Fastenzeit am Golf

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Geschrieben von: Jonas Pepper, Dubai 27.08.09
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Abu Dhabi, FischerbootAbu Dhabi - Der niedrige Ölpreis macht den Scheichs am Golf zu schaffen. War lange nur das Finanz- und Handelszentrum Dubai betroffen, hat die Krise nun auf das ölreiche Abu Dhabi getroffen. Auch hier ist der Immobilienmarkt vom Motor des Wachstums zur Bremse geworden. Die Fertigstellung einiger grosser Projekte wird verschoben.

Am Golf wird gefastet. Wie überall in der islamischen Welt hat die Wirtschaft auch in den Vereinigten Arabischen Emiraten (VAE) einen gemässigteren Gang eingelegt. Besonders deutlich ist dies auf den allgegenwärtigen Baustellen. Zwischen Juni und September, wenn die Temperaturen auf 50 Grad Celsius steigen, wird die Mittagspause ohnehin ausgedehnt. Jetzt kommen noch zusätzliche Ruhestunden durch den Ramadan hinzu.

Wirtschaft schrumpft

Auch sonst ist Ruhe eingekehrt am Golf, der eben noch zu einer der Wachstumslokomotiven der Welt gehört hat. Die Zentralbank rechnet für 2009 damit, dass die Wirtschaft erstmals seit langem schrumpft – auch wenn sie sich weigert, eine Schätzung zu geben. Der Grund für die Schrumpfung: der niedrige Ölpreis. Sultan Nasser Al Suweidi, Gouverneur der Zentralbank der VAE, erwartet einen Rückgang des durchschnittlichen Ölpreises von 30 Prozent. Betrug er 2008 im Durchschnitt 99,75 US-Dollar, so erwartet Suweidi für dieses Jahr 60 bis 63 Dollar. Oder besser gesagt: hofft. Denn bisher beträgt der Durchschnittspreis rund 54,70 Dollar. „Natürlich wird die Wirtschaftsleistung der VAE unter diesen Umständen zurückgehen“, sagte Suweidi der Zeitung „Al Ittihad“.

Damit schlägt die Krise bereits zum zweiten Mal in den Emiraten zu. Bereits im vergangenen Jahr erreichte sie Dubai. Das Finanz- und Handelszentrum hatte seinen rapiden Aufschwung auf Kredit gebaut. Immer höhere Immobilienpreise trieben die Wirtschaft. Der Aufschwung schien ebenso wenig Grenzen nach oben zu kennen wie die Wolkenkratzer, die in die Höhe schossen. Der Burj Dubai mit seinen 818 Metern, der Anfang Dezember eröffnet werden soll, ist nur eines der Symbole für den Rausch. Doch mit der Finanzkrise platzte die Blase. Die Grundstückpreise sind auf die Hälfte geschrumpft. Das Emirat selber, klein und weitgehend ohne Öl, erhielt Nothilfe seiner ölreichen Schwester Abu Dhabi. Allein die Zentralbank gab Dubai einen Kredit von 10 Milliarden Dollar (7 Milliarden Euro/10,7 Milliarden Franken).

Grossprojekt verschoben

Doch nun ist auch Abu Dhabi krank, das mit Abstand grösste und reichste Emirat. Auch hier zieht der Immobilienmarkt die Wirtschaft nach unten. Laut Experten der Bauwirtschaft sollten in Abu Dhabi allein im nächsten Jahr Projekte im Wert von 8,1 Milliarden Dollar fertiggestellt werden. Während die Hoffnung besteht, dass diese Projekte abgeschlossen werden, haben es neue Projekte schwer. So wurde die Fertigstellung eines Grossprojekts auf der Yas-Insel östlich von Abu Dhabi von 2014 auf 2018 verschoben. Die Insel bildet ein Teil der geplanten Ausdehnung der Hauptstadt, die in den nächsten zwei Jahrzehnten ihre Einwohnerzahl auf 3 Millionen verdreifachen soll. Allein auf der Yas-Insel sollen auf 25 Quadratkilometern Wohnungen und Häuser für 110000 Menschen errichtet werden. Insgesamt sind Investitionen von 38 Milliarden Dollar vorgesehen. Die Formel-1-Strecke jedenfalls wird rechtzeitig fertiggestellt, zusammen mit 20 Hotels. Hier sind 41000 Bauarbeiter am Werk. Bereits am 30. Oktober beginnt hier der Etihad Airways Abu Dhabi Grand Prix.

Bodenpreise fallen

Anderswo herrscht Ruhe. Aldar, der grösste Immobilienentwickler des Landes, hat zwischen Januar und Juli nicht eine einzige Parzelle verkauft. Der Verkauf von Grund und Boden hat aber bisher die Projektentwicklung finanziert. Entsprechend fuhr Aldar im zweiten Quartal Millionenverluste ein. Sorouh Real Estate, einer der grossen Projektentwickler auf der Al Reem-Insel, hat im zweiten Quartal 2009 einen Rückgang der Einnahmen in Höhe von 76 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum hingenommen. Und auch die verbleibenden Einnahmen von 41 Millionen Dollar konnten nur nach heftigen Rabatten erzielt werden.

Gleichwohl dürfte die Immobilienkrise in Abu Dhabi nicht so heftig ausfallen wie in Dubai. Laut dem Beratungsunternehmen MEED Projects-CMI, das die Immobilienwirtschaft der Region beobachtet, sind in Abu Dhabi in diesem Jahr bereits Bauaufträge in Höhe von 6 Milliarden Dollar erteilt worden. Im ganzen Jahr 2008 waren es 8,3 Milliarden. Auch in der Ökostadt Masdar wird weiter gebaut. Die Universität, das Masdar Institute, wird gerade fertiggestellt, die ersten Studenten sollen noch in diesem Herbst aufgenommen werden.

Hoffnung auf steigenden Ölpreis

Über die weiteren Aussichten sind die Meinungen geteilt. Zentralbankchef Suweidi erwartet bereits für 2010 wieder ein starkes Wachstum. Die Wirtschaft der Emirate sei solide. „Steigende Ölpreise werden im nächsten Jahr das Wachstum treiben“, sagte er gegenüber „Al Ittihad“. Auch zwei Drittel der höheren Manager erwarten gemäss einer Umfrage der Wirtschaftszeitung „Emirates Business 24/7“, dass sich die Bedingungen in den nächsten Monaten verbessern. Die Zeitung ist Teil der Arab Media Group, die der Regierung von Dubai gehört. Ausserhalb der höheren Managementzirkel ist die Skepsis noch gross. Laut einer Umfrage der Wochenzeitung „Arab Business“ sind 42 Prozent ihrer Leser der Ansicht, dass die Wirtschaft der Emirate auch im nächsten Jahr noch unter der Krise leiden wird.

Riesige Schulden in Dubai

Zumindest in Dubai wird die Krise langfristige Folgen haben. Bereits vergangenes Jahr gestand die Regierung, dass die Staatsschulden 80 Milliarden Dollar betrügen – und das bei einer Einwohnerzahl von gerade 4,8 Millionen. Doch es gibt deutliche Hinweise, dass die Gesamtschuld des Emirats und seiner Staatsunternehmen noch darüber liegt. Allein die staatliche Beteiligungsgesellschaft Dubai World soll Verbindlichkeiten von 60 Milliarden Dollar haben. Ein Teil des Notkredites der Zentralbank für Dubai soll an den Immobilienarm von Dubai World, Nakheel, geflossen sein.

Wenn die Hoffnungen Abu Dhabis auf einen steigenden Ölpreis sich erfüllen, dann dürften sich die Gewichte am Golf verschieben. Statt des glitzernden, aber auf Pump gebauten Dubai würde Abu Dhabi die führende Rolle übernehmen. Auch wirtschaftlich.

 

Bild: Derzeit ruhen in Abu Dhabi nicht nur die Fischerboote (Steffen Klatt).

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