Kompass durch den Labeldschungel

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Geschrieben von: Nathalie Schoch, St. Gallen 03.08.09
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Immer mehr Konsumenten kaufen bewusster ein. Sie achten darauf, dass die Produkte mit einem Gütesiegel versehen sind. Und damit unter gesunden und gerechten Bedingungen ins Regal gelangen. Doch welches Label für was steht, ist oft schwer zu durchschauen.

Man geht einkaufen. Schlendert an Regalen entlang. Vorbei an Hunderten von Produkten. Und viele dieser Produkte sind mit Gütesiegeln versehen - so genannten Labels. Es sind Zeichen, die für besondere Merkmale in Bezug auf Umwelt oder soziale Bedingungen stehen. Sie weisen den Konsumenten darauf hin, dass das Produkt mit grösserer Sorgfalt hergestellt wurde. Und die Labels geben eine Garantie für gewisse Abläufe und Kontrollen ab. Doch bei über 120 gebräuchlichen Labels ist es für den Konsumenten schwierig, da durchzublicken.

Warum braucht es Gütesiegel?

Jedes Produkt hat eine Lebensgeschichte. Es wächst irgendwo als Rohstoff auf, wird dann vom Mensch gepackt und zu einem für sich brauchbaren Produkt verarbeitet. Dann wird gehandelt und gefeilscht. Man schickt es fort und es landet irgendwo an einem fremden Ort in einem Laden. Wird in ein Regal gestellt und dem Konsumenten schmackhaft gemacht. Und ehe es sich versieht, wird es in einem neuen Zuhause verzehrt, ausgestellt oder herumgetragen. Ist das Produkt alt oder uninteressant geworden, wird es entsorgt. Wie in jeder Lebensgeschichte gibt es auch hier schlechte Erlebnisse. Man wird mies behandelt, herumgeschubst oder ausgenutzt. Und das kann zum Teil schwere Folgen für das Produkt haben. Damit das nicht passiert, gibt es Gütesiegel. Sie garantieren, dass gewisse Schritte in seiner Lebensgeschichte kontrolliert wurden. So zum Beispiel bei Früchten die Knospe Bio Suisse, sie garantiert einen biologischen Anbau. Der blaue Engel, der bei der Produktion von Papier garantiert, dass für die Bleichung kein Chlor eingesetzt wird. Oder Max Havelaar – das Label garantiert, dass den Produzenten faire Preise bezahlt werden.

Eine Datenbank schafft Ordnung

Immer mehr Konsumenten setzen auf gesunde, umweltgerechte und fair produzierte Güter. Dabei können Labels eine Orientierungshilfe sein. Mittlerweile gibt es über 120 gebräuchliche Labels in der Schweiz. Für den Konsumenten ziemlich verwirrend. Die Stiftung Praktischer Umweltschutz Schweiz (Pusch) hat deshalb eine unabhängige Datenbank aufgebaut, die einen umfassenden Überblick über die verschiedenen Labels verschafft. Eine Maske erleichtert die Suche nach einzelnen Produkten oder Produktgruppen. Sie enthält auch Tipps zu über 50 Produkte des Alltags. So zum Beispiel, was man beim Kauf von Früchte und Gemüse oder bei Meeresfrüchten unbedingt beachten sollte.

Die drei Bereiche

Die Labels sind in drei verschiedene Bereiche unterteilt: Ökologie, Wirtschaft und Soziales. Unter ersteres fällt der Biolandbau. Zum Beispiel Verzicht auf chemisch-synthetische Dünger und Pflanzenschutzmittel. In diesen Sektor fallen alle Bio-Labels. Der zweite und dritte Bereich gehen ineinander über. Zum einen sind es die sozialen Standards, mit dem Ziel, vertretbare Arbeitsbedingungen in den Produktionsstätten dieser Welt durchzusetzen. Darunter fällt das Verbot von Kinder- und Zwangsarbeit, Gesundheit und Arbeitssicherheit, Diskriminierungsverbot, geregelte Arbeitszeiten und existenzsichernde Löhne. Zu guter Letzt die Wirtschaft. Oder anders formuliert: der faire Handel. Im Gegensatz zu den sozialen Standards beschränken sich Fair-Trade-Labels nicht nur auf die Verbesserung der Arbeitsbedingungen. Anbieter dieser Produkte verpflichten sich, den Produzenten für ihre landwirtschaftlichen Erzeugnisse einen kostendeckenden Mindestpreis sowie eine Fair-Trade-Prämie zu bezahlen. Teilweise wird sie für die Durchführung von Gemeinschaftsprojekten zur Verbesserung der Lebensbedingungen eingesetzt. Oder sie wird direkt an die Produzenten ausbezahlt.

