Chris Gale ist Public Relations Manager in Manhattan. Er wohnt aber nicht in New York, sondern in Stamford im Bundesstaat Connecticut. Nur eine Stunde Fahrt von seinem Büro - an Wochenenden. Während der täglichen Rushhour in der Woche braucht er zwei Stunden zur Arbeit und abends zwei Stunden nachhause. Nur selten nimmt er den Vorortzug. Denn der Fahrplan will nicht zu seinen Arbeitszeiten passen, vor allem, wenn er - wie so oft - am Abend lange im Büro zu tun hat. Über elf Milliarden Liter Benzin „verblasen”Zwar hat die Rezession, die in den USA schon vor dem Einbruch an Wall Street begonnen hatte, das Verkehrschaos 2007 gegenüber dem Vorjahr etwas entschärft. Aber dennoch ging durch Staus eine Menge an Zeit, Geld und Treibstoff verloren. Die Zahlen sind erschreckend. Das Institut für Verkehrswesen in Texas, das alljährlich einen Bericht über die Verkehrssituation in ganz Amerika veröffentlicht, beziffert den wirtschaftlichen Verlust durch Staus bei Berufspendlern auf 87 Milliarden Dollar (62,6 Milliarden Euro/ 94,8 Milliarden Franken) im Jahr 2007. Für jeden amerikanischen Pendler bedeutete das persönliche Mehrkosten von 750 Dollar (540 Euro / 818 Franken). Fast drei Milliarden Gallonen (11,4 Milliarden Liter) Treibstoff wurden in die Luft geblasen. Mehr als vier Milliarden Arbeitsstunden gingen verloren, umgerechnet auf die Pendler eine ganze Arbeitswoche pro Person. Krise ändert wenigDie Zahlen für 2007 liegen nur geringfügig unter denen von 2006. Der Rückgang beträgt gerade eine Stunde und eine Gallone (3,8 Liter) Treibstoff. Der Trend werde sich wieder umkehren, wenn die Wirtschaft erneut anspringt, glaubt David Schrank, einer der Autoren des Berichts. „Das ist nur eine kleine Veränderung. Niemand sollte erwarten, dass er deshalb ohne Stau mit Vollgas zur Arbeit fahren kann.” Lokalpolitiker hoffen vergeblich auf „Stimulus”Lokalpolitiker hatten ihre Hoffnungen auf das Konjunkturprogramm von Präsident Barack Obama gesetzt. Von den 800 Milliarden des „Stimulus-Pakets” sollten 30 Milliarden in neue Strassen und andere Infrastrukturprojekte fliessen. Die Studie aus Texas zeige, dass die Verkehrsstaus eines der Hauptprobleme seien und bedeutende Investitionen in Verkehrsprojekte notwendig wären, erklärt Frank Quon, stellvertretender Direktor des kalifornischen Verkehrsministeriums in Los Angeles - der Stadt mit den schlimmsten Staus und grössten Verkehrsproblemen der USA.
Bild: Yvonne von Hunnius |