Banken belohnen Bauherren

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Geschrieben von: Yildiz Asan, St. Gallen 14.09.09
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Ökologische und energieeffiziente Immobilien stellen aufgrund des geringen Werteabbaus für die Kreditinstitute ein reduziertes Risiko dar, sagt Marco Salvi, Leiter Immobilien und Kreditrisiken bei der Zürcher Kantonalbank (ZKB). Deswegen belohne die ZKB Bauherren, die umweltfreundlich bauen oder sanieren, mit vergünstigten Hypotheken.

Yildiz Asan: Welchen Stellenwert hat Bauen und Sanieren nach ökologischen und energieeffizienten Standards für Ihre Bank?

Marco Salvi:Als führende Bank im Wirtschaftraum in Zürich und als Staatsbank mit einem Leistungsauftrag wollen wir dazu beitragen, dass die Entwicklung in Richtung umweltfreundliches und energieoptimiertes Bauen und Sanieren weiter anhält. Mit unserem Dienstleistungsangebot und der engen Zusammenarbeit mit dem Verein Minergie wollen wir vor allem der gestiegnen Bedeutung von Nachhaltigkeitsaspekten im Immobilienmarkt Rechnung tragen. So bieten wir seit über 15 Jahren für energiesparendes Bauen vergünstigte Hypotheken in Form unseres Umweltdarlehens an. Und seit der Einführung des Minergie-Labels im Jahr 1998 gewähren wir auch für diesen Standard eine vergünstigte Finanzierung an.

 

Yildiz Asan:Weshalb unterstützt die ZKB das ökologische und energieeffiziente Bauen und Sanieren oder den Minergie-Standard?

Marco Salvi:Es gibt mehrere Gründe für unser Engagement in diesem Bereich. Zum einem sind Staatsbanken wie die ZKB vom Gesetzt her verpflichtet, eine wirtschaftliche, soziale und ökologische Entwicklung zu unterstützen. Das tun wir mit unseren Umweltdarlehen im Wirtschaftsraum Zürich. Zudem stellen diese Immobilien aufgrund des geringen Werteabbaus für die Kreditinstitute ein  reduziertes Risiko dar. Die ZKB, die mit rund 42 Prozent Marktanteil im Kanton Zürich einen beachtlichen Anteil an Liegenschaften finanziert, ist natürlich auch daran interessiert, dass ihr «Immobilien-Portfolio» eine solide Substanz hat.

Umweltdarlehen der Zürcher Kantonalbank

Die Laufzeit beträgt maximal 5 Jahre in Form einer ZKB Festhypothek.
Vergünstigungsberechtigter Betrag:

Minergie
• MINERGIE(-ECO): 200000 Franken pro Wohneinheit, maximal 5000000 Franken  
• MINERGIE-P(-ECO): 300000 Franken pro Wohneinheit, maximal 5000000 Franken

Energetisch Modernisieren
• Minimalbetrag: 50000 Franken
• Maximalbetrag: 200000 Franken pro Wohneinheit, insgesamt maximal 5000000 Franken
Das vergünstigungsberechtigte Darlehen entspricht den energetisch bedingten Investitionskosten gemäss den Kriterien des Nachweisformulars. Die Investitionen können nur rückwirkend geltend gemacht werden und dürfen maximal 3 Jahre zurück liegen.

Für Hausbesitzer ist es mitunter schwierig, den richtigen Durchblick bei den zahlreichen Massnahmen einer energetischen Modernisierung zu behalten. Dazu hat die ZKB unter der Programmleitung von Energie Zukunft Schweiz das Programm „Jetzt – energetisch modernisieren“ im Kanton Zürich mit den Partnern Kantonale Baudirektion, Elektrizitätswerke des Kantons Zürich (EKZ), Hauseigentümerverband Zürich (HEV) und WWF Schweiz Anfang 2009 lanciert.

Erneuerbare Energien
Vergünstigungsberechtigter Betrag wird individuell aufgrund der eingereichten Projektunterlagen durch die ZKB festgelegt.

Ökologische Projekte
Vergünstigungsberechtigter Betrag wird individuell aufgrund der eingereichten Projektunterla-
gen durch die ZKB festgelegt.
Für Gewerbeliegenschaften und Grossüberbauungen von gemeinnützigen Wohnbauträgern
(Baugenossenschaften, Stiftungen etc.) fragen Sie Ihren Kundenbetreuer.

