Die Sonne knipst das Licht aus

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Geschrieben von: Nathalie Schoch, St. Gallen 10.09.09
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Im September jährt sich der bisher heftigste Sonnensturm zum 150. Mal. Damals brannte es in Telegrafenstationen. Wenn er heute über die Erde fegte, würde er Milliardenschäden anrichten. US-Forscher sagen für 2012 solche Stürme voraus.

Die Quelle des Lebens könnte bald auch die Quelle von Chaos werden. Für 2012 prophezeien US-Forscher einen der heftigsten Sonnenstürme. Bis zwei Billionen Dollar Schaden könnte er anrichten. Millionen von Menschen wären binnen Sekunden ohne Strom und ohne Trinkwasser. Lebensmittel würden ohne Kühlung verderben. Der Flugverkehr käme zum Erliegen. Das Kommunikationsnetz bräche zusammen. Zwar verhält sich die Sonne momentan ruhig. Doch das werde sich ändern, warnen Forscher der National Academy of Sciences (NAS). Sie sagen für 2012 einen Höhepunkt der Solarstürme voraus. Physiker hierzulande relativen.

Stromnetze und Satelliten lahm gelegt

Vor 150 Jahren, im September 1859, tobte der bisher heftigste Sonnensturm auf der Erde. In England waren sämtliche Telegrafenleitungen gestört. Anderswo wurden leichte Brände ausgelöst. Leichtere Sonnenstürme erreichen die Erde immer wieder. 30 Jahre später brach in Quebec das Stromnetz zusammen. Die US-Navy verlor in den letzten Jahrzehnten gleich vier ihrer Spionage-Satelliten in Stürmen. 1994 fiel der kanadische Satellit ANK nach einem Bombardement durch Sonnenteilchen aus. 2003 zerstörten die Sonnenstürme mehrere Satelliten. Dass der Effekt von Sonnenstürmen viele Bereiche des täglichen Lebens durchdringen, belegen diese Ereignisse. Auch Zugunfälle wegen Signalfehlschaltungen führen Wissenschaftler auf das launische Treiben der Sonne zurück. Bereits seit einigen Jahren erforschen sie weltweit die Phänomene des Weltraumwetters. Dabei richtet sich ihr Interesse besonders auf den Einfluss von Magnetstürmen auf die irdische Technik.

Vergleichbar mit einem Erdrutsch

Was ist ein Sonnensturm?

Kleinere Schwankungen des Sonnenwindes sind an der Tagesordnung. Bei einem Sonnensturm jedoch durchläuft eine gewaltige Stosswelle den interplanetaren Raum und trifft mit gewaltiger Wucht auf das Erdmagnetfeld. Dann steigen innerhalb kürzester Zeit die Geschwindigkeit und die Anzahl der aufkommenden Teilchen um ein Vielfaches. Bis zu 800 Kilometer pro Sekunde strömen sie auf die Erde. Die Sonne ist dann aktiv - vergleichbar mit einem Vulkan. Magnetische Stürme sind die Folge. Sowohl technische Anlagen als auch biologische Systeme können dadurch gestört werden.

Die Forscher der Sonnenphysik sind schon ein grosses Stück weitergekommen. Sie haben Beobachtungsplattformen geschaffen und Prognosenmodelle entwickelt, die aufzeigen, wann empfindliche Systeme rechtzeitig abgeschaltet werden sollen. Doch sind sich die Experten einig: Weltraum-Wettervorhersagen sind so schwierig wie die irdischen Prognosen. „Magnetstürme lassen sich schwer vorhersagen, weil sie durch einen impulsiven Prozess ausgelöst werden“, sagt Dr. Oskar Steiner vom Kiepenheuer-Institut für Sonnenphysik in Freiburg. Es sei vergleichbar mit einem Erdrutsch. Es liesse sich leicht erkennen, dass einer bevorstehe, aber man könne schwer vorhersagen, wann genau er ausgelöst und wie stark seine Zerstörungskraft sein werde. Und Professor Peter Wurz vom physikalischen Institut der Universität Bern ergänzt: „Dank komplizierter Computermodelle kann man mit relativ guter Wahrscheinlichkeit einen Magnetsturm vorhersagen, zumindest die grossen Stürme“.