Hohe Anforderungen

Wer sich ein Gütesiegel erarbeiten möchte, muss sich zumindest in einem der drei Bereiche qualifzieren. Je nach Verordnung sind die Anforderungen sehr hoch. Dies wird dann von anerkannten Laboratorien und Inspektionsstellen genauestens geprüft. So zum Beispiel von Bio Inspecta, die vor allem Betriebe im landwirtschaftlichen Bereich und Lebensmittelhersteller zertifiziert. Oder Testex im Bereich Textilien, die Empa in Sachen Konstruktion, Luftstoffe und Umwelttechnik. Wie die Anforderungen sind auch die Kosten für die Prüfung sehr unterschiedlich. „Ein kleiner Bauernhof zum Beispiel muss mit 400 bis 1000 Franken rechnen, die Prüfung dauert zwischen vier Stunden und einem Tag. Umfangreicher und kostspieliger wird es für grössere Verarbeitungsunternehmen. Dort kann die Zertifizierung mehrere Monate dauern“, sagt Ueli Steiner, Geschäftsführer von Bio Inspecta. Und wer überprüft die Prüfer? Das übernimmt die Schweizerische Akkreditierungsstelle SAS, eine Abteilung des Staatssekretariats für Wirtschaft (Seco).

Umsatzeinbussen zugunsten der Billigprodukte

Sowohl führende Label als auch Unternehmen haben in den letzten Jahren die Entwicklung von Sozialstandards vorangetrieben. Einzig die Billigprodukte trüben dieses Bild. Während Billiglinien immer höhere Umsatzzahlen erzielen, schrumpfen die Umsätze von Labelprodukten, schreibt das Seco. Gerade beim Fleisch, wo die Mehrleistungen fürs Tierwohl augenfällig seien. Gründe dafür lägen vor allem im Preis. Labelprodukte seien in der Regel teurer. Obwohl der höhere Preis durch den Mehrwert, den sie mit der unabhängigen Kontrolle und einer konsequenten Produktion erbringen, gerechtfertigt sei, würden sich die Umsätze dennoch oft auf Billigprodukte verschieben.

Umdenken in der Gesellschaft

„Allein mit einer Umstellung von konventionell auf grün und fair hergestellte Güter können die Umwelt- und Gesellschaftsprobleme langfristig kaum gelöst werden“, sagt Ion Karagounis, Geschäftsleiter der Stiftung Praktischer Umweltschutz Schweiz. Trotz aller Euphorie über den neuen grünen Handel sei eine Trendwende nicht in Sicht. Dabei fehle es nicht an technischen Potenzialen, sondern am Willen der Gesellschaft, diese in einer für die Umwelt nützlichen Frist auszuschöpfen. „Die immer knapper werdenden Ressourcen werden die Menschen dereinst dazu zwingen, ihre grundsätzlichen Wertvorstellungen zu überdenken“, so Karagounis. Also weg vom Haben, hin zum Sein.


Hinweis:

Tipps für einen bewussten Konsum: Die unabhängige Datenbank von Praktischer Umweltschutz Schweiz (Pusch).

Detailbewertungen zu einzelnen Labels gibt es auch auf der Internetseite von WWF oder Vierpfoten.

Anforderungen für die Zertifizierung findet man auf der Internetseite von Seco.

 

Bild: Gütesiegel Knospe von Bio Suisse garantiert einen biologischen Anbau (Bio Suisse).

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