Zürich/Abu Dhabi - Die Schweiz richtet als bisher einziges Land ein eigenes Quartier in der Ökostadt Masdar ein. Es soll ein Schaufenster mit globaler Ausstrahlung für die Schweizer Wirtschaft werden. Der Exportförderer Osec rechnet mit einem Auftragsvolumen allein in Masdar in Höhe von Hunderten Millionen Franken.
Rolf Jeker ist enthusiastisch. „Das ist eine einzigartige Möglichkeit für die Schweiz, sich zu profilieren“, sagte der Präsident des offiziellen Schweizer Exportförderers Osec am Dienstag in Zürich. Gerade Unternehmen, die in den Bereichen Umwelttechnologien und erneuerbaren Energien tätig sind, hätten in Masdar eine Chance. Dank gutem Ruf die Nummer einsDie Ökostadt bei Abu Dhabi soll die erste Stadt weltweit sein, die ihre Energie vollständig aus erneuerbaren Quellen bezieht, kein Kohlendioxid ausstösst und keinen Abfall produziert. Ihr Bau hat im Februar 2008 begonnen. Nach ihrer Fertigstellung im nächsten Jahrzehnt sollen hier 50000 Menschen leben und 90000 Menschen arbeiten. Die Schweiz ist das erste und bisher einzige Land, das die Chance erhält, ein eigenes Quartier in Masdar zu errichten. Eine entsprechende Vereinbarung zwischen Masdar und der „Swiss Village Abu Dhabi Association“ wurde vergangene Woche unterzeichnet. Für Jeker ist es nicht überraschend, dass das Emirat Abu Dhabi die Eidgenossenschaft als Partner ausgewählt hat. „Die Schweiz hat im Mittleren Osten einen ausgezeichneten Ruf.“ Verwandte Themen| { Mit Masdar an die Spitze, 04.08.09 } | | { Bonn macht Platz für Masdar, 29.06.09 } | | { Masdar will an die Weltspitze, 04.06.09 } | | { Grüne Chance in den USA, 09.03.09 } | | { Die Kräfte bündeln, 04.03.09 } | | { Grün und gesund aus der Krise, 04.03.09 } | | { Ökostadt statt Flugzeugen?, 29.01.09 } | | { Schweizer zieht es an den Golf, 20.01.09 } | | { Fortschritt nach Schweizer Art, 16.01.09 } | | { Briten steigen bei Masdar ein, 07.11.08 } | | { Schweiz in Masdar willkommen, 30.10.08 } | | { Grüne Stadt in der Wüste, 03.10.08 } |
Dieser gute Ruf soll sich nun auszahlen. Osec-Direktor Daniel Küng will das „Swiss Village“ zu einem „Showcase“, zu einem regional und global sichtbaren Schaufenster der Schweizer „Cleantech“-Branche machen. Ökologische Innovationen aus der Schweiz könnten hier für Interessenten aus der Golfregion wie für die gesamte Branche weltweit sichtbar gemacht werden. Denn Abu Dhabi beabsichtigt, Masdar zu einem Zentrum für erneuerbare Energien und Energieeffizienz in der Welt zu machen. Einen ersten Erfolg hat es Ende Juni erzielt: Die Mitgliedsländer der Internationalen Agentur für erneuerbare Energien, darunter die Schweiz, haben den Sitz der neuen Organisation nach Masdar vergeben. Minergie für den GolfOsec rechnet damit, dass allein beim Aufbau der Ökostadt selbst Aufträge an Schweizer Firmen im Umfang von Hunderten Millionen Franken möglich sind. Das Budget für den Aufbau der Stadt beträgt 22 Milliarden Dollar (24 Milliarden Franken), zu einem guten Teil staatliche Gelder des ölreichen Emirats. So überrascht es nicht, dass auch grosse Schweizer Unternehmen wie Implenia, Oerlikon und Geberit sich für das Schweizer Quartier in Masdar engagieren. „Für uns hat Abu Dhabi bereits zuvor zu den Zielmärkten gehört“, sagt Roland Fisch, Leiter des operativen Geschäfts bei Implenia Global Solutions. „Das Swiss Village entspricht unserer Strategie.“ Implenia wählt derzeit gemeinsam mit der Zürcher Planungsfirma Maxmakers die Schweizer Architekten aus, die das 20 Hektar grosse Schweizer Quartier gestalten und bauen sollen. Die Herausforderung ist gross: Masdar sei das derzeit interessanteste Projekt der Stadtplanung weltweit, sagt Nick Beglinger, Präsident des Vereins „Swiss Village Abu Dhabi“ und Managing Partner von Maxmakers. Das Schweizer Quartier liegt im viel frequentierten Zentrum der vom Büro Norman Fosters geplanten Stadt, soll sich gleichzeitig einfügen und „Swissness“ ausstrahlen. Für Beglinger ist dabei wichtig, dass nach Minergie-Standard gebaut wird. „Minergie ist ein Trumpf der Schweiz, der exportiert werden muss. Andere Exporte, etwa von Baumaterialien, werden folgen.“ Golf, China, USADas Schweizer Quartier in Masdar soll zum Sprungbrett in andere Märkte werden. Bereits jetzt gibt es Pläne für ähnliche Städte in anderen Ländern der Region wie Saudi-Arabien und Katar. Die Schweizer „Cleantech“-Branche soll laut Daniel Küng international zu einer beachteten Marke werden und auch in Ländern wie China und den USA bekannt gemacht werden. Der Exportförderer will auch andere Schweizer Branchen auf ähnliche Weise fördern. Dafür erhält Osec Geld vom Bund. Küng nennt als Beispiel auch Architekten und Industriedesigner – also Branchen, in denen Schweizer Unternehmen mit Spitzenleistungen aufwarten, aber oft zu klein und zu fragmentiert sind, um allein in den Export zu gehen. Für solche Branchen kann das „Swiss Village“ in Masdar zum Vorbild werden. Bild: Das Masdar-Hauptquartier, neben dem das Swiss Village entstehen soll, im Modell (Steffen Klatt).
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