Kein Windpark auf den Rockies

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Geschrieben von: Katja Ridderbusch, Atlanta 30.07.09
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Der Öl-Milliardär T. Boone Pickens hat sich aus patriotischen Gründen zum entschiedenen Befürworter von alternativer Energie gewandelt. Sein ehrgeiziges Projekt einer Windenergie-Allee parallel zu den Rocky Mountains ist jetzt gestorben.

Er hatte einen Plan, er hatte eine Armee, er hatte Geld. Dennoch platzte sein Traum, die größte Windfarm der Welt zu bauen, einen gigantischen Korridor aus Windrädern von Texas bis zur kanadischen Grenze. T. Boone Pickens, 81, der zum Streiter für Öko-Energie geläuterte Ölbaron, verkündete jetzt das vorläufige Aus für sein Projekt. Mit dem „Pickens Plan” hatte er 20 Prozent des US-Stromverbrauchs decken wollen. Doch es gab logistische Probleme, der Ölpreis brach ein, Investoren sprangen ab. 1,6 Millionen Anhänger hatte Pickens in den vergangenen 12 Monaten online rekrutiert, die in Briefen an Kongressabgeordnete für den Plan werben sollten. „The Pickens Army”, nannte er sie, die Pickens-Truppen.

Vom Zeitungsboten zum Milliardär

Doch T. Boone Pickens gibt so schnell nicht auf, außerdem ist er vertraut mit strategischen Rückzügen. Geboren wird er 1928 als Thomas Boone Pickens, Jr. in Oklahoma, Sohn eines Landvermessers auf den örtlichen Ölfeldern. In seiner Autobiografie beschreibt er, wie er als kleiner Junge auf der Straße eine Geldbörse findet mit der Adresse des Besitzers. Er bringt dem Mann sein Portemonnaie zurück und bekommt dafür einen Dollar als Belohnung. Doch zu Hause muss er sich dafür schelten lassen und den Dollar zurückbringen. „Du wirst kein Geld dafür nehmen, ehrlich zu sein.” Der Junge fügt sich. Das Geld sollte schon noch kommen, später.

Mit 12 Jahren trägt er Zeitungen aus. Schnell gelingt es ihm, seine Route von 28 auf 156 Haushalte auszudehnen. Damals, sagt er, habe er gelernt, wie man „sein Geschäft durch Akquisition vergrößert”. Er studiert Geologie in Oklahoma und Texas, arbeitet für die Ölfirma Phillips Petroleum. 1956 gründet er sein eigenes Unternehmen, das in den 80er Jahren unter dem Namen Mesa Petroleum und nach zahlreichen Zukäufen und Übernahmen zu einem der großen Spieler im US-Ölgeschäft wird. T. Boone Pickens macht sich einen Namen als genialer, aber skrupelloser Investor, eine Heuschrecke des Ölgeschäfts. 1988 erwägt er kurzzeitig eine Präsidentschaftskandidatur. In den 90er Jahren gründet er den Hedgefonds BP Capital. Pickens‘ Privatvermögen wird auf drei Milliarden Dollar geschätzt.

Öl-Magnat wird Öko-Freak

Klotzen statt kleckern, so lautet auch privat seine Devise. Er lebt mit seiner vierten Frau Madeleine abwechselnd in seiner Stadtvilla in Dallas oder auf seiner Farm in Texas. Madeleine ist die Witwe von Allen Paulson, Gründer des Luxusjet-Herstellers Gulfstream Aerospace. Pickens hat fünf Kinder und 12 Enkel. Boone Pickens ist Mitglied der Republikanischen Partei, unterstützte die Wahlkämpfe seines texanischen Kollegen George W. Bush. Umso überraschender war es, als er sich ab 2007 alternativen Energien zuwandte. „Eine seltsame Rolle” habe sich Pickens da zugedacht, schrieb die „Washington Post” verwundert. „Der Milliarden-Spekulant wird zum Energie-Weisen, der Ölmagnat zum Champion für Windkraft, der eingeschworene Republikaner zum Freund der umweltbewussten Demokraten.”

Patriotische Windräder

T-Boone Pickens‘ neue Leidenschaft für alternative Energien ist allerdings weniger der Liebe zur Umwelt als vielmehr seinen patriotischen Gefühlen geschuldet: Ziel des Pickens-Plans war es, Amerikas Abhängigkeit von ausländischem Öl zu verringern. Pickens vermarktete seinen Plan mit einem Budget von knapp 60 Millionen Dollar - und trug dazu bei, dass alternative Energien auf die Agenda des Präsidentschaftswahlkampfs rückten. Einige Kritiker bezeichneten den Pickens-Plan indes als utopisch, manche gar als „wahnwitzig”.
T. Boone Pickens will dennoch weitermachen, fünf oder sechs kleinere Windfarmen bauen, irgendwo im Mittleren Westen. Schließlich hat er bereits für zwei Milliarden Dollar Windräder bei General Electric bestellt, die ab 2011 geliefert werden. „Ich habe keine so große Garage, in der ich die Dinger lagern könnte”, sagte er lakonisch. „Also werde ich sie wohl aufstellen und nutzen müssen.”

 

Bild: T. Boone Pickens Official Website

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