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fair-fish misstraut EU-Reform

Geschrieben von: Heinzpeter Studer, Verein fair-fish 18.08.09
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Die hoch subventionierten europäischen Fangflotten haben die eigenen Meere längst geplündert und fischen nun fremde Meere leer. Mit einer neuen Politik möchte die EU die europäischen Gewässer wieder fischreich machen. fair-fish misstraut dieser Reform und fordert Massnahmen, die zum schonungsvollen Umgang mit den Fischbeständen zwingen. Das im April von der EU-Kommission veröffentlichte Grünbuch gesteht den Bankrott der jahrzehntelangen EU-Fischereipolitik ein: Die europäischen Meere sind zu 88 Prozent überfischt. Im Weltdurchschnitt sind es «nur» 28 Prozent, Tendenz freilich zunehmend – nicht zuletzt, weil die europäischen Fangflotten nun halt fremde Meere leerfischen.

EU benennt einige Schwächen…

Das Grünbuch benennt fünf strukturelle Schwächen der EU-Fischereipolitik: massive Überkapazität der Fangflotten, unpräzise Politikziele, Förderung kurzfristigen Denkens, fehlende Verantwortlichkeit der Fischereiwirtschaft und mangelnder Willen zur Einhaltung und Durchsetzung der Vorschriften. Hieraus entwickelt das Grünbuch Vorschläge für eine neue Fischereipolitik. Vision: Erholung der europäischen Fischbestände bis 2020.

fair-fish fordert echte Umkehr

air-fish kontaktiert Organisationen für eine gemeinsame Stellungnahme zum «Grünbuch» der EU-Kommission und schlägt folgende Forderungen vor:
1. Schluss mit Propaganda für immer mehr Fisch.Omega-3-Fettsäuren lassen sich direkt dort gewinnen, wo sich die Fische damit versorgen: aus Algen.
2. Europäische Schiffe sollen in Europa fischen. Wenn Länder des Südens uns Fisch liefern wollen, dann sollen sie den selber fangen und verarbeiten. Nur so erhalten Fischer und Arbeiterinnen dort den ihnen zustehenden Mehrwert. Und nur so wird Europa gezwungen, den eigenen Fischgründen Sorge zu tragen.
3. Verbot industrieller Fangmethoden wie Grundschleppnetze, die viel Beifang verursachen und den Lebensraum der Fische zerstören. Die handwerkliche Fischerei mit kleinen Booten schafft eh mehr Arbeitsplätze als Fabrikschiffe.
4. Schluss mit Förder- und Forschungsmitteln für solche Fischzuchten, welche (Schlachtabfälle ausgenommen) mehr Fisch verfüttern, als sie gewinnen.

… aber nicht den Hauptgrund

Trotz Anerkennung für den Willen des EU-Fischereikommissars Joe Borg: Auch die neuste Reform wird wohl so wenig bringen wie alle früheren Versuche. Denn das Grünbuch blendet den Hauptgrund für die Überfischung aller Meere aus.

Fischkonsum ist schlicht zu hoch

Weltweit werden fast 17 Kilogramm (ganzer) Fisch pro Kopf und Jahr konsumiert. In Deutschland, Österreich und der Schweiz liegt der Fischkonsum etwa beim Weltdurchschnitt, in vielen Ländern Europas wird noch weit mehr Fisch verzehrt. Bereits 17 Kilogramm pro Kopf und Jahr sind aber weit mehr, als die Meere hergeben. Tatsächlich stammt bereits jeder zweite Fisch aus einer Zucht; doch die Zucht vieler Arten verfüttert drei- bis achtmal soviel Fisch, wie sie uns auf den Teller bringt. Fischzucht trägt also zur Leerfischung noch bei.

 

 

Weitere Informationen:

Verein fair-fish - aus Rücksicht auf Tier, Natur und Fischer/frauen
Heinzpeter Studer, Leiter der Fachstelle
Telefon: 0041 52 301 44 35

Email: Diese E-Mail-Adresse ist gegen Spambots geschützt, Du musst JavaScript aktivieren, damit Du sie sehen kannst.

 

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