Mit Strom aus der Krise

Drucken
E-Mail
Geschrieben von: John Dyer, Boston 12.08.09
Bookmark and Share
Stichworte:         

General Motors will mit Strom in die Gewinnzone fahren. Sein Kleinwagen Volt mit Hybridantrieb soll mit einem Liter Benzin pro 100 Kilometer fahren. Für amerikanische Ohren hören sich solche Verbrauchswerte an wie ein Wunder.

Auf dem kleinen Stromer ruhen große Hoffnungen: Die Manager bei General Motors erwarten von ihrem neuen Chevrolet „Volt“ den Zündfunken für den Wiederaufstieg ihres noch vor wenigen Wochen bankrotten Unternehmens. Als besonders zugkräftig auf dem amerikanischen Automarkt – auf dem seit kurzem der Durchschnittsverbrauch mitentscheidend für den Autokauf ist – sehen sie die Verbrauchswerte des Autos mit Hybridantrieb an. Hier bietet Volt angeblich eine Rekordleistung: 230 Meilen (370 Kilometer) mit einer Gallone (3,78 Liter) – das Ein-Liter-Auto.

Auferstanden aus der Insolvenz

„Chevy Volt-Fahrer können im Elektromodus jeden Tag fahren, ohne überhaupt Benzin zu verbrauchen“, kündigte GM-Chef Fritz Henderson an. Denn der Volt ist im Grunde ein Elektroauto, das zuhause an der Steckdose aufgeladen wird. Die Ladung soll für eine Fahrstrecke von 40 Meilen (gut 64 Kilometer) reichen. Danach wird ein kleiner, benzinbetriebener Generator zugeschaltet. Das Auto sei „der Durchbruch“, freute sich Henderson.

Im vergangenen Monat tauchte GM nach 40tägiger Insolvenz wieder auf, nachdem die US-Regierung 60 Prozent des Unternehmens für Hilfsgelder in Höhe von 50 Milliarden Dollar übernommen hatte. Zusammen mit Chryslers Insolvenz war das der Tiefpunkt für die US-Autoindustrie. Ihren Niedergang führen Experten auf das Festhalten an benzinschluckenden Modellen zurück.

Gewinne ab 2011

Laut Henderson bedeutet der „Volt“ zusammen mit geplanten 25 weiteren neuen Modellen das „Comeback“ von General Motors. GM werde im nächsten Jahr die Verlustzone verlassen und 2011 wieder Gewinn machen, kündigte der er an. „Man fühlt sich großartig, im Autogeschäft wieder über Autos sprechen zu können“, sagte er in Anspielung auf die Schlagzeilen vergangener Monate, die sich ausschließlich mit der Finanzlage Detroits befasst hatten.

Die Angabe von 230 Meilen pro Gallone als Verbrauchswert basiert auf Standards der amerikanischen Umweltschutzbehörde EPA. Dabei werden die ersten 40 Meilen in reinem Elektroantrieb gemischt mit dem späteren Einsatz des Benzinmotors. Beides zusammen soll dann das Fahrzeug 370 Kilometer weit mit weniger als vier Litern Benzin bringen.
Autoexperten begrüßten die Technik des Volt, warnten aber davor, dass diese Verbrauchsangabe nicht praxisgerecht sein könnte. Das hänge ganz von der Fahrweise und der Nutzungsdauer ab, sagte Jack Nerad von Kelley Blue Book, einem Unternehmen, das Verbrauchertest von Autos durchführt. Laut Nerad kann man sogar weniger verbrauchen, aber eben auch deutlich mehr.

Nicht ganz billig

Die Umweltbehörde EPA gab an, dass ihre Experten den Volt noch nicht getestet hätten und man deshalb noch nichts zum Verbrauch sagen könne. Die EPA begrüßte in ihrer Erklärung aber das „Engagement von GM, das Auto der Zukunft zu entwerfen und zu bauen – ein in den USA gebautes Auto, das den Familien Geld sparen hilft, unsere Abhängigkeit von ausländischem Öl deutlich verringert und gut bezahlte amerikanische Jobs schafft.“

Noch ist unklar, welche Käuferschicht für den Volt in Frage kommt. Denn der Preis des Sparautos wird derzeit mit 40.000 Dollar ( 28.000 Euro / 43.000 Franken) angegeben und liegt damit deutlich höher als herkömmliche Autos vergleichbarer Grösse. Aber Henderson verwies darauf, dass die Regierung beim Kauf von umweltfreundlichen Autos Steuererleichterungen von 7500 Dollar in Aussicht gestellt habe. Auch seien die Betriebskosten mit 2,75 Dollar für eine Stromladung für 100 Meilen sehr niedrig. Würden die Batterien – die dazu acht Stunden benötigen – über Nacht aufgeladen, so reduzierten sich die Stromkosten für 100 Meilen wegen des billigen Nachtstroms gar auf 40 Cents.

Konkurrenz schläft nicht

Die meisten Amerikaner führen weniger als 40 Meilen am Tag, sagte Henderson. Damit könne der Volt als billiges Elektroauto pur gefahren werde. Die Vorteile des neuen Modells würden dann besonders spürbar, wenn die Benzinpreise wieder anzögen, meinte Henderson. Und das erwartet er.

GM hat allerdings auch mit seinem neuen Modell viel Konkurrenz. Nissan bringt den „Leaf“ auf den Markt, der sogar 340 Meilen pro Gallone schaffen soll und nur 33.000 Dollar kostet. Toyota wird bald eine neue Version seines erfolgreichen „Prius“ vorstellen, des Pioniers unter den Hybridautos. Chrysler und Ford arbeiten ebenfalls an Elektroautos.

 

Bild: Am 11. August 2009 hat General Motors Präsident and CEO Fritz Henderson in Warren, Michigan, sein Volt-Konzept der Öffentlichkeit vorgestellt. (Jeffrey Sauger für General Motors)

Kommentar schreiben


Sicherheitscode
Aktualisieren

 

Cleantech.ch

cleantech_ch

SCA_LOGO_RGB_marginal
mit swisscleantech ins neue Energiezeitalter

Meistgelesene Artikel

    Abonnieren Sie noch heute Ihren persönlichen Newsletter.
    Noch grössere Aktualität erhalten Sie mit unserem RSS-Feed.

    Kalender

    Der Veranstaltungskalender wird vorbereitet.

    {Zum Kalender}

    Magazin Cleantech Switzerland

    Magazin Cleantech Switzerland 2011-1

    Gründungssponsoren