Saubere Offensive aus der Schweiz

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Geschrieben von: Yvonne von Hunnuis, Zürich 25.08.09
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Kluge Forscher und schlaue Unternehmer tun sich für den Umweltschutz zusammen. Und das nicht nur aus Eigennutz: Cleantech soll ein neues Standbein der Schweiz werden. Der Bund hält finanziell den Steigbügel. Gerade kleine und mittlere Unternehmen sollen profitieren.Die Schweiz ist Klassenprimus in Sachen Innovation. Doch bei der Vermarktung der klugen Ideen hapert es zuweilen. Die Cleantech-Branche bläst nun jedoch zum Angriff und will durch Kooperation zwischen Forschung und Wirtschaft ein neues Standbein der Schweiz werden. Die Zeichen stehen gut: Die Folgen des Klimawandels und der Wirtschaftskrise bedingen ein Umdenken und der Bund stellt durch die Förderagentur für Innovation (KTI) Fördermittel bereit. Bundesrätin Doris Leuthard sieht dies und vor allem auch das Masdar-Projekt als wegweisend an: „Die erste CO2-freie Ökostadt Masdar in Abu Dhabi wird Geschichte schreiben und die Schweizer Wirtschaft ist mit dem Swiss Village vorne dabei“, sagte sie an einer Tagung der KTI Mitte August. Anhänger der grünen Technik-Welle wollen hier gleich drei Fliegen mit einer Klappe schlagen: Unternehmen sparen durch Cleantech selbst Geld, können Produkte auf den Markt bringen, die das Zeug haben, die Welt zu erobern und Schweizer Hochschulen behaupten dank der Forschung ihre Führungsrolle.

 

Riesiges Einsparpotential

Das Einsparpotential gerade in Schweizer Produktionsstätten sei durch Cleantech riesig, sagt Thomas Heim, der Koordinator der Effizienzagentur eco-net: „Wir sind einfach zu gut. Wir trocknen zu lange, wir kühlen zu kalt. Wenn sich bei einem Effizienzcheck Wissenschaftler Produktionsabläufe anschauen, entdecken sie meist, dass zu viel des Guten gemacht wird.“ Und es bringt bares Geld, finden Unternehmen hier die goldene Mitte. Pioniere wie der Verwaltungspräsident des Optikunternehmens Knecht&Müller, Peter Müller, haben durch solche Massnahmen tausende Franken sparen können, ohne die Produktqualität zu verringern.Und durch neues Produktdesign hat beispielsweise der Sanitärriese Geberit seinen Marktvorsprung mit Cleantech ausweiten können.

Profitieren sollen die Kleinen

Doch nicht die Marktführer, sondern kleine und mittlere Unternehmen sollen von diesem Kooperationsgeist profitieren. Die in diesem Jahr von KTI zur Verfügung gestellten Innovationsgutscheine mit jeweils 7.500 Franken waren binnen sechs Wochen vergeben. Dreiviertel der Unternehmen, die einen Gutschein für Forschungskooperation mit einer guten Idee ergattert haben, hatten zuvor noch nie mit Hochschulen zusammengearbeitet. „Ein voller Erfolg“, sagt Peter Dietrich, Direktor des Branchenverbandes Swissmem. Doch mit einem Budget von insgesamt einer Millionen Franken sei die Aktion zu klein angesetzt. Das Interesse für eine gross angelegte Wiederholung sei vorhanden, sagt Dietrich.

Bis zum 31. Dezember können Unternehmen noch Forschungsgelder aus einem weiteren KTI-Pott beziehen. 20 Millionen Franken der Stabilisierungsmassnahmen des Bundes warten auf innovative Anträge. Normalerweise müssten die Unternehmen zehn Prozent der Mittel selbst aufbringen, doch weil Kleine in Krisenzeiten nicht benachteiligt werden sollen, gilt eine Ausnahmeregelung: Personal aus den Unternehmen kann statt dessen am Forschungsprojekt beteiligt werden.

Hochschulen öffnen sich

Hochschulen weisen mit diesem Kooperationswillen alle Vorurteile der wissenschaftlichen Elfenbeintürme von sich. Sie haben auch erkannt, dass es im Cleantech-Bereich nicht die Verantwortung gänzlich auf Seiten der Unternehmen liegt, die Anfragen stellen und Ideen abkaufen müssen. Der Vizepräsident für Forschung der ETH Zürich, Peter Chen, will die internen Strukturen ändern: „Wir müssen insbesondere in diesem Gebiet ganzheitlicher forschen und über Disziplinen hinweg schauen, um bereits bei der Forschung die Konsequenzen und somit Chancen von Cleantech besser einschätzen zu können.“

Eine ETH-Studie habe zudem ergeben, die Hälfte der an der Hochschule gegründeten Kleinfirmen befänden sich im Technikbereich. In dieser Form haben Forscher kein Problem, die beispielsweise ein Medikament entwickelt haben. Sie finden in Pharmariesen schnell einen Abnehmer. Doch für Technik-Startups sei es schwieriger, Investoren zu finden. An einer neuen Einbettung dieser innovativen Firmen wird gearbeitet, sagt Chen.

Idee muss in die Welt

Denn eine Idee muss nicht nur gut und marktfähig sein – sie muss auch in die Welt gelangen. Selbst für bereits etablierte Kleinunternehmen sieht Andreas Schweizer, der Präsident des Schweizer Verbandes für Umwelttechnik, noch grosse Hürden: „Kleine und mittlere Firmen, wie sie in unserem Verband zusammengeschlossen sind, scheuen die Kosten und die Risiken im Ausland. Ein Misserfolg in Afrika kann die Existenz kosten. Kleine Unternehmen und Weltkonzerne aus der Schweiz müssten sich in diesem Bereich stärker zusammenschliessen. Beide können davon profitieren“, sagt Schweizer. Besonders wichtig seien auch Messepräsenzen von Schweizer Cleantech-Vertretern. Gerade für Kleine seien das perfekte Kontaktbörsen: „Wir haben exzellente Abwasserspezialisten in der Schweiz, die in Afrika viel bewegen könnten. Doch sie müssen vor Ort sein und starke Partner haben.“
Die Zeichen stehen ganz auf Kooperation in der Schweizer Cleantech-Branche. Und die ersten Schritte aufeinander zu sind getan.

 

Bild: Bundesrätin Doris Leuthard auf der KTI-Tagung am 20. August in Zürich (Yvonne von Hunnius).

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