Basler Schatten über Kalifornien

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Geschrieben von: John Dyer, Boston 31.08.09
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Sausalito - Die Hitze im Inneren der Erde könnte die Energieprobleme der Welt lösen helfen. Nach den Geothermiepionieren in Basel hat jetzt jedoch auch ein Projekt in Nordkalifornien mit Erdbeben zu kämpfen. Das US-Energieministerium muss jetzt das gescheiterte Basler Projekt studieren, um die Risiken für das heimische Projekt zu bestimmen. Millioneninvestitionen könnten von der Tiefe verschlungen werden.In Nordkalifornien sind die Bedingungen perfekt. So perfekt wie im Schweizer Basel. An beiden Standorten ist es technisch möglich, das Innere der Welt anzuzapfen, um Menschen mit Energie zu versorgen. Sie unabhängiger von fossilen Brennstoffen und Atomkraft zu machen. Während Basel seine Erdbohrung bereits vor einiger Zeit wegen Erdbeben einstellen musste, war man in Kalifornien bis vor kurzem noch guten Mutes.

Vergleich mit Basel gefordert

Jetzt ist auch hier das Projekt wegen Bebenrisiko gefährdet. Das Energieministerium ist dabei zu klären, inwieweit das Unternehmen AltaRock aus dem kalifornischen Sausalito sich weiter zum Erdinneren vorwagen darf. Ausgesucht hatten sich die Forscher ein Geysirgebiet. An verschiedenen Stellen tritt hier wegen einer geothermischen Aktivität unter der Erde Dampf aus.

Die staatliche Studie soll nun das Projekt mit dem in Basel vergleichen, das nach dramatischen Erdbeben 2006 abrupt abgebrochen wurde. Die Stadt war durch Erschütterungen der Stärke 3,4 auf der Richterskala überrascht worden. Es gab Schäden in Millionenhöhe.

US-Behörden auf Geothermie-Kurs

Die bei beiden Projekten angewandte Technik der Wärmegewinnung wurde als potentielle Revolution des Energiesektors gehandelt: Unter hohem Druck wird Wasser in tiefe Löcher gepumpt. Dort erhitzt es sich bis auf 260 Grad Celsius, indem es im heissen Gestein Risse bildet und sich darin verteilt. Wieder an die Erdoberfläche transportiert, treibt es Turbinen an und generiert Strom.

Von amerikanischen Behörden wurde die Technik bejubelt. 2007 hiess es von offizieller Seite, Geothermie könne 60.000-fach den jährlichen Energiebedarf der Vereinigten Staaten decken. Das Energieministerium unterstützte das Projekt von AltaRock mit 36 Millionen Dollar (38 Millionen Franken; 25 Millionen Euro). Zusätzlich trommelte das Unternehmen noch 30 Millionen Dollar von Investoren zusammen, unter anderem war Google mit von der Partie. Erst kürzlich war von AltaRock-Chef Don O’Shei zu hören: „Wenn das funktioniert, dann ändert sich das gesamte Spiel. Eine Versorgung mit alternativen Energien rückt dann in greifbare Nähe.“

Energierevolution macht Pause

Doch so einfach will der Einstieg ins Spiel nicht gelingen. Die Risse, die das unter Druck in die Erde gepumpte Wasser hervorruft, bedeuten Beben an der Erdoberfläche. Bei beiden Projekten wurden geothermisch sensible Orte gewählt, an denen das generelle Risiko für Erschütterungen grösser ist. In Basel hatten 3.500 kleinere Erdbeben stattgefunden, bevor die Verantwortlichen das Projekt stoppten. Am Rhein sitzt die historische Angst vor einer Zerstörung der Stadt tief. Denn schon einmal, im Jahre 1356, lag die Stadt wegen eines Erdbebens in Trümmern.

Die Spannungslinien im Gestein zwei Stunden nördlich von San Francisco sind laut dem staatlichen geologischen Dienst in historischer Zeit noch nicht aktiv gewesen. Doch die Wissenschaftler bestätigten auch, dass 1.000 Erschütterungen bei den dortigen Geysiren aufgezeichnet worden sind. Und sie betrachten dies als eine Konsequenz der Bohrungen. David Oppenheimer vom geologischen Dienst: „Je mehr Frakturen entstehen, desto grösser ist die Wahrscheinlichkeit, dass Wärme genutzt werden kann, doch auch, dass kleine Erdbeben verursacht werden.“

Wo liegt der Fehler?

Erst ein Bericht der New York Times hat die staatlichen Verantwortlichen in Zugzwang gebracht: Ein Journalist berichtete Ende Juni darüber, dass AltaRock den offiziellen Stellen verschwiegen hätte, wie gross die Parallelen zu den dramatischen Entwicklungen in Basel sind. Das Energieministerium veranlasste daraufhin einen Bohrstopp und die Ausarbeitung neuer Studien.

AltaRock hüllt sich in Schweigen, kommt die Sprache auf Erdbeben. Man beschränkt sich darauf zu betonen, man werde auf keinen Fall den Fehler der Basler wiederholen. Ihrer Ansicht nach bestand dieser darin, auf einer aktiven Erdbeben-Spannungslinie zu bohren. Falsch, behaupten die Basler. Nicholas Deichmann vom Schweizer seismologischen Dienst sagt, die Spannungslinie der Katastrophe von 1356 sei nie identifiziert worden. Im Klartext bedeutet das für die Amerikaner: Wenn in Basel keine Fehler gemacht wurden, können in Kalifornien auch keine vermieden werden.  Damit bleibt das Risiko im Sonnenstaat so gross wie am Rheinknie.

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