Die Schweiz hat einen Vorsprung

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Geschrieben von: Steffen Klatt, St. Gallen 28.08.09
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Wolfgang Amadeus Bruelhart, Abu Dhabi, Swiss Village, MasdarBisher ist die Schweiz das einzige Land, dass in der Ökostadt Masdar ein eigenes Quartier in Aussicht hat, sagt Wolfgang Amadeus Bruelhart. Doch nun müssen Schweizer Unternehmen die Chance auch nutzen, damit das Swiss Village Abu Dhabi Wirklichkeit wird. Und Masdar muss Masdar Schweizer Unternehmen auch Aufträge erteilen.

Steffen Klatt: Vor anderthalb Jahren hatten Sie die Idee einer Schweizer Präsenz in der Ökostadt Masdar bei Abu Dhabi. Jetzt gehören dem Verein Swiss Village Abu Dhabi über 70 Unternehmen an und eine Vereinbarung mit Masdar liegt vor. Sind Sie zufrieden?

Wolfgang Amadeus Bruelhart: Die Projektidee hat sich zu einem Projekt entwickelt. Der Zwischenschritt mit der Unterzeichnung eines Memorandum of Understanding zwischen dem Verein Swiss Village Association und Masdar ist positiv. Zur Realisierung des Projekts braucht es konkrete Zusagen von Schweizer Unternehmen und Institutionen, dass sie im Swiss Village einen bestimmte Fläche mieten wollen. Auf der anderen Seite muss sich auch Masdar bewegen und Schweizer Unternehmen Aufträge erteilen.

Steffen Klatt: Die Schweiz und Schweizer Unternehmen haben bei der Entwicklung von Masdar insgesamt eine wichtige Rolle gespielt. Warum?

Wolfgang Amadeus Bruelhart: Die Schweizer Firma Maxmakers war seit Beginn in das Projekt Masdar involviert. Es ist ein Vorteil, wenn Schweizer Architekten und/oder Planungsbüros frühzeitig bei solchen Gross-Projekten involviert sind. Diese sind dann auch interessiert, dass nach Schweizer Qualitätsstandards gebaut wird und Schweizer Unternehmen bei der Realisierung dabei sein können. 

Steffen Klatt: Warum engagiert sich auch der Bundesrat so stark in Masdar? Immerhin waren bereits drei Bundesräte dort, darunter Bundespräsident Hans-Rudolf Merz.

Wolfgang Amadeus Bruelhart: Die Schweizer Regierung will Schweizer Unternehmen und Institutionen Türen öffnen. Masdar eröffnet Schweizer Unternehmen neue Opportunitäten für Aufträge und damit auch für die Erhaltung und Schaffung von Arbeitsplätzen in der Schweiz. Ein weiterer wichtiger Akteur war die OSEC, die mitgeholfen hat, die Projektidee zu einem Projekt zu entwickeln.

Steffen Klatt: Was bringt der Schweiz ein Swiss Village in Masdar?

Wolfgang Amadeus Bruelhart: Masdar hat bis heute schon sehr viel Publizität, weltweit. Falls sich das Swiss Village realisieren wird, wird die Weltöffentlichkeit auch auf dieses Swiss Village, auf Schweizer Cleantech-Know How und Schweizer Qualität aufmerksam werden. Eine kürzliche Image-Studie einer Schweizer Universität zeigte, dass Schweizer Innovationspotential im Ausland nicht so bekannt ist. 

Steffen Klatt: Was bringt es Schweizer Unternehmen, dort mitzumachen?

Wolfgang Amadeus Bruelhart: Schweizer Unternehmen können bei einem einzigartigen Gross-Projekt Erfahrungen sammeln. Falls sie Aufträge erhalten, können sie eventuell bei der Aufträge im ganzen Masdar Projekt und in der Golfregion bei ähnlichen Projekten erhalten. Sie erhalten auch ein Schaufenster für ihre Produkte. Jedes Projekt, auch dieses, hat Chancen und Risiken für ein Unternehmen. Mit dem Zusammenschluss von Unternehmen versucht die Swiss Village Association, die Chancen zu erhöhen und die Risiken zu vermindern.

Steffen Klatt: Zeigen auch andere Länder ein solches Interesse?

Wolfgang Amadeus Bruelhart: Ja, es gibt andere Länder, die interessiert sind. Momentan hat die Schweiz einen Vorsprung, weil ihr Projekt am weitesten gediehen ist.

Steffen Klatt: Könnten andere Länder mit ähnlichen Projekten noch an der Schweiz vorbeiziehen?

Wolfgang Amadeus Bruelhart: Ja, das ist möglich. Wenn kein Interesse von Schweizer Unternehmen und Institutionen bestehen würde, dann wird die Realisierung des Swiss Village in Frage gestellt werden und andere Länder werden den Platz einnehmen.

Steffen Klatt: Welche Rolle spielt Masdar in der wirtschaftlichen Strategie Abu Dhabis und der Vereinigten Arabischen Emirate?

Wolfgang Amadeus Bruelhart: Die VAE erzielten einen grossen diplomatischen Erfolg, indem sie den Zuschlag für den Hauptsitz der neuen Agentur für erneuerbaren Energien IRENA erhielt. Damit wird die Realisierung von Masdar für die Abu Dhabi Regierung noch wichtiger. 

Steffen Klatt: Sind Schweizer in den Emiraten willkommen?

Wolfgang Amadeus Bruelhart: Ja. Die Schweiz hat einen sehr guten Ruf. Viele Emiratis kennen die Schweiz sehr gut. Sie schätzen die Qualität der Schweizer Produkte. Die bilateralen Beziehungen sind hervorragend.

Steffen Klatt: Werden Sie die Einweihung des Swiss Village aller Voraussicht nach noch als Botschafter in den Emiraten erleben?

Wolfgang Amadeus Bruelhart: Nur wenn sich Schweizer Unternehmen fuer das Projekt interessieren und konkrete Zusagen machen werden, und wenn Masdar der Schweizer Wirtschaft Aufträge erteilen wird. Der Schritt vom Projekt zur Projektrealisierung steht jetzt vor der Tür.

 

Zur Person:

Wolfgang Amadeus Bruelhart ist seit dem 1. Dezember 2007 Schweizer Botschafter in den Vereinigten Arabischen Emiraten. Vorher war er Chef der Sektion Menschenrechtspolitik im Eidgenössischen Departement für Auswärtige Angelegenheiten in Bern. Von 1999 bis 2002 war er Kulturrat an der Botschaft in London, zwischen 1996 und 1998 war er 1.Mitarbeiter an der Botschaft in Sarajewo tätig. Zwischen 1993 und 1995 war er Persönlicher Mitarbeiter von Bundesrat Flavio Cotti.

 

Bild: Wolfgang Amadeus Bruelhart (rechts) mit Bundesrat Moritz Leuenberger und Nick Beglinger, Präsident der Swiss Village Association (links), bei der Vorstellung des Swiss Village im Januar 2009 in Abu Dhabi (Maxmakers).

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