Yildiz Asan:Welche Konditionen umfasst Ihr Umweltdarlehen?

Marco Salvi:Wir gewähren zum Beispiel für Neu- und Umbauten im Minergie-Standard eine Zinsreduktion von bis zu 0.8 Prozent. Wir belohnen aber auch Bauherren, die kein Minergie-Standard vorweisen können. Voraussetzung ist, dass es sich um einen Bau mit hoher ökologischer Qualität und langfristiger Wertehaltung handelt. Zudem fördern wir seit 2009 im Rahmen einer Aktion «Jetzt – energetisch Modernisieren» auch ökologische Sanierungen.

Yildiz Asan:Wer interessiert sich für ein Umweltdarlehen?

Marco Salvi:Im September 2008 waren im Kanton Zürich bereits 2400 Gebäude Minergie zertifiziert. Interessanterweise ist der grösste Anteil mit 70 Prozent in privatem Besitz. Es sind also in erster Linie private Einzel-Investoren, die Wert auf ökologisches und energieeffizientes Bauen und Umbauen legen. Ausserdem sind Minergie-Gebäude in der Schweiz nicht überall gleich verteilt. So befinden sich allein 28 Prozent aller Minergie-Gebäuden im Kanton Zürich. Mit acht Prozent sind die Zentralschweiz und das Tessin Schlusslicht. Mit anderen Worten kann man sagen, dass Minergie eher eine weitgehend deutschschweizerische Angelegenheit ist.

Yildiz Asan:Woran liegt das?

Marco Salvi:Zum einen liegt es daran,  dass das Interesse der Bevölkerung hier in der Ostschweiz an nachhaltigen Themen schon immer gross gewesen ist. Und zum anderen vermute ich, dass  auch das Einkommen bei der Entscheidung für ein umweltfreundliches Bauen und Sanieren eine wichtige Rolle spielt. So ist das Durchschnittseinkommen im eher ländlichen Gebieten niedriger als in der Region Zürich.

Yildiz Asan:Weisen Ihre Berater aktiv auf diese vergünstigte Hypothek hin?

Marco Salvi:Ja, selbstverständlich.

Yildiz Asan:Macht sich ökologisches und energieeffizientes Bauen und Sanieren überhaupt bezahlt?

Marco Salvi:Ja, umweltfreundliche und energieeffiziente Immobilien lohnen sich auf jeden Fall. Dass war auch das Ergebnis einer kürzlich von uns durchgeführten Studie, die der Center for Corporate Responsability and Sustainability (CCRS) der Universität Zürich herausgegeben hat. Die Studie zeigt ganz deutlich, dass der Markt bereit ist, für Minergie-Einfamilienhäuser einen Aufpreis von sieben Prozent und für Eigentumswohnungen 3.5 Prozent zu zahlen. So entspricht der Mehrwert bei Einfamilienhäusern in etwa den Mehrkosten, die im Vergleich zu einem konventionellen Bau anfallen dürfen.

Yildiz Asan:Warum ist der Markt bereit, mehr zu zahlen?

Marco Salvi:Sicherlich spielt die Kosteneinsparung im Bereich Energie eine wichtige Rolle. Aber nicht nur. Denn Minergie hat auch weitere Vorteile. Beispielsweise erlaubt der Einsatz von Wärmepumpen die Abkopplung der Heizkosten vom schwankenden Erdölpreis. Und das führt zu einer besseren Planbarkeit der Heizkosten. Vor allem aber besteht aus ideellen Gesichtspunkten die Bereitschaft mehr für ein Minergie-Haus zu zahlen. Ökologisch sensibilisierte Eigentümer wohnen aus eigener Überzeugung energieeffizient. Und wir als Bank wollen mit den Zinsvergünstigungen zur Entscheidung zugunsten Minergie beitragen.

 

Zur Person:

Dr. Marco Salvi ist Leiter Immobilien und Kreditrisiken bei der Zürcher Kantonalbank. Neben der Tätigkeit bei der ZKB ist er auch Dozent für Immobilienökonomie im Departement Architektur der ETH Zürich. Er studierte Volkswirtschaft an der Universität Zürich und Promotion an der ETH Lausanne zum Thema Urban Economics.

 

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