Für eine enkeltaugliche Schweiz

Drucken
E-Mail
Geschrieben von: Yvonne von Hunnius, Zürich 07.09.09
Bookmark and Share
Stichworte:         

Lifefair, SwitcherIn Zürich fand zum zweiten Mal die Nachhaltigkeitsmesse "Lifefair" statt. 120 Aussteller von kleinen Unternehmen zu Branchenriesen wie VW und Toyota haben am Wochenende Zehntausende Besucher empfangen. Nachhaltigkeit ist mehr als nur ein Modetrend. Die Schweiz wird auf ihre Enkeltauglichkeit geprüft.

Gerade weil die Aussteller in den Maag Hallen Zürich so bunt zusammengewürfelt sind, haben sie sich und dem Publikum so viel zu sagen. Eine Künstlerin macht auf ihrem Stand neben dem des Automobilkonzerns Volkswagen aus alten Hemden neue Taschen. Junge Angler zeigen die Artenvielfalt Schweizer Fische neben einem Notebook-Unternehmen und vom Flughafen Zürich ist zu lernen: Die Hälfte des Geländes ist Wiesen-, Naturschutzfläche oder Flachmoor und eine Oase für die Natur. Während bei fachspezifischen Messen neidisch auf den grösseren Stand oder die aktuellere Technik des Konkurrenten geschielt wird, macht der nachhaltige Geist ein inspirierende Atmosphäre möglich. Wer sagt, dass ein Flughafen nur aus Kerosin und Stahl besteht?

Sozial, ökologisch, wirtschaftlich

Initiant Kuno Spirig bringt den gemeinsamen Nenner der über 120 Aussteller aus scheinbar sehr weit voneinander entfernten Lebensbereichen auf den Punkt: "Allen ist die Enkeltauglichkeit ihres Tuns wichtig." Jeder wolle verkaufen, doch alle Anwesenden liefen in die richtige Richtung, sagt er. So einfach ist das und auch so schwierig: Denn immerhin ist neben sozialen und ökologischen Gesichtspunkten die Wirtschaftlichkeit einer der Hauptpfeiler des Nachhaltigkeitsbegriffs. An den Messeständen sowie auf Diskussionsveranstaltungen und Vorträgen wird dem Diskussionsbedarf freien Raum gelassen. Der Austausch neuer, alter, querer Gedanken ist Konzept des Unternehmensberaters und Kommunikationsprofis Spirig.

Nachhaltigkeit mehr als ein Trend

Für den Hauptsponsor Volkswagen Bluemotion ist Nachhaltigkeit mehr als ein Trend. Donatus Grütter von VW: "Wir investieren schon lange in Forschung und Entwicklung, doch jetzt dreht sich das Rad noch schneller." Die Schweizer EMPA-Materialforscher haben viel dazu beigetragen, dass der Erdgas-Passat des deutschen Autoherstellers mittlerweile auch aktuellen Mittelklasse-Wagen davonfährt. BMW, Toyota und Smart zeigen sich in Zürich ebenso von der grünen Seite. Die einen setzen konsequent auf sparsamere auf Diesel- und Benzin-Antriebe und in Zukunft auf Wasserstoff, die anderen kündigen CO2-freie Mobilität an. In Zürich liegen die Konzepte offen zum Vergleich bereit. Doch vom Besucheransturm laufen den Autoherstellern fast die Elektro-Velos von Flyer den Rang ab.

Tabus brechen ist Pflicht

Keine gesellschaftliche Gruppe hat Nachhaltigkeit mehr für sich gepachtet. Nirgendwo wird dies deutlicher als am Stand des Steinbock-Labels, das Nachhaltigkeit im Tourismus zertifiziert. Die Nachhaltigkeitsbeauftragte des Fünf-Sterne-Hotels Ferienart in Saas Fee, Barbara Meile, schiebt Schulter an Schulter mit Tobias Thut Standdienst, dem Marketing-Leiter der Schweizer Jugendherbergen. Ferienart hat bereits fünf von fünf der begehrten Steinböcke, erklärt Meile stolz. Thut kann auf 20 mit drei bis vier zertifizierte Jugendherbergen verweisen, zeigt sich jedoch ehrgeizig: "Könnten wir logistisch den Anteil regionaler Lebensmittel erhöhen, hätten wir vielleicht auch ein Fünf-Steinböcke-Haus." Ob Jugendherberge oder Luxus-Hotel, in Nachhaltigkeitsfragen kämpfen sie mit den selben Hürden.

Grenzüberschreitung ist gewollt

Doch schliesslich geht es besonders um den Tellerrand, den es zu überwinden gilt. Nicht der Branchenkollege hat vielleicht die zündende Idee in Sachen Nachhaltigkeit, sondern der sektorfremde Unternehmer. Damit haben die Vermögensverwalter von GHP Arbitrium Erfahrung, die ebenso Teil von Lifefair sind. Christof Arnold: "Wir erkennen momentan, dass im Nachhaltigkeitsbereich beides wächst: sowohl Investoreninteresse als auch Projektangebote. Da investiert schon mal ein Kunde in rumänisches Biofleisch, obwohl er zuvor hiermit noch nie zu tun hatte." Zwischen fünf und zehn Prozent des verwalteten Vermögens von über einer Milliarde Franken legt das Unternehmen mittlerweile in nachhaltige Ideen an.

Während der Messe fanden zudem unzählige Foren und Veranstaltungen zu Themen wie Krankenkassenprämien, Green Industries, Mobilität oder Entwicklungszusammenarbeit statt. Spirig sollte über eine Verlängerung der Messezeit auf eine Woche nachdenken. Denn eigentlich war bereits jeder einzelne Stand ein Diskussionsforum.

 

Bild: Das Schweizer Textilunternehmen Switcher, einer der Aussteller in Zürich, stellt Freizeitjacken aus Pet-Flaschen her (Yvonne von Hunnius).

 

 

Kommentar schreiben


Sicherheitscode
Aktualisieren

 

Cleantech.ch

cleantech_ch

SCA_LOGO_RGB_marginal
mit swisscleantech ins neue Energiezeitalter

Meistgelesene Artikel

    Abonnieren Sie noch heute Ihren persönlichen Newsletter.
    Noch grössere Aktualität erhalten Sie mit unserem RSS-Feed.

    Kalender

    Der Veranstaltungskalender wird vorbereitet.

    {Zum Kalender}

    Magazin Cleantech Switzerland

    Magazin Cleantech Switzerland 2011-1

    Gründungssponsoren