 } | | { Abu Dhabi greift nach der Sonne, 17.08.09 } | | { Schweizer Leuchtturm am Golf, 04.08.09 } | | { Mit Masdar an die Spitze, 04.08.09 } | | { Bonn macht Platz für Masdar, 29.06.09 } | | { Masdar will an die Weltspitze, 04.06.09 } | | { Schweizer zieht es an den Golf, 20.01.09 } | | { Briten steigen bei Masdar ein, 07.11.08 } | | { Schweiz in Masdar willkommen, 30.10.08 } | | { Grüne Stadt in der Wüste, 03.10.08 } |
Jonas Pepper: Abgesehen vom Swiss Village, wer wird nach Masdar City kommen? Werden auch Unternehmen nach Masdar kommen können, die nichts mit Energie zu tun haben? Khaled Awad: Masdar wird ein Cluster von Cleantech-Unternehmen sein. Es wird etablierte und aufstrebende Spitzenunternehmen in diesem Sektor anziehen. Wir haben schon entsprechende Vereinbarungen mit führenden Unternehmen und Institutionen abgeschlossen. Zu ihnen gehören GE, die Fraunhofer-Gesellschaft und zuletzt BASF. Die strategische Partnerschaft mit BASF umfasst die Zusammenarbeit während des Baus von Masdar. BASF liefert einige der Baumaterialien und –systeme. Das Chemieunternehmen wird auch ein Büro in Masdar errichten, sobald die Stadt fertiggestellt sein wird. Masdar wird eine moderne Stadt wie jede andere, mit Restaurants, Cafés, Geschäften, Schulen und kulturellen Anziehungspunkten. Zur Person:
Khaled Awad ist Direktor für die Immobilienentwicklung Masdars. Bild Frontseite: Computersimulation einer Strasse in Masdar (Foster and Partners). Bild Textseite: Ein Fahrzeug des automatischen Personenfahrzeugsystems, wie es bereits in wenigen Wochen für das Masdar Institut unterwegs sein wird (Steffen Klatt).
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