Zur Bekämpfung des Klimawandels brauche es bis zu 600 Milliarden Dollar jährlich, sagen UN-Experten. Die UNO fordert deshalb einen globalen New Deal gegen den Klimawandels und für das Wirtschaftswachstum.
Die Begrenzung des Klimawandels muss einem UNO-Bericht zufolge mit der wirtschaftlichen Entwicklung verbunden werden. Andernfalls könnten Entwicklungsländer sich nicht daran beteiligen, was jedoch notwendig sei. Eine Umstellung auf wirtschaftliche Aktivitäten mit geringem CO2-Ausstoss bei einem Wachstum von jährlich 6 bis 8 Prozent in Entwicklungsländern, sei nötig und machbar, schreiben die Autoren des Berichts „Entwicklung fördern – den Planeten retten“, der am Dienstag anlässlich der Klimakonferenz in Genf veröffentlicht wurde. Eine Umstellung der Energieversorgung auf erneuerbare Energien, setzt massive Investitionen voraus. Die bislang zugesagten bilateralen und multilateralen Beträge, um den Auswirkungen der Erderwärmung zu begegnen sind den Autoren zufolge völlig unzureichend. Schätzungen, welche Summen zusätzlich benötigt werden, um den Klimawandel zu begrenzen sowie für Anpassungsmaßnahmen an die Erderwärmung, schwanken zwischen 0,2 Prozent bis 2 Prozent des globalen BIP, zwischen 180 Milliarden und 1200 Milliarden Dollar. Zu diesen Maßnahmen zählen etwa wetterresistentere Lebensmittelpflanzen. Zur Finanzierung der massiven Investitionen in neue Infrastrukturen in Entwicklungsländern schlägt die UNO unter anderem die Schaffung eines neuen internationalen Fonds für saubere Energie vor. Klimakonferenz noch bis Freitag In Genf tagt zurzeit die Weltklimakonferenz der Weltorganisation für Meteorologie (WMO). Bis am Freitag wollen sich die rund 1500 Teilnehmer aus 150 Ländern auf die Einrichtung eines Frühwarnsystems für Hurrikane, Flutwellen, Überschwemmungen und Dürren einigen. „Wir brauchen ein formelles System, dem alle Menschen vertrauen können, wenn sie entscheidende Informationen abrufen, die ihre Leben retten und ihren Besitz und die Wirtschaft schützen können“, sagte WMO-Generalsekretär Michel Jarraud. Nach seinen Worten soll bis am Freitag auch ein Fahrplan vorliegen, der bis in einem Jahr zur Schaffung eines Informationsnetzes führen soll. Die Informationen und Wetterprognosen sollen für die Entscheidungsträger in einzelnen Sektoren wie Nahrungssicherheit, Wassermanagement, Gesundheit oder Tourismus in eine für sie verständliche Sprache übersetzt werden. Bundespräsident Hans-Rudolf Merz erinnerte am Montag bei der Eröffnung der Konferenz an die Überschwemmungen vor vier Jahren in der Schweiz. „Extreme Wettereignisse und ändernde Klimaverhältnisse betreffen uns alle“, sagte er. Die Schweiz unterstützt die Konferenz mit 1,8 Millionen Franken. Vorbild Marshall-PlanDie Autoren des gestern veröffentlichten UNO-Berichts fordern einen „globalen, nachhaltigen New Deal“ und plädieren dafür, so rasch als möglich jährlich mindestens ein Prozent des globalen BIP, also 500 bis 600 Milliarden Dollar zu investieren. „ Wir sprechen über einen neuen Marshallplan“, sagte Richard Kozul-Wright einer der Autoren des Berichts und Abteilungsleiter beim UNO-Departement für wirtschaftliche und soziale Angelegenheiten. Ein Prozent des globalen BIP entspreche dem Betrag, den die USA nach dem Zweiten Weltkrieg in den Wiederaufbau Europas investierten. Die Autoren warnen, weiterhin auf verschmutzende Energien zu setzen werde den Klimawandel nur verschärfen. Die Erderwärmung bis Ende dieses Jahrhunderts bei durchschnittlich zwei Grad zu begrenzen, sei bereits ein Lauf gegen die Zeit. Kozul-Wright wies daraufhin, dass der Pro-Kopf-Ausstoss von CO2 in den Industrieländern durchschnittlich siebenmal höher ist als in Entwicklungsländern. Selbst der Pro-Kopf-Ausstoß von China sei heute wie jener der USA vor dem Ersten Weltkrieg. Entwicklungsländer: Vorrang für WachstumVon den Entwicklungsländern zu verlangen, ihren Treibhausgas-Ausstoß zu verringern, während ihr Bedarf an Energie stark zunehmen werde und das Wirtschaftswachstum ihre Priorität bleibe, um die Armut zu reduzieren führe in eine Sackgasse, warnte Kozul-Wright. Die heute bestehende ungleiche Verteilung des Reichtums weitere fünfzig Jahre beibehalten zu wollen, sei wirtschaftlich, politisch und moralisch inakzeptabel, betonte Kozul-Wright. Nach Angaben des Weltklimarats (IPCC), der 2007 den Friedensnobelpreis erhielt, müssen die Treibhausgasemissionen weltweit bis 2050 um 50 bis 80 Prozent gesenkt werden. Foto: In Genf tagt zurzeit die Weltklimakonferenz der Weltorganisation für Meteorologie (WMO) und auch der ehemalige UNO-Generalsekretär Kofi Annan war vor Ort. (WMO)
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