Implenia will die Schweizer Standards im nachhaltigen Bauen exportieren, sagt Roland Fisch. Das grösste Schweizer Bauunternehmen konzentriert sich dabei auf die Golfstaaten und Russland. Der Minergie-Standard ist dabei mit im Gepäck. Doch Schweizer Unternehmen können auch vom Ausland lernen.
Steffen Klatt:Implenia ist die mit Abstand grösste Schweizer Bauunternehmung. Ausserhalb der Schweiz ist sie kaum vertreten. Warum? Roland Fisch:Wir waren früher bereits auf Projektstufe opportunistisch im Ausland vertreten, waren aber nicht mit einer konsequenten strategischen Ausrichtung im Ausland präsent. Das hängt mit dem Wachstum von Implenia zusammen. Implenia ist eine Organisation, die aus der Fusion von Batigroup und Zschokke entstanden ist. Mit der Grösse von Implenia mit 6000 Mitarbeitern und 2,5 Milliarden Franken Umsatz ist es möglich, den Schritt zur strategischen Präsenz im Ausland zu machen. Da wollen wir wachsen. Steffen Klatt:Welche Märkte sind für Sie interessant? Roland Fisch: Märkte, für die unsere Konkurrenten die Kapazität in den für uns relevanten Nischen nicht bringen können und in die wir westliche Standards bringen können. Das sind die Golfstaaten, vor allem Abu Dhabi und Katar, und das ist Russland. Im Infrastrukturbereich mit Schwergewicht Tunnel sind das neu auch Norwegen und Schweden. Steffen Klatt:Gilt dieses Expansionsziel auch in Zeiten der Krise? Roland Fisch: Selbstverständlich. Wir haben den Vorteil, dass wir international noch sehr klein sind und uns die Krise bisher verhältnismässig wenig betroffen hat.. Wir sind im Ausland vor zwei Jahren gestartet. Bisher haben wir für alle Leute wieder einen Platz im Konzern gefunden, wenn wir sie wieder aus dem Ausland zurückziehen mussten. In der Schweiz sind wir sehr gut ausgelastet, im Ausland und gerade am Golf sieht das in der Krise teilweise noch anders aus. Verwandte Themen| { Schweizer Leuchtturm am Golf, 04.08.09 } | | { Mit Masdar an die Spitze, 04.08.09 } | | { Bonn macht Platz für Masdar, 29.06.09 } | | { Zürich will ein Juwel, 09.06.09 } | | { Der Königsweg der Sanierung, 08.06.09 } | | { Mit Holz in den Export, 06.02.09 } | | { Wachsen mit Minergie, 02.02.09 } | | { Schweizer zieht es an den Golf, 20.01.09 } | | { Fortschritt nach Schweizer Art, 16.01.09 } | | { Briten steigen bei Masdar ein, 07.11.08 } | | { Schweiz in Masdar willkommen, 30.10.08 } |
Steffen Klatt:Sie sind eines der ersten grossen Schweizer Unternehmen, die sie sich im „Swiss Village“ in der Ökostadt Masdar bei Abu Dhabi engagieren. Warum?