US-Forscher verbreiten Weltuntergangsstimmung

Der Sonnensturm im Jahre 1859 traf auf eine Erde, die technisch kaum entwickelt war. Und richtete daher kaum Schäden an. Heute sähe das anders aus. US-Wissenschaftler untersuchten die ökonomischen und gesellschaftlichen Folgen eines starken Sonnensturms. Das Szenario, das die NAS vorstellte, könnte einem Weltuntergangsfilm entstammen. Millionen Menschen wären ohne Strom, ohne Trinkwasser. Massenhaft Lebensmittel und Medikamente müssten vernichtet werden, weil sie nicht mehr gekühlt werden könnten. Zudem würde der Handel, das Transport-, Kommunikations- und Navigationssystem zusammenbrechen, der Flugverkehr zum Erliegen kommen.

Experten hierzulande relativieren die Gefahr

Weit weniger dramatisch sehen das die Experten aus Deutschland und der Schweiz. „Es wären vor allem Geräte und Menschen im Weltraum betroffen, in einem kleineren Mass hochfliegende Flugzeuge über den Polargebieten der Erde“, erklärt Astrophysiker Arnold Benz von der ETH Zürich. Auf der Erde seien elektrische Leitungen für Strom und Kommunikation tangiert. „Es gibt heute aber relativ einfache Vorkehrungen, solche Überspannungen abzufangen und unschädlich zu machen“. Derselben Ansicht ist Steiner. Solche Ausfälle gebe es auch aus anderen Gründen immer wieder, weshalb besonders gefährdete Einrichtungen wie beispielsweise Spitäler über Notstromaggregate verfügen. Ebenfalls gefährdet wären die Satelliten. Doch auch hier beschwichtigen die Experten: „Wenn ein grosser Sturm ansteht, werden die Satelliten in einen speziellen Modus gebracht oder ganz abgeschaltet. Fallen jedoch die GPS-Satelliten aus, sind einige Leute betroffen“, so Wurz.

Die Menschheit habe schon viele Sonnenstürme überlebt und sei nicht direkt in Gefahr, ergänzt Benz. „Wohl aber einige unserer technischen Systeme. Wir werden lernen, wie wir sie schützen können. Bis es soweit ist, werden immer wieder Pannen passieren“. Am schlimmsten sei es eindeutig für Astronauten ausserhalb ihrer Kapsel. Sie könnten bei einem Sonnensturm eine tödliche Strahlungsdosis erleiden.

Gesundheitliche Auswirkungen

Anders sieht das Marie Thérèse Rubin. Die diplomierte psychologische Astrologin und Therapeutin ist überzeugt, dass Sonnenstürme Störungen im vegetativen Nervensystem hervorrufen können. Davon betroffen: Herz/Kreislauf, Atmung, Lungen und die Blutchemie. Je geschwächter der Organismus, desto dramatischer die Auswirkungen. Die Medizin kenne zahlreiche Fälle von unerklärlichem Herzstillstand. Auch ist sie der Meinung, dass Depressionen, Schlafprobleme oder Ängste durch magnetische Stürme ausgelöst werden können. „Die gesundheitlichen Auswirkungen wären nachweisbar, wenn man sie ernsthaft erforschen würde“, so Rubin. Dazu brauche es hoch entwickelte Messgeräte, die teilweise existierten, aber extrem teuer seien. Doch die naturwissenschaftliche Schulmedizin lehne leider die Existenz eines menschlichen Energiefeldes und somit die Beeinflussung des Erdmagnetfeldes der Sonnenwinde ab.

2012 wieder vermehrt Sonnenstürme

Bleibt die entscheidende Frage offen: Wann kommt der nächste Sonnensturm? Die Experten sprechen von einem Elf-Jahres-Zyklus. Manchmal dauere er etwas länger, manchmal etwas kürzer. Es habe auch Zeitperioden gegeben, in denen der Zyklus praktisch nicht existent gewesen sei. Laut Steiner befinden wir uns zurzeit in einem der tiefsten Minima seit 200 Jahren. Die Sonne sei selten so ruhig gewesen wie jetzt. Er geht davon aus, dass das Maximum 2012 erreicht sein wird. Dann dürfte es wieder vermehrt magnetische Stürme geben. Benz rechnet eher mit 2013 oder 2014, der Zyklus sei etwa ein Jahr verspätet. Eines steht auf jeden Fall fest: Wenn es soweit ist, dann dürfen sich Astronauten nicht im Aussenbereich des Raumschiffs aufhalten und Flugzeuge nicht über die Arktis fliegen, sondern auf konventionellen Routen. Und die Menschen auf der Erde? Die sollten den Moment der Einfachheit und Ruhe geniessen. Keine Anrufe, kein Verkehr. Wer in Polnähe wohnt, der sieht die Aurora. Ein spektakulärer Anblick, der sogar hierzulande zu beobachten sein könnte. Und so gilt es, das wohl faszinierendste Naturphänomen einfach zu geniessen.

 

Bild: Nasa

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