Die britische Organisation der Windenergie-Gegner «Stop the Spin» wende sich nicht gegen alternative Energien, erklärt deren Sprecher Adrian Snook. Aber die Anwohner fühlten sich von Unternehmen und Staat übergangen. In Grossbritannien hat "Stop the Spin" dazu beigetragen, das die einzige Fabrik auf den Inseln zur Herstellung von Windturbinen geschlossen worden ist.Lisa Louis:Das Windenergie-Unternehmen Vestas hat bestätigt, dass es seine Windrad-Fabrik auf der Isle of Wight, die einzige ihrer Art in Grossbritannien, schliessen wird. Wieso sind so viele Briten gegen Windenergie?
Adrian Snook: In unserer Region sind die Bürger ja nicht gegen Windenergie an sich. Sie sind nur gegen das sehr liberale System, mit dem die Regierung diese Form der Elektrizitätsgewinnung unserem Land aufzwängt. Lisa Louis:Was meinen Sie damit? Adrian Snook: An der Windenergie verdienen in Grossbritannien nur die Unternehmen. Die Bürger vor Ort werden bei den finanziellen Erträgen übergangen. Erst wenn ein Unternehmen den Bauantrag für die Windturbine bei der lokalen Behörde bereits gestellt hat, können sie widersprechen. Bei der Entscheidung, wo eine Turbine gebaut wird, haben sie kein Mitspracherecht. Und dieses System führt zu bizarren Ergebnissen: Während der Wind an der Küste am stärksten weht, reichen viele Windrad-Bauer Bewerbungen für die Daventry Area in unserer Region in der Landesmitte ein, wo relativ wenig Wind bläst. Dieser Landstreifen ist dicht besiedelt, manche Turbinen stehen so weniger als 500 Meter von Wohnhäusern entfernt. Die Bewohner dort müssen die starken negativen Nebeneffekte in Kauf nehmen, ziehen jedoch keinen direkten Nutzen aus den Windturbinen. Lisa Louis: Welche Nachteile hat die Windenergie für die Bürger? Adrian Snook: Das fängt damit an, dass ein Windrad einfach das Landschaftsbild verschandelt. Zudem macht es Lärm, der sehr störend sein kann. Wenn es vor einem Haus steht, kommt es ausserdem zum sogenannten "turbine shadow flicker", dem Turbinen-Schattenflickern. Das ist so, als ob jemand ständig die Sonne ein- und ausschaltet, und wird dadurch verursacht, dass die Rotorblätter an den Fenstern des Hauses vorbeisauen. Auf die Dauer ist das extrem belastend. Auch finanziell leiden Anwohner unter Windrädern: Sobald es auch nur ein Bau-Projekt für ein solches in der Nähe ihres Hauses gibt, können sie dieses nicht mehr verkaufen. Wer will denn da auch wohnen! Lisa Louis: Unter welchen Umständen würden Bürger vor Ort ihrer Meinung nach diese Nachteile in Kauf nehmen? Adrian Snook: Wir leben in einer Demokratie. Da wollen Bürger in Entscheidungsprozesse mit einbezogen werden, anstatt erst danach nach ihrer Meinung gefragt zu werden. Das gilt auch für die Windenergie. Lisa Louis: Gibt die lokale Behörde zu allen Anträgen ihre Zustimmung? Adrian Snook: Nein. Meines Wissens stimmt sie etwa der Hälfte der britischen Windrad-Anträge zu. Aber die Regierung übt zunehmend Druck aus, dass mehr Windrad-Anträge angenommen werden sollten. Ed Miliband, der Energieminister, hat sogar neulich gesagt, es sollte "sozial inakzeptabel" sein, sich gegen Windenergie auszusprechen. Darüber sind wir sehr aufgebracht! Lisa Louis: Kommunizieren denn die Unternehmen gar nicht mit der Bevölkerung vor Ort? Adrian Snook: Sie kommunizieren oft nur indirekt über unabhängige Werbeagenturen. So ist das Vertrauen in vielen Regionen zwischen den Unternehmen und den Bürgern total zusammengebrochen. Die Firmen sind einzig und allein an Profit interessiert, selbst wenn sie so tun, als ob es um den Umweltschutz ging. Sie versuchen, ihre Windräder um jeden Preis an den Mann zu bringen und stellen dafür sogar Bilder auf ihre Websites, die die Turbinen kleiner als in Realität aussehen lassen. Lisa Louis: Inwiefern ist es da wichtig, dass Bürger an der Windenergie finanziell beteiligt werden? Adrian Snook: Sehr wichtig. Und dafür gibt es viele Möglichkeiten: Windparks könnten zum Beispiel in Gemeindebesitz übergehen oder Bürger Aktien an ihnen erwerben. Nicht zuletzt sollten direkte Anwohner für die extrem negativen Effekte, die sie ertragen, entschädigt werden. Ein Weg wäre ein stark reduzierter Strompreis. Zur Person: Adrian Snook ist 45, verheiratet und hat zwei Kinder. Er hat Kommunikation und Medien studiert und ist Pressesprecher der Organisation "Stop the Spin" in Northamptonshire. Bild: Stop the Spin.
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