Roland Fisch: Die Nachhaltigkeit interessiert uns sehr. Wir sind auch in der Schweiz sehr engagiert in diesem Bereich. Dieser Bereich wird noch stark an Attraktivität gewinnen. Wir können auch sehr viel lernen aus Projekten wie Masdar. Wir Schweizer meinen zwar immer, unser Knowhow im Bauwesen sei Spitze. Aber wir können gerade in der angelsächsisch geprägten Welt noch viel lernen. Wir erwarten, dass aus Abu Dhabi wichtige Inputs zu uns zurückkommen. Steffen Klatt:Was kann man als Schweizer Unternehmen in Abu Dhabi lernen? Roland Fisch:Die Führung ist oft straffer. Die Projekte sind zum Teil sehr gut organisiert, die IT-Tools sind oft professioneller. Auch beim Umgang mit der Improvisation können wir Schweizer noch vom Ausland lernen. Steffen Klatt:Welche Stärken würde Implenia aus der Schweiz an den Golf bringen? Roland Fisch: Wir kennen den Schweizer Baumarkt wie keine andere Unternehmung. Wenn Masdar ein Swiss Village will, dann kann es das nicht mit einem britischen Architekten und einem arabischen Bauherrn tun. Es muss etwas Schweizerisches dabei sein. Deshalb richten wir uns in Masdar auf das Projektmanagement und die Planung aus. Steffen Klatt:Lassen sich auch Schweizer Standards nachhaltigen Bauens aus der Schweiz in die Wüste am Golf mitnehmen? Roland Fisch: Gewisse Grundstandards kann man übertragen. Es braucht natürlich Anpassungen, das ist klar. Aber Schweizer Standards können dort auch weiterentwickelt werden. Minergie ist in der Schweiz gut verwurzelt, hat aber viel Potential im Ausland. Um am Golf eingesetzt zu werden, braucht der Minergiestandard ein paar Anpassungen, denken Sie zum Beispiel an die Hitze und die Feuchtigkeit. Steffen Klatt:Gerade Minergie verdankt seinen Erfolg auf dem Heimmarkt dem ökologischen und nachhaltigen Bewusstsein in der Schweiz. Das kann man nicht mitnehmen. Lässt sich Minergie als Standard dennoch exportieren? Roland Fisch: Die Fokussierung auf die Energie und den Energieverbrauch der Gebäude lässt sich exportieren. Die Märkte in den Golfstaaten fokussieren wegen der starken Stellung der Ölindustrie auf Energie. Sie leben von Energie. Wenn diese Staaten den Wechsel von den fossilen auf die erneuerbaren Energien schaffen, und das versuchen sie sehr professionell, dann haben sie grosse Chancen, weiter zu wachsen. Steffen Klatt:Ist Minergie überhaupt exportfähig? Roland Fisch: Minergie basiert unter anderem auf dem Verbrauch pro Nutzfläche, und das lässt sich exportieren. Aber der Standard muss adaptiert werden. Steffen Klatt:Welche Rolle spielt Nachhaltigkeit für Implenia insgesamt? Roland Fisch: Wir haben sehr viele nachhaltige Bauten realisiert, hier in der Schweiz als Totalunternehmer, als Generalunternehmer und als Baumeister. Nehmen Sie als Beispiel Chriesbach Forum (das als Nullenergiegebäude geplante Forum Chriesbach des ETH-Wasserforschungsinstituts EAWAG in Dübendorf, stk.), welches Implenia erstellt hat. Wir setzen uns in der Schweiz stark für Nachhaltigkeit ein, möchten das aber jetzt auch im Ausland tun. Steffen Klatt:Hängt die Nachhaltigkeit der Gebäude nicht in erster Linie von den Bauherren ab? Welchen Einfluss hat dabei Implenia? Roland Fisch: Implenia kann dies beeinflussen, wenn der Auftrag auch die Planung enthält. Denn in der Planungsphase werden die entscheidenden Elemente festgelegt. Wenn Sie ein intelligentes Gebäude bauen, dann können Sie sehr viel erreichen. Für den Bauherren hat das praktisch nur Vorteile. In vielen Bauten, die wir in der Schweiz planen, ist der Minergie- Standard von Anfang an ganz selbstverständlich dabei. Steffen Klatt:Wird nachhaltiges Bauen in der Schweiz genug gefördert? Braucht es mehr Engagement? Roland Fisch: Das Engagement des Staates ist das eine, das Bewusstsein in der Bevölkerung das andere. Die Schweiz wartet oft ab und beobachtet, was die anderen tun. Wenn es gut ist, dann übernehmen die Schweizer es auch. Es wäre schön, wenn es im Bereich der Nachhaltigkeit in der Schweiz mehr Industrie gäbe. Wir sind gut in der Forschung, aber das wirkliche Geschäft machen oft andere. Das ist schade. Zur Person: Roland Fisch ist Leiter des operativen Geschäfts Prime Building und Stellvertreter des CEOs von Implenia Global Solutions. Als einer von vier Konzernbereichen des grössten Schweizer Bauunternehmens bündelt es seit 2007 die Exportaktivitäten. Zielmärkte sind Russland, die Golfstaaten sowie im Infrastrukturbereich Schweden und Norwegen. Im Hochbau konzentriert es sich auf Dienstleistungen wie Projekt- und Baumanagement. Im Tiefbau kommt auch die Ausführung der Implenia-Kernkompetenzen wie dem Tunnelbau, dem Microtunneling und dem Spezialtiefbau hinzu. In Masdar bewirbt sich Implenia um die Planungsleitung sowie das Projekt- und Baumanagement für das Swiss Village.
|