Der Klimawandel kann einzelne Volkswirtschaften bis zu einem Fünftel ihres Wohlstands kosten. Das hat eine Studie unter anderem von Swiss Re und McKinsey ergeben. Aber die Kosten der Anpassung werden durch die vermiedenen Schäden oft mehr als aufgewogen. Allerdings sollte mit den Massnahmen zur Anpassung so bald als möglich begonnen werden. Dazu braucht es auch Geld.
Der Klimawandel hat längst begonnen, und er kostet bereits Milliarden. Doch wenn nichts getan wird, werden sich diese Kosten bis 2030 verdoppeln. Dann könnten einzelne Volkswirtschaften bis zu 19 Prozent ihres Brutto-Inlandprodukts auf Grund von Schäden verlieren, die durch den Klimawandel verursacht sein werden. Die gute Nachricht: Zwischen 40 und 68 Prozent dieser Schäden können durch rechtzeitige Anpassungsmassnahmen vermieden werden. Das ist das Ergebnis einer Studie, die gestern durch die Arbeitsgruppe zur Wirtschaft der Klimaanpassung vorgelegt worden ist. Zu dieser Arbeitsgruppe gehören unter anderem der Schweizer Rückversicherer Swiss Re, die Unternehmensberatung McKinsey, die EU-Kommission und die Rockefeller Stiftung an. Sie wurde vor einem Jahr durch die Globale Umweltfazilität ins Leben gerufen. Florida verliert 33 Milliarden DollarZiel der Studie war es, die Möglichkeiten und die Kosten für die Anpassung an den Klimawandel zu bestimmen. Dabei wurden vor allem die grossen Klimarisiken wie Überschwemmung, Sturmflut, Wind und Dürre beachtet und acht Regionen herausgegriffen. Im Oktober 2008 wurde mit Guyana begonnen. Im Monatsabstand folgten sieben weitere Regionen. Laut David Bresch, der Klimarisiken-Verantwortliche von Swiss Re, sei dabei auf eine breite Abdeckung der Entwicklungsländer Wert gelegt worden. Deshalb sind mit Mali und Tansania gleich zwei Länder in Afrika berücksichtigt, mit Samoa ein pazifischer Inselstaat, mit Maharashtra in Indien und den nördlichen und westlichen Regionen Chinas zwei Regionen in aufstrebenden Schwellenländern. Mit Südflorida und Hull in Grossbritannien wurden auch Regionen in westlichen Industriestaaten untersucht. Verwandte Themen| { Für Erfolg auf Klimagipfel , 08.09.09 } | | { Mit Daten gegen Klimawandel, 04.09.09 } | | { Eisbären zum Aussterben verdammt, 04.09.09 } | | { Arktiseis schmilzt rasant, 04.09.09 } | | { Die Meere kochen, 21.08.09 } | | { Einigung bis Ende Jahr möglich, 10.08.09 } | | { Mit Bäumen gegen Klimawandel, 29.06.09 } | | { Klimawandel trifft Wirtschaft hart, 18.06.09 } | | { Bis zu sieben Grad wärmer, 14.04.09 } | | { Versichert in den Klimawandel, 31.03.09 } | | { Gegen den Klimawandel versichern, 30.03.09 } | | { Uno will grüne Job-Revolution, 16.02.09 } | | { Wenn das Meer kommt, 29.12.08 } | | { Klimawandel nicht vergessen, 29.10.08 } |
Die Kosten variieren dabei stark. In Guyana wurden mit 19 Prozent des Brutto-Inlandprodukts (BIP) die stärksten Auswirkungen auf den Wohlstand der Region errechnet. In Hull lagen sie mit 1 Prozent sehr niedrig. In Florida mit seinen Hurrikans könnten die Kosten 2030 bis zu 10 Prozent des BIP erreichen. Das werden immerhin 33 Milliarden Dollar sein.Anpassung kann Wachstum bringenDiese Kosten lassen sich aber zumindest teilweise mit entsprechenden Massnahmen vermeiden. Bresch verweist auf Florida: Dort müsste die Bewirtschaftung der Strände verändert werden. „Allein schon mit der Gewährleistung sicherer Dächer, die nicht beim ersten Windhauch wegfliegen, kann viel getan werden.“ Im dürregefährdeten Maharashta könnte Tröpfchenbewässerung helfen, um besser mit den Wasserressourcen umzugehen. In Mali und Samoa könnten solche Massnahmen die erwarteten Verluste vollständig vermeiden. In den anderen untersuchten Regionen wäre dies nicht möglich. Ein Extremfall sind dabei die untersuchten Regionen in China: Dort würden bis zu 48 Prozent der Schäden nicht vermieden werden können. Ein guter Teil der Massnahmen zur Anpassung bringt wirtschaftlich mehr, als dass er kostet. Doch auch das sei von Region zu Region unterschiedlich, so Bresch. In Mali etwa sei dies nicht möglich. In Maharashtra dagegen könnte ein grosser Teil der zusätzlichen Schäden durch kostengünstige Massnahmen abgefedert werden. Auch die Versicherung der Schäden könne ein kosteneffizientes Mittel sein, ebenso die Anpassung des Verhaltens an die veränderten klimatischen Bedingungen. Gerade in den Entwicklungsländern könnten Anpassungsmassnahmen zum Wirtschaftswachstum beitragen. Möglichst rasch beginnenDoch die Kosten der Anpassung steigen um so höher, je später die Anpassung beginnt. „Je länger man wartet, desto teurer wird es“, so Bresch. Dazu müssten entsprechende Geldtöpfe bereitgestellt werden. Zudem sei es sinnvoll, die Schäden von vornherein so niedrig wie möglich zu halten, also das Übel an der Wurzel, sagt er mit Blick auf den Weltklimagipfel in Kopenhagen, der den Rahmen für die globale Klimapolitik nach 2012 abstecken soll. Je stärker der Ausstoss von Treibhausgasen verringert wird, desto besser. Die Lösungen für die Anpassung an den Klimawandel müssten aber immer lokal gesucht werden und im Dialog mit der Gesellschaft. Bild: Wirbelstürme wie der Hurrikan Katrina werden den Südosten der USA als Folge des Klimawandels verstärkt treffen. Solche Schäden können verringert werden, wenn die Bewirtschaftung der Küsten verändert wird (Münchener Rück).
|