Die Studie von McKinsey über die Energieverschwendung in den USA und die möglichen Einsparpotentiale verlangt ein völliges Umdenken der bisher auf sorglosen Umgang auch mit Energie eingestellten Gesellschaft.
Amerikanische Mieter haben meist keinen Einfluss darauf, ob die Klimaanlage ihrer Wohnung oder ihres Hauses auf dem neuesten Stand ist und entsprechend sparsam mit Energie umgeht. Sie schicken sich ins Unvermeidliche und zahlen eben höhere Stromkosten. Und die Vermieter mögen die Notwendigkeit durchaus einsehen, energieeffiziente Anlagen einzubauen. Aber es gibt keinerlei Anreize für sie, solche Investitionen vorzunehmen. Und so laufen die alten Kühler bis sie völlig kaputt gehen. Zehn Prozent Verlust
Rund zehn Prozent der in den USA erzeugten Stromenergie gehen durch solche Situationen verloren, hat die Unternehmensberatung McKinsey herausgefunden. Dies zu ändern könnte Folgen haben, die wirtschaftlich gesehen dramatisch genannt werden können. Würden in Amerika 520 Milliarden Dollar (370 Milliarden Euro / 566 Milliarden Franken) in Energieeffizienz in Wohnungen und Büros bis 2020 investiert, dann könnten die USA ihren Energieverbrauch um fast ein Viertel senken und 1,2 Billionen Dollar einsparen. Ausserdem würde der Ausstoss von schädlichen Treibhausgasen erheblich reduziert. Der Report weist damit einen verhältnismäßig raschen und schmerzfreien Weg für Industriestaaten in Amerika und Europa, um ihren internationalen Verpflichtungen zur Reduzierung von Kohlendioxid-Emissionen nachzukommen. „Energieeffizienz ist eine wichtige und überzeugende Niedrigkosten-Option“, sagt Jon Creyts von McKinsey in Chicago. „Es gibt genug Gründe, warum wir Innovation brauchen und dennoch weiterhin Quellen sauberer Energie entwickeln müssen.“ Die Studie, die von Stromversorgern, Umweltverbänden und dem Energieministerium bezahlt worden ist, stellt stärker auf das Verhalten von Wirtschaft und Haushalten ab als auch die Regierungspolitik. Umweltschutzkosten sind nicht berücksichtigt worden ebenso wenig wie Energie-Effizienz durch sparsamere Autos und stärkere Nutzung von öffentlichen Verkehrsmitteln. Eine Gigatonne weniger Abgas
Dennoch enthält die Untersuchung erstaunliche Daten über die Folgen von Effizienz im Energiebereich auf die Umwelt. Die USA könnten bei Befolgung der Ratschläge die unvorstellbare Menge von 1,1 Gigatonnen an Schadstoffemissionen pro Jahr vermeiden. Das ist gleichbedeutend mit den Abgasen der gesamten Flotte von Autos und leichten Lastwagen in den USA. „Die Einsparungen wären grösser als der gesamte Energieverbrauch von Kanada“, sagte Ken Ostrowski von McKinsey-Atlanta in dieser Woche auf einer Veranstaltung in Washington. „Das Ausmass ist gewaltig, wenn wir es schaffen, die Mittel zuzubringen, dies umzusetzen.“ Verschwender-Kultur beenden
In dem McKinsey-Report wird allerdings auch darauf aufmerksam gemacht, dass die Vereinigten Staaten eine Kultur der Verschwendung im Lande ändern müssten und das Zögern der Beamten und Industrieverantwortlichen, teure Investitionen anzuordnen, die sich nicht sofort sondern erst längerfristig bezahlt machen. „Diese Hürden sind weit verbreitet und hartnäckig. Es bedarf eines integrierten Lösungsansatzes, um sie zu überwinden. Dazu gehören Information und Bildung, Anreize und Finanzierung, Codes und Normen, und die Bereitstellung von mehr Mitteln als derzeit“, heisst es in einer mit dem Bericht vorgelegten Erklärung der Autoren. Die USA geben jährlich rund zehn Milliarden Dollar für Energie-Effizienz aus. Um die im Report angesprochenen Ergebnisse zu erzielen, müsste zehnmal so viel aufgewandt werden. Im so genannten „Stimulus-Paket“ von Präsident Barack Obama zur Wirtschaftsbelebung sind ungefähr 15 Milliarden für Effizienzsteigerung vorgesehen. Real sehr schwierig
Experten begrüssen die Studie, auch die Hinweise auf die Notwendigkeit eines veränderten Verhaltens der Gesellschaft. Manche meinen aber auch, die gewaltigen Investitionen seien nicht möglich. „Keine Frage, das Potential ist da. Theoretisch”, sagt Professor David Victor von der Universität San Diego in Kalifornien. Der Energieexperte schränkt aber ein: „Es ist aber wirklich sehr, sehr schwierig, diesen Potential in der realen Welt zu erreichen. Eine Menge Leute und eine Menge komplexer Organisationen müssten ihr Verhalten umkehren.“ Die Haushalte haben ein Einsparungspotential von 35 Prozent, Fabriken und Grossindustrie von 40 Prozent und Einrichtungen des Handels von 25 Prozent, heißt es in dem Report. Das Licht ausdrehen…
Umweltschützern geht das alles nicht weit genug. Der Direktor des Rates zur Verteidigung natürlicher Ressourcen, Peter Lehner, kritisierte, dass in der Studie Grund-Verhaltensweisen der Menschen gar nicht aufgeführt worden seien, die es zu ändern gelte. Etwa, dass man das Licht in nicht benutzten Räumen löscht oder im Winter die Heizung ein paar Grad herunterdreht. Bild: Bausparkasse Schwäbisch Hall
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