Das Geschäft mit dem Feuer

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Geschrieben von: Anke Stefan, Athen 24.08.09
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Athen, Griechenland, BrändeBrandstiftung und Fahrlässigkeit sind die häufigsten Ursachen für Waldbrände in Griechenland. Mit der Vernichtung der grünen Lungen des Landes verdienen die Hintermänner der Brandstifter Millionen. Nur ein Zehntel der verbrannten Fläche wird wieder aufgeforstet. Das Muster ist immer das gleiche: Bei günstigem Wind werden an drei bis vier Stellen gleichzeitig Feuer gelegt. Und nur, wenn die Feuerwehr innerhalb einer Viertelstunde an den Brandherden eintrifft, kann das Feuer gelöscht werden bevor es sich ausbreitet. Die in Griechenland vor allem in Küstennähe vorherrschenden Pinienwälder sind besonders feuergefährdet. Einmal in Brand geraten, explodieren die Bäume in den Flammen und schleudern ihre brennenden Stücke über weite Entfernungen. In rasender Geschwindigkeit entstehen so kilometerlange Feuerfronten.

Täter werden selten überführt

Oft ist es das Geschäft mit dem grossen Geld, das die Wälder zerstört. Nur etwa 10 Prozent der einmal abgebrannten Flächen werden wieder aufgeforstet. Unter Umgehung der geltenden Gesetze entstehen vielfach auf den „brandgerodeten“ Flächen Einkaufszentren, Vergnügungsparks und Villen. Bis zu 200.000 Euro Belohnung hat die griechische Regierung für Hinweise, die zur Ergreifung eines Brandstifters führen geboten. Doch nur in den seltensten Fällen können die Täter gefasst werden. Bei insgesamt 9866 Bränden im Jahre 2004 beispielsweise wurden nur in 12 Fällen Brandstifter überführt.

Dabei lässt sich in den meisten Fällen feststellen, wie und warum das Feuer ausgebrochen ist. Dafür ist die griechische Feuerwehr geschult. Oftmals findet man sogar noch die Brandbeschleuniger vor Ort. Doch nicht nur gezielte Brandstiftung, auch Fahrlässigkeit ist eine häufige Ursache für Waldbrände. Viele Feuer entstehen durch Müllverbrennung auf den oftmals von Gemeinden illegal angelegten Müllhalden in waldnahen Gebieten. Andere werden durch Hochspannungsmasten mit defekten Isolatoren erzeugt. Oder von einer der zahllosen weggeworfenen Glasflaschen, deren Splitter beim entsprechenden Sonneneinfall als Brennglas fungieren.

 

Bebauungspläne fehlen

Den Brandstiftern kommt die fehlende Bestimmung der Waldflächen zugute. Es gibt keine Karten, in denen Waldgebiete als solche markiert sind. Auch Bebauungspläne, in denen die Flächen nach Art der erlaubten Nutzung eingeteilt sind, existieren nicht, obwohl sie von der Verfassung vorgeschrieben sind. Deswegen wird ein Bauantrag von der für die Region zuständigen Baubehörde anhand unvollkommender Informationen und den „Empfehlungen“ der Beamten der Wald- und Forstbehörde erteilt. Das bedeutet, dass die Entscheidung wird nicht aufgrund objektiv festgelegter Kriterien gefällt wird, sondern auf der recht willkürlichen Bewertung der betroffenen Beamten beruht. Wodurch die in Griechenland leider weit verbreitete Korruption eine große Rolle bei der Gewährung spielen kann.

Grundbücher unvollständig

Erschwerend kommt hinzu, dass Griechenland auch keine vollständigen Grundbücher besitzt. Daraus resultiert ein weit  verbreitetes Verfahren, sich staatliches Land nach einem Waldbrand anzueignen: Das gewünschte Land wird eingezäunt, einige Ölbäume werden gepflanzt. Dann wird ein Beamter im Landwirtschaftsministerium bestochen und die Fläche als Agrargebiet ausgewiesen Mit Hilfe zweier bestellter Zeugen, „beweist“ man, dass das Grundstück schon vom eigenen Grossvater bebaut wurde und  reisst man sich so das Filetstück ehemaligen Waldgebietes zum Nulltarif unter den Nagel. Immer wieder werden entsprechende Skandale bekannt, in die hohe Beamte der betroffenen Behörden verwickelt sind.

Mit „Brandrodungen“ zum Gewinn

Doch illegales Bauen in Griechenland ist kein Privileg der Reichen. Die an den Hängen der Athen umschliessenden Berge gebauten Einfamilienhäuser sind zum grössten Teil ohne Baugenehmigung errichtet. Weil Bebauungspläne fehlen, hat sich eingebürgert, dass man sein Häuschen auf dem eigenen Grundstück nach Gutdünken errichtet. Bestenfalls kümmert man sich nach Fertigstellung um die nachträglich Genehmigung für den Bau. Bei vielen der jetzt zerstörten Häuser handelt es sich nicht um Prunkvillen, sondern um kleine Häuschen, deren Bewohner all ihr Hab und Gut verloren.

Aber das grosse Geld mit den Waldbränden verdienen einige Wenige. Während der griechischen Militärjunta von 1967 bis 1974 beispielsweise wurden in grossem Stil staatliche Flächen an Einzelpersonen und Konsortien als Baugrund vergeben. Auf diese Weise wurden von der Junta riesige Flächen in bester Lage in Erholungsgebieten und den jetzt brennenden einstmals grünen Lungen der Hauptstadt verschenkt. Heute werden auf diesen Filetstücken nach „Brandrodungen“ Grundstücke gewinnbringend an Investoren verkauft, die darauf Villen errichten.

Ähnlich schlimme Brände wie jetzt erlebte die Provinz Attika übrigens bereits vor elf Jahren. 1998 brannten das Gelände rund um den damals noch im Bau befindlichen Flughafen,  die auch jetzt betroffenen Gegenden am Berg Pendelis, um Marathon, Nea Makri, Rafina... Und es brannten auch Gegenden, wie rund um das Gelände des Ruderzentrums Schinias, die vorher noch nie gebrannt hatten. 90 Prozent der Feuer waren damals rund um die Baustellen der Olympischen Bauten ausgebrochen. Dort, wo später Vergnügungs- und Einkaufsstätten entstehen sollten.

 

Bild: Schon 2007 reichten die Brände in Griechenland bis an die Hauptstadt Athen heran (Michalis Famelis).

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