Tschechen visieren Atomzukunft an

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Geschrieben von: Aureliusz Pedziwol, Prag 23.07.09
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Mehr Atomkraft, mehr Kohle und neue Autobahnen kündigt der vom Kabinett des tschechischen Premiers Jan Fischer verabschiedete Raumplan an. Auf dem Tisch befindet sich auch ein Vorhaben, der schon seit über drei Jahrhunderten erwägt wird.

Mit der Verabschiedung des Dokuments „Raumentwicklungspolitik 2008“ hat das Kabinett in Prag die Bedingungen für künftige strategische Investitionen im ganzen Land geschaffen. Darunter sind vor allem der Ausbau der beiden schon existierenden  Atomkraftwerke Temelin und Dukovany, sowie das Errichten eines ganz neuen Kernkraftwerkes in Blahutovice, Nordmähren, vorgesehen.

Bauplätze schützen

Der Premier Fischer versicherte dabei, dass damit noch keine „endgültige  Entscheidung“ gefallen sei. Mit dem neuen Raumplan würden lediglich betroffene Grundstücke vor eventueller andersartiger Bebauung geschützt. Über die Investitionen selbst werden erst künftige Regierungen entscheiden müssen.

Unter den im Dokument vorgesehenen Investitionen befinden sich auch zwei Autobahnen, die von Prag in die Richtungen Österreich und Polen führen werden: D3 nach Budweis  und D11 von Königgrätz nach Jermer, sowie die neue Start- und Landebahn für den Flughafen Prag.

Weiter beschäftigt sich das Dokument mit der künftigen Kohlegewinnung in Beskiden – den Bergen an der mährisch-slowakischen Grenze – sowie mit den vermuteten  Erdöllagerstätten im Südosten des Landes.

Donau-Oder-Elbe-Kanal

Die Regierung hat auch die Wiederbelebung der Investition in Aussicht gestellt, die kurz vor dem Krieg begonnen, aber bald aufgegeben worden ist: der Donau-Oder-Elbe-Kanal. Die Idee, eine solche komplexe Verbindung zu schaffen, ist jedoch noch viel, viel älter: Sie wurde zum ersten Mal im Traktat von Lothar Vogemont „Dissertatio de utilitate, possibilitate et modo conjunctionis Danubii cum Odera, Vistula & Albi fluvius per canalem navigabilem“, der 1700 in Wien erschienen war, schriftlich vorgestellt.

Am 19. November 1938 beschlossen Nazi-Deutschland und die Rumpf-Tschecho-Slowakei den Kanal zu bauen. Bevor das Unterfangen wegen des Kriegs auf Eis gelegt wurde, entstanden zwei kurze Teilstücke: einer im jetzigen 22. Wiener Bezirk Donaustadt, der andere bei Cosel (Kozle) in Schlesien, Südpolen.

Kritik der Opposition

Der Minister für Landesentwicklung Rostislav Vondruzka erklärte, dass die verabschiedete Vorlage schon im vorherigen Koalitionskabinett des im März gestürzten Premiers Mirek Topolanek abgehandelt worden war, aber die Minister schafften es nicht, sie zu besiegeln. „Wären unsere Minister in der Regierung, würden wir das Dokument in dieser Form mit Sicherheit nicht akzeptieren“, konterte der Chef der Grünen Ondrej Liska gegenüber der Wirtschaftszeitung Hospodarske noviny.

Laut der Zeitung werde der Entwurf auch in den Gemeinden kritisiert, die von den strategischen Bauten „bedroht“ sind.

Bild: Das umstrittene Atomkraftwerk Temelin wird eventuell ausgebaut. (Japo)

 

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