Die umstrittene Gasleitung von Russland nach Deutschland durch die Ostsee stößt auf ein weiteres Hindernis. Finnische Geschäftsleute haben beantragt, auf dem Grund der Ostsee Erz abzubauen, genau dort, wo die Leitung verlaufen soll. Das Minenprojekt könnte politisch motiviert sein.
Eine Gruppe finnischer Geschäftsleute plant den Abbau von Erz auf dem Grund der Ostsee. Das ambitiöse Projekt könnte der umstrittenen Ostseegasleitung der Nord Stream AG neue Probleme bereiten. Bereits vor einem Jahr wurde beim Arbeits- und Wirtschaftsministerium ein Antrag für die Suche nach Erz in einem rund 100 Hektar großen Gebiet eingereicht, das den geplanten Streckenverlauf der Gasleitung kreuzt. Nord Stream wiegelt abUnklar ist, ob es die vier Geschäftsleute tatsächlich ein wirtschaftlich lukratives Projekt starten wollen oder mit ihrem Antrag nur politische Ziele verfolgen. Unklar ist auch, ob der Abbau von Erz in der Ostsee, sofern das Ministerium denn eine Genehmigung hierzu erteilt, den Bau der 1.200 Kilometer langen Gasleitung, durch die ab 2011 russisches Gas direkt von Sibirien nach Deutschland gelangen soll, überhaupt behindern würde. Sebastian Sass, Vorsitzender der EU-Vertretung der Nord Stream AG, bezweifelt dies. „Es gab von unserer Seite keinen Grund, mit den Antragstellern Kontakt aufzunehmen, und wir glauben auch nicht, dass der Antrag Auswirkungen auf unser Projekt hat”, so Sass. Gasleitung gegen KarelienDie Antragsteller sehen das anders. Vor einer Woche sei den vier finnischen Geschäftsleuten von offizieller russischer Seite Geld geboten worden, wenn sie ihren Antrag zurückziehen würden, erklärt Kari Silvennoinen, Rechtsanwalt der vier Geschäftsleute, die größtenteils anonym bleiben wollen. Bei Nord Stream weiß man laut Sass nichts von einem solchen Angebot. Allerdings habe die russische Seite keine konkrete Summe genannt, so Silvennoinen. „Ich wollte diese Diskussion gar nicht erst beginnen.” Den Geschäftsleuten gehe es nämlich gar nicht um Geld. Ihre Forderung: Russland solle mit Finnland Verhandlungen über die Rückgabe Kareliens aufnehmen, dann werde der Antrag zurückgezogen. Der erste Kontakt solle über den finnischen Friedensnobelpreisträger und Ex-Präsidenten Martti Ahtisaari laufen.Sehnsucht nach verlorener HeimatDie Karelien-Frage ist ein stets wiederkehrendes Thema in der politischen Debatte Finnlands. Über 400 000 Finnen wurden nach dem finnisch-sowjetischen Winterkrieg 1940 aus ihrer karelischen Heimat evakuiert, nach dem zweiten Weltkrieg fiel die Region an die Sowjetunion. Seit dem Zusammenbruch der Sowjetunion wird regelmäßig die Rückgabe der verlorenen karelischen Gebiete gefordert, eine Forderung, die indes nicht von allen Finnen geteilt wird. Nur noch wenige Finnen oder deren Nachfahren leben in der Region und die Kosten für den Aufbau der Infrastruktur wären enorm. Mit ihrer Forderung „Rückgabeverhandlungen gegen Gasleitung” haben die Geschäftsleute in finnischen Internetforen lebhafte Diskussionen entfacht. Ministerium hält Projekt für „eigenartig”Den Verdacht, dass das Minenprojekt nur dazu diene, das Nord Stream Projekt zu torpedieren, weist Silvennoinen vehement von sich. „Der Antrag ist ernst gemeint. Wir haben genaue Forschungs- und Ablaufpläne.” Pekka Suomela, Oberinspektor beim finnischen Arbeits- und Wirtschaftsministerium, hält das geplante Projekt „zumindest für eigenartig”. Es in gebe Finnland keine Erfahrung mit dem Abbau von Erzen vom Meeresgrund. Das Ministerium will im Herbst über den Antrag entscheiden. Bild: Für die Ostseegasleitung wird schon geschweisst und es fliegen schon Funken. Auch beim Chemieriesen BASF, der im Investorenboot sitzt. (BASF)
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