Genf - Klimadaten sollen künftig besser vernetzt und allen Staaten zugänglich gemacht werden, hat die UNO-Klimakonferenz in Genf beschlossen. Es soll Informationen für Strategien im Klimawandel, bei Stürmen, Flutwellen, Hochwasser oder Dürreperioden enthalten. Nicht nur die Industrieländer sind laut UN-Generalsekretär Ban Ki-Moon in der Pflicht. Auch die Schwellen- und Entwicklungsländer müssten ihren Treibausgasausstoss eindämmen.
Ein weltumspannendes Datennetz soll ab 2011 alle Staaten mit Klimainformationen und -dienstleistungen versorgen. Das beschloss die dritte UNO-Klimakonferenz diese Woche ein Genf. UNO-Generalsekretär Ban Ki-Moon rief die Regierungen zu raschem Handeln gegen den Klimawandel und seine Folgen auf. Er forderte die über 150 teilnehmenden Staaten auf, sich zügiger auf ein neues Klimaschutzabkommen zu verständigen. „Wir können es uns nicht leisten, langsam voranzukommen“, warnte er. Ban Ki-Moon: Auch Dritte Welt in der Pflicht Ban war von einer Reise am Polarkreis in Norwegen nach Genf gekommen und warnte davor, dass bis Ende des Jahrhunderts ein Anstieg des Meeresspiegel von einem halben bis zwei Meter möglich sei. Die Konferenz in Genf diente zur Vorbereitung des Klimagipfels in Kopenhagen, bei dem im Dezember die Staats- und Regierungschefs der UNO-Mitgliedstaaten ein Nachfolgeabkommen für das Kyoto-Protokoll von 1997 verabschieden sollen. Darin hatten sich die Industriestaaten auf eine Verringerung ihres Treibhausausstosses verpflichtet. Dieser soll bis 2012, wenn das Protokoll ausläuft, um fünf Prozent unter dem Niveau von 1990 liegen. Ban nahm in Genf auch die Schwellen- und Entwicklungsländer in die Verantwortung. Die Industrieländer müssten zwar ehrgeizige Emissionsziele für Treibhausgase vereinbaren, aber auch die Entwicklungsländer müssten tätig werden, um ihre Treibhausgas-Ausstösse zu senken. Verwandte Themen| { Eisbären zum Aussterben verdammt, 04.09.09 } | | { Marshall-Plan gegen Klimawandel, 02.09.09 } | | { Die Meere kochen, 21.08.09 } | | { Niederschlagsquelle wandert, 07.08.09 } | | { Sonneneinstrahlung schwankt, 13.07.09 } | | { Klimawandel im Wald sichtbar, 06.05.09 } | | { Bis zu sieben Grad wärmer, 14.04.09 } | | { Die Welt besser verstehen, 29.10.08 } | | { Mit Grafik die Welt verbessern, 27.10.08 } | | { Rekorderwärmung in der Arktis, 17.10.08 } | | { Immergrüne auf dem Vormarsch, 29.09.08 } |
Informationen für Überlebensstrategien Der in Genf verabschiedeten Ministerklärung zufolge soll das globale Datennetzwerk „die Herstellung, Zugänglichkeit, Übermittlung und Anwendung von wissenschaftsbasierten Klimaprognosen und -dienstleistungen stärken“. Damit sollen den Menschen wichtige Informationen für Überlebensstrategien im Klimawandel, etwa durch Stürme, Flutwellen Hochwasser oder Dürreperioden zur Verfügung gestellt werden. Michel Jarraud, Generalsekretär der Weltwetterorganisation (WMO), welche die Konferenz einberufen hatte, nannte den Entscheid, Klimainformationen allen Menschen zugänglich zu machen, einen „Meilenstein“. Die Ministererklärung beauftragt den WMO-Generalsekretär damit, innerhalb von vier Monaten ein Treffen mit den WMO-Mitgliedstaaten einzuberufen, um eine Arbeitsgruppe aus Wissenschaftern und Regierungsvertretern einzusetzen. Diese soll innerhalb eines Jahres einen Bericht erarbeiten, der dann am WMO-Kongress 2011 verabschiedet werden kann. Anpassung an den Klimawandel Das Datennetz ist nach den Worten von Bruno Oberle, Direktor des Schweizer Bundesamtes für Umwelt (BAFU), eine der Voraussetzungen für die Anpassung an den Klimawandel. Es ermögliche mittel- und langfristige Klimaprognosen, die den entscheidungsträgern künftig helfen würden, rechtzeitig die richtigen Massnahmen zu treffen. Dabei könne es etwa um den Schutz der Bevölkerung vor Hochwasser oder um eine Umstellung der Landwirtschaft gehen. Heute sei beispielsweise bereits bekannt, dass bei einer Erderwärmung von drei bis vier Grad im schweizerischen Mittelland keine Weisstannen mehr wachsen werden, erläuterte Oberle im Gespräch. Dies müsse künftig bei der Waldbewirtschaftung berücksichtigt werden. Finanzierung offen Die Finanzierung des Klimadatennetzes wurde auf der Konferenz nicht diskutiert. Nach Angaben von Konferenzteilnehmern dürfte dies jedoch nicht ins Unermesslich gehen, da die wissenschaftlichen Daten in Europa über das Global Monitoring System und weltweit das Global Earth Observation System grösstenteils bereits bestehen und es vor allem um ein angemessene Kommunikation zwischen Wissenschaft, Politik und Endnutzern gehe. Für den Schweizer Bundesrat Moritz Leuenberger schlägt das beschlossene Netzwerk denn auch eine „Brücke zwischen Wissenschaft, Experten und Nutzern in den verschiedenen Wirtschafts- und Gesellschaftssektoren rund um die Welt“. Schweiz will weltweite CO2-Abgabe Leuenberger, der das Ministersegment der Konferenz zusammen mit dem mosambikischen Präsidenten Armando Emilio Geubuza leitete, wies zudem auf den Schweizer Vorschlag einer weltweiten CO2-Abgabe hin, mit der nach dem Verursacherprinzip die Umweltverschmutzer zur Kasse gebeten werden sollen, um die Anpassungsmassnahmen an den Klimawandel zu finanzieren. Da dieser Vorschlag neben andern an der Klimakonferenz in Kopenhagen erörtert werden wird, führte die Schweiz in Genf zusammen mit Polen und Dänemark - den Ländern der aktuellen und künftigen Präsidentschaft des Sekretariats der UNO-Klimarahmenkonvention (UNFCCC) – eine für alle Konferenzteilnehmer zugängliche informelle Diskussion darüber. Bild: Die Zeit für den Kampf gegen den Klimawandel schmilzt dahin: Der Schweizer Bundespräsident Hans-Rudolf Merz mit einer Flasche Gletscherwasser, das Greenpeace-Aktivisten zu Beginn der Klimakonferenz den Delegierten überreicht haben. (Greenpeace/Rezo/Ackermann)